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Hannover 96 im Abstiegskampf

„Nie mehr 2. Liga“

„Nie wieder 2. Liga“: Das Motto von der Aufstiegsfeier von 2002 ist aktueller denn je. Doch Hannover rückt vor dem wichtigen 96-Spiel gegen den HSV im Abstiegskampf zusammen.

veröffentlicht am 11.04.2014 um 20:42 Uhr
aktualisiert am 14.04.2014 um 19:38 Uhr

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Manchmal hilft ein kleiner Blick zurück. Am 19. Mai 2003 stand in der HAZ auf der ersten Seite ein Satz über Hannover 96, an den man sich gerade jetzt mit besonders gemischten Gefühlen erinnert: „Für Hannover 96 war der Klassenerhalt tatsächlich so wertvoll wie ein Meistertitel.“ Es war eine andere Zeit. Der Verein war erst seit einem Jahr wieder erstklassig, ausgerechnet die erste Saison nach der euphorisch gefeierten Rückkehr von der 2. Liga in die Fußball-Bundesliga war zu einer Achterbahnfahrt geworden, bei der ganz lange unsicher war, ob die Geschichte gut ausgehen würde.

Am vorletzten Spieltag aber hatten ein 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach und Rostocker Schützenhilfe für den Klassenerhalt gesorgt mit einer anschließenden Feier, auf der Fans immer wieder vor allem dieses Lied sangen: „Nie mehr 2. Liga.“ Dieser trotzige Fußballschlager gehört normalerweise zum Fangesangsrepertoire von Klubs, die lange zweitklassig waren oder gerne im Fahrstuhl zwischen den Ligen hin- und herfahren. In Hannover war er länger nicht zu hören, zuletzt 2010, als eine 96-Mannschaft in einer Ausnahmesituation am letzten Spieltag in Bochum erstklassig geblieben war.

Hannover sang bis vor Kurzem in Europacupsongs von in Kopenhagen klingelnden Telefonen, aber im Fußball kann es schnell gehen, wenn man nicht aufpasst. Am Sonnabend (Anstoß ist um 15.30 Uhr) bestreitet Hannover 96 gegen den Hamburger SV das erste von fünf Spielen, in denen es nach einer verkorksten Saison nur noch um eines geht: den Klassenerhalt. „Nie mehr 2. Liga“ ist in der Region plötzlich kein Lied mehr, sondern ein sehnlicher Wunsch von den unzähligen Menschen, denen Hannover 96 am Herzen liegt. Nie wieder 2. Liga. Nie wieder Montagspiele mit hannoverscher Beteiligung im Fernsehen.

Den 96-Anhängern ist es zuletzt ähnlich ergangen wie der Mannschaft: Sie haben lange nicht wahrhaben wollen, in welche gefährliche Richtung sich die Dinge entwickeln. Die 0:3-Niederlage in Braunschweig hat selbst den Sorglosesten die Augen geöffnet, die Gefahr ist plötzlich sichtbar wie ein Eisberg, der vorher im Nebel nicht zu erkennen war.

Abstiegsgefahr lässt die Menschen im Fußball zusammenrücken, und genau das ist es jetzt, was die in ernsthafte Schwierigkeiten geratenen „Roten“ brauchen; egal, wie schlecht, ängstlich, ideenlos die Mannschaft in den vergangenen Wochen gespielt hat. Denn noch sind es drei Punkte bis zum 17. Platz, zwei Punkte bis zu Relegationsplatz 16, noch muss Hannover 96 keine Bittbriefe an andere Klubs schreiben und sie um Schützenhilfe bitten.

Das aktuelle 96-Team hat die Menschen maßlos enttäuscht, man kann das nachlesen in den Leserbriefen und -mails, die die Zeitungen zugesandt bekommen. Es handelt sich um eine enttäuschte Liebe, aber wie heißt es so schön im Vereinslied „Alte Liebe“? „Manchmal geht es nicht so, wie man will, aber unsre Liebe steht deswegen noch nicht still.“

So ist das derzeit mit der Region und ihrer Fußballliebe 96. Und deshalb haben fast alle Hannoveraner beschlossen, es jetzt mit dem berechtigten Gemecker mal gut sein zu lassen und den Spielern und Verantwortlichen vor dem enorm wichtigen Spiel gegen Hamburg zu signalisieren: wir für euch!

„Kommt ins Stadion, seid laut, treibt die Jungs an, für Hannover, für den Klassenverbleib“, heißt es auf der neu gegründeten Unterstützerseite „Der Rote Faden für den Klassenverbleib“ auf Facebook. Dass eine Fangruppierung wie die „Brigade Nord 99“ ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ihren sogenannten Support „bis auf Weiteres“ einstellen will, ist eher die kuriose Randnotiz einer Minderheit, die sich wichtiger nimmt, als sie ist.

Die meisten 96-Fans sind nicht nachtragend. Alles, was es für eine schnelle Versöhnung braucht, ist gegen den HSV eine leidenschaftliche Mannschaft. Dann werden die 45 000 Menschen im Stadion, die nicht mit den Hamburgern sympathisieren, „ihre“ Profis bedingungslos anfeuern.

Jede Wette: Auch der nörgeligste Fan wird in den letzten fünf Spielen bei Fehlpässen nicht pfeifen, wenn er sieht, dass diejenigen, die wie er ein rotes Trikot tragen, sich leidenschaftlich in die Zweikämpfe stürzen. Tayfun Korkut, der 96-Trainer, hat gesagt, dass „wir die Leidenschaft wieder auf den Platz bringen müssen“. Das ist der wichtigste Pass, den die Mannschaft heute spielen muss. Der Rest klappt gemeinsam schon.



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