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Interview

Schlaudraff über sein Leben ohne Hannover 96

Windeln wechseln ist einfacher als Freistöße schießen: Jan Schlaudraff spricht mit HAZ-Redakteur Christian Purbs über sein Leben ohne Hannover 96, seine Pläne für die Zeit nach dem Profi-Fußball, die neue Rolle als Familienvater und etwas andere Weihnachtstage.

veröffentlicht am 26.12.2015 um 10:16 Uhr
aktualisiert am 26.12.2015 um 10:51 Uhr

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Die Nächte sind kürzer, der Schlaf deutlich weniger. Aber das gehört halt mit dazu. Die Kleine schläft mal besser, mal schlechter. Anstrengend war die erste Zeit, da habe ich Zoe nachts herumgetragen und gewartet, bis sie Bäuerchen macht. Zurzeit haben wir Glück, weil sie nachts auch längere Schlafphasen hat und nur noch einmal kommt.

Wir sind beide hochzufrieden und glücklich darüber, dass die Kleine gesund und munter ist. Es ist eine sehr spannende Zeit, alles ist neu.

Ganz klar: 96-Strampler. Meine Freundin kommt von hier, die Kleine ist hier geboren, und Hannover ist meine Wahlheimat. Da gibt es keine Diskussionen.

Es ist alles in voller Pracht vorhanden. Wäre es ein Junge geworden, hätte ich da schon genau nachgeschaut.

Der Freistoß in den Knick. Windeln zu wechseln ist kein Hexenwerk, das kriegt man relativ schnell hin.

Ich habe umgestellt auf Familienwagen. Audi Q5. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Autofreak bin, und nicht jeder hatte dafür Verständnis, dass ich mir mit Mitte 20 einen Ferrari gekauft habe. Da ich mich jetzt als Neuling in verschiedenen Bereichen umschaue, halte ich es aber nicht für angebracht, mit einem Ferrari vorzufahren. Mit dem Audi kann ich mich überall blicken lassen.

Ich bin viel unterwegs, schaue mir viele Fußballspiele an, habe in Barsinghausen die Trainer-B-Lizenz gemacht und werde im Februar die Elite-Lizenz in Leipzig machen. Zudem bin ich für eine Managementfirma in Köln viel unterwegs und habe auch noch zwei, drei andere Dinge, wo ich schaue, wie sie sich entwickeln. Wenn ich nicht auf Achse bin, ist es schön, dass ich mir die Zeit so einteilen kann, dass ich zu Hause bin und mich um die Kleine kümmern kann. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht.

(lange Pause) Jein. Natürlich wünscht sich jeder einen Abschied wie es bei Lars (der ehemalige 96-Profi Lars Stindl, d.Red.) war, der uns gerettet hat und zurecht dafür gefeiert wurde. Das war ein Bilderbuchabschied. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir am letzten Spieltag gegen Freiburg schon gerettet sind und ich noch einmal vor ausverkauftem Haus hätte spielen können. Mein Abschied war sicherlich nicht optimal, aber im Fußball kann man nicht immer alles planen. Ich habe in Hannover viele Höhen und Tiefen erlebt, wobei das Positive ganz klar überwiegt. Jetzt schaue ich mir die 96-Spiele an, fiebere mit und hoffe, dass die Mannschaft Erfolg hat.

Eigentlich nicht, worüber ich auch froh bin. Natürlich vermisse ich es, mit den Jungs zusammen zu sein, zu trainieren, Erfolg zu feiern und Blödsinn zu erzählen. Ich dachte auch, das wird bestimmt komisch, wenn ich als Zuschauer ins Stadion gehe. Aber ich bin froh, dass ich im Stadion da bin, wo ich jetzt bin. Dass ich oben stehe und gucke und mich nicht unten auf dem Platz warmlaufe oder auch noch selbst dafür verantwortlich bin, das Ergebnis zu gestalten. Ich bin froh, nicht mehr in der ersten Reihe, in der vordersten Schusslinie zu stehen. Man spricht jetzt über andere. Damit kann ich gut leben.

Die Angebote waren nicht so interessant, dass ich sie unbedingt hätte annehmen müssen. Klar gab es auch Anfragen aus dem Ausland, doch wir wollten nicht, dass unser Kind im Ausland geboren wird. Wenn mal irgendetwas mit der Kleinen sein sollte, wir die Sprache nicht sprechen: Das wollten wir nicht.

Kein Spiel, kein Training, nichts. Nur im Urlaub habe ich mit ein paar Freunden gekickt. Ich spiele jetzt viel Tennis. Das macht mir Spaß – außerdem bin ich zu faul, einfach mal eine Stunde alleine Laufen zu gehen. Da fehlt mir der innere Antrieb.

Sie ist schwierig, was jedoch mit den Entscheidungen, die in den vergangenen zwei Jahren getroffen wurden, abzusehen war. Zwei Jahre hat man sich gerade so über Wasser gehalten und kurz vor knapp den Abstieg vermieden. In der letzten Saison gegen einen Absteiger, mit einem Eigentor am letzten Spieltag in der letzten Minute. Dann wird gesagt: ,Jetzt haben wir es aber verstanden und werden Sachen ändern.’ Aber es ändert sich wieder nichts. 96 gibt wieder gute Spieler ab und kann sie nicht adäquat ersetzen.

Nach einem halben Jahr kann man sagen, dass die Neuen die verlorenen Spieler noch nicht ersetzen können. Das muss man ganz klar feststellen. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass es dieses Mal noch enger wird. Jeder, der sich mit 96 beschäftigt, weiß, wo die Probleme liegen. Und die sollte man schnell anpacken. Sonst wird es ganz, ganz eng.

Ich denke, 35 Punkte reichen für Platz 15. Man muss ja dankbar dafür sein, dass 96 mit 14 Punkten noch direkten Anschluss an die Teams hat, die auf einem Nichtabstiegsplatz stehen. Ich gehe davon aus, dass Hoffenheim, Darmstadt, Bremen, Stuttgart und 96 bei der Verlosung dabei sein werden. Bei Frankfurt und Ingolstadt muss man abwarten. Idealerweise lässt man drei von diesen Teams hinter sich.

Überhaupt nicht. Null.

Nein, war es auch nicht. Im Gegenteil.

Für mich nicht. Für mich ist das Familientradition.

Weihnachten war bei uns immer riesiges Theater. Oma, Opa, wir drei Jungs, alle nervös, weil wir es nicht abwarten konnten, dass endlich der Weihnachtsmann kommt und es Geschenke gibt. Alles sollte perfekt sein, was dazu geführt hat, dass alle nur noch aufgeregter wurden. Meine Mutter hat dann irgendwann gesagt: Das bringt nichts, wir machen etwas anderes. Wir sind dann in den Center Parc gefahren, meistens nach Holland, haben Lebensmittel eingepackt und viel Sport gemacht. Auch an Weihnachten. Das hat sich so bewährt, dass wir es dann jedes Jahr gemacht haben. Geschenke und eine Freude kann man anderen das ganze Jahr über machen. An Weihnachten tun immer alle so, als müsste alles absolut perfekt sein. Da bin ich kein Fan von.

Nein, da es das erste Weihnachten für die Kleine ist, bleiben wir in Hannover bei den Eltern meiner Freundin.

Danke.



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