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Nach dem Derby Hannover 96 - Eintracht Braunschweig

Ratlos vor dem Rückspiel

Das Ausmaß der Fangewalt rund um das Niedersachsenderby hat große Bestürzung bei den Verantwortlichen ausgelöst. Die endgültige Bilanz steht noch aus.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 09:35 Uhr
aktualisiert am 13.11.2013 um 00:15 Uhr

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Anhänger von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig waren am Freitagabend vor und nach der Partie massiv auf Einsatzkräfte losgegangen, hatten sie mit Flaschen, Böllern und Leuchtraketen beworfen. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) zeigte sich „fassungslos“ angesichts der „ungezügelten und blindwütigen Gewalt gegen Polizeibeamte“. Zudem kritisierte er die Terminplanung der Deutschen Fußball-Liga. „Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum dieses Risikospiel auf das Wochenende von Robert Enkes Todestag und zugleich auf einen Freitagabend bei Dunkelheit gelegt wurde“, teilte der Minister mit.

Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann (CDU) zeigte sich angesichts der Ausschreitungen sogar etwas ratlos. Er wisse nicht, wie sich Ähnliches oder gar Schlimmeres beim Rückspiel Anfang April in Braunschweig verhindern ließe, teilte er mit.

Das Derby nimmt auch aus Sicht der Polizei einen ganz besonderen Stellenwert ein. Denn noch nie mussten so viele Beamte für die Sicherheit der Besucher vor und im Stadion sorgen. Knapp 2000 Einsatzkräfte der Landes- und der Bundespolizei, dazu zwei Polizeihubschrauber, mehrere Wasserwerfer, die Reiter- und die Hundestaffel sowie weitere Spezialfahrzeuge waren nach HAZ-Informationen am Spieltag zwischen Hauptbahnhof und der HDI-Arena unterwegs, um einen friedlichen Ablauf der Partie zu gewährleisten.

Dennoch konnten Übergriffe nicht verhindert werden. Gegen 18 Uhr versuchten sogenannte 96-Fans, das Stadion im Bereich des Nordeingangs zu stürmen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die Randalierer ein. Anschließend lieferten sich die Fußballrowdys eine Straßenschlacht mit den Einsatzkräften, die erst durch den Einsatz eines Wasserwerfers beendet werden konnte.

Krawallmacher aus Braunschweig, die mit zwei Sonderzügen am Bahnhof Fischerhof in Linden angekommen waren, schleuderten laut Mitteilung der Polizei bei ihrer Ankunft abgetrennte Schweineköpfe und Innereien auf den Bahnsteig. Eintracht-Fans, die ihre Gesichter hinter Masken oder aufgespannten Regenschirmen verbargen, bewarfen die Polizisten zudem mit Knallkörpern. Fünf Beamte zogen sich dabei Verletzungen zu.

Am Südeingang des Stadions angekommen, durchbrachen die Braunschweiger zweimal die Absperrungen, sodass zahlreiche Fans unkontrolliert in die Arena gelangten. Nach Spielende zogen rund 1200 96-Hardcorefans geschlossen vom Stadion in Richtung Altstadt.

Dort teilten sie sich in kleinere Gruppen auf, um zu randalieren. Die Gewalttäter lieferten sich ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei. In der Fußgängerzone warfen sie Stühle gegen Schaufensterscheiben, am Leibnizufer zerlegten sie eine Baustelle, blockierten die Straße mit Absperrgittern und Holzpaletten, am Hauptbahnhof versuchten sie, das Gleis zu stürmen, auf dem gerade ein Regionalzug mit Eintracht-Fans abfahrbereit stand.

Bislang sah sich die Polizeidirektion Hannover außerstande, eine endgültige Bilanz des Derby-Einsatzes zu ziehen. Es gibt keinerlei Auskünfte über die Zahl der Verletzten, der Festgenommenen und des entstandenen Schadens. Auch eine Antwort auf die Frage, warum die Polizei die Randale nach dem Spiel in der Innenstadt nicht unterbinden konnte, blieb die Behörde schuldig.



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