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Hannover 96

Neue Freude an der Offensive

Sein Team hat gerade dreimal in Folge verloren, doch 96-Trainer Tayfun Korkut ist dennoch glücklich. Das klingt paradox – aber auch nur auf den ersten Blick.

veröffentlicht am 09.12.2014 um 21:45 Uhr
aktualisiert am 12.12.2014 um 00:21 Uhr

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Der Gefühlszustand des Trainers von Hannover 96 ist losgelöst von den aktuellen Ergebnissen. „Bei uns überwiegen eindeutig die positiven Aspekte“, sagt der 40-Jährige. „Es funktioniert fußballerisch. Wir müssen nur weiterarbeiten. Qualität, Potenzial und das notwendige positive Gefühl sind vorhanden.“

Der Trainer sieht sein Team auf dem richtigen Weg. Auch zuletzt, , habe ihm vieles sehr gut gefallen. „Da haben wir 70 Minuten richtig stark gespielt, waren fußballerisch gegen den Tabellenzweiten die bessere Elf“, sagt Korkut, „wenn wir das jetzt über 90 Minuten hinkriegen, dann sind wir eine richtig gute Mannschaft.“

Die harte Trainingsarbeit an der nötigen Balance habe Früchte getragen. Diese Balance war ausgerechnet verloren gegangen, als Kapitän Lars Stindl, der zweifellos wertvollste 96-Spieler, wieder ins Team eingebaut worden war. Bis dahin hatte die Defensive sehr sicher gestanden, allerdings waren Probleme in der Offensive unübersehbar. Seit drei Partien ist Stindl wieder dabei, und das Angriffsspiel stimmt mit fünf Treffern durchaus - aber zehn Gegentore sprechen eine deutliche Sprache. „Die Statistik mag so aussehen“, sagt Korkut, „aber man darf nicht vergessen, dass Lars in jedem Spiel an mehreren Großchancen beteiligt war.“

Für den Coach käme es überhaupt nicht infrage, Stindl etwa ins defensive Mittelfeld zurückzuziehen, wo es zuletzt einige Unzulänglichkeiten gegeben hatte, und Hiroshi Kiyotake auf die „Zehn“ zu beordern, auf der er sich wesentlich wohler fühlt. „Auf keinen Fall. Das ist die beste Position für Lars“, sagt Korkut, „ich habe damals die Entscheidung getroffen und bin weiter fest von der Richtigkeit überzeugt. Er hat das auch in den letzten drei Spielen bewiesen.“ Er sei sehr zufrieden, merkt der 40-Jährige an, wie Stindl nach seiner langen Verletzungspause zurückgekommen sei, und er sei sich sicher, dass der Kapitän von Spiel zu Spiel noch stärker werde.

Korkut will Stindl und Kiyotake unbedingt gemeinsam im vorderen Bereich aufbieten. Er gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von seinen beiden Offensivstrategen spricht. „Ich bin sehr glücklich, nein, wir sollten glücklich darüber sein, dass wir zwei solche Spieler zusammen auf dem Platz sehen können“, sagt er. „Sonst sucht man immer nach solchen Spielertypen, die ein Spiel lenken können. Wir haben sogar zwei davon.“ Und man habe noch Akteure drumherum wie Jimmy Briand, Leonardo Bittencourt oder Edgar Prib, die auch noch Speed hätten und nicht zu greifen seien. „Das sind alles Spieler, die viel Wirbel machen können“, sagt Korkut, „und dazu noch unsere Spitze Joselu und einige Jungs davor - da kann ich nur froh darüber sein, dass ich eine solche Offensivabteilung habe.“

Bleibt dennoch das Feilen an der endgültigen Balance - die Gegentore fallen nämlich weiterhin viel zu einfach. Korkut wehrt sich dagegen, diesen Missstand einzig an Abwehr und defensivem Mittelfeld festzumachen. „Das wäre viel zu einfach“, sagt er, „dazu gehört die ganze Mannschaft.“ Und da nimmt er sofort seine vorher so gelobte Offensive in die Pflicht. „Wichtig ist, dass wir bei aller offensiven Kreativität, wenn also der eine oder andere mal in die Mitte drängt, unsere Ordnung nicht verlieren“, sagt er. „Jeder muss dann 100-prozentig wissen, welchen defensiven Raum er zu übernehmen hat. Ein Kreativspieler ist erst dann ein richtig guter Spieler, wenn er sich defensiv mit beteiligt.“

Die nächste Gelegenheit, die Maßgabe des Trainers umzusetzen, hat 96 am Sonnabend bei Abstiegskandidat Werder Bremen. Sollte das gelingen und die „Roten“ darüber hinaus gewinnen, dann dürfte Korkut rundum glücklich sein. Nicht nur über seine Offensive.



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