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Nach der Bundesliga-Hinrunde

Mirko Slomka sieht Lernbedarf

Auch bei der 1:2-Niederlage in Düsseldorf gab es für Hannover 96 auswärts nichts zu holen. Die permanenten Schwächeanfälle in fremden Bundesligastadien haben dazu beigetragen, dass die Roten Gefahr laufen, sich nicht zum dritten Mal in Folge für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren.,

veröffentlicht am 16.12.2012 um 21:10 Uhr
aktualisiert am 19.12.2012 um 00:15 Uhr

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Mirko Slomka muss es kommen sehen haben, dass es wieder nicht der Tag von Hannover 96 werden würde. Wütend schleuderte der Trainer seine blaue Trinkflasche zur Seite; nur gut, dass niemand davon getroffen wurde, das hätte bestimmt verdammt wehgetan. Im Düsseldorfer Stadion waren 39 Minuten gespielt, soeben hatte Dani Schahin die Fortuna mit 1:0 in Führung geköpft, und wieder einmal lief Hannover 96 der erklärten Absicht hinterher, aus einem Bundesliga-Auswärtsspiel endlich mal wieder etwas mitzunehmen. Da kann ein Trainer am Spielfeldrand schon fuchsteufelswild werden. Erst recht, wenn sich die Fehler von Woche zu Woche ähneln, aufgrund derer sich seine Mannschaft selbst immer wieder ein Bein stellt.

Slomka machte aus seinem Ärger dann auch kein Hehl, als es erneut passiert war. Mit dem 1:2 kassierte 96 bereits die sechste Auswärtsniederlage der Saison; obwohl zum Abschluss der Hinrunde wie schon im Vorjahr 23 Punkte zu Buche stehen, herrscht bei den „Roten“ deshalb alles andere als Zufriedenheit. „Wir haben aus solchen Situationen nichts gelernt“, sagte der Trainer, und das gelte für die gesamte Hinrunde. „Ein Punkt hätte uns heute sehr gutgetan.“

Bei allem Respekt vor dem einsatzstarken Auftritt der Düsseldorfer: So einen Gegner mit eher bescheidenen fußballerischen Möglichkeiten wünscht man sich eigentlich, wenn ein Negativtrend beendet werden soll. Aber 96 stand sich wieder selbst im Wege. Hinten (das galt speziell erneut für die linke Seite) wackelig, vorne ein Schatten früherer Gefährlichkeit: So ist kein Staat zu machen, um in Europa ein drittes Jahr in Folge Thema zu sein.

Die Düsseldorfer feierten ihren Sieg bei den Klängen des Tote-Hosen-Songs „Tage wie diese“. Bei 96 gab es, sieht man einmal vom sehenswerten Tor von Mame Diouf zum 1:1 (69.) ab, nichts zu feiern. Das Unheil nahm seinen Lauf, als ausgerechnet der frühere 96er Leon Balogun unbehelligt flanken durfte und in Schahin einen dankbaren Abnehmer fand. Es war aus 96-Sicht der Tiefpunkt einer 1. Halbzeit, in der beide Teams wenig zustande brachten; Slomka führte das später mit Blick auf sein Team auch auf fehlende Leidenschaft zurück.

Davon war nach der Pause dann zwar mehr zu sehen, doch die Wende gelang den Hannoveranern auch nach dem Ausgleich nicht. Dazu war in der 96-Offensive zu viel tote Hose; in der Chancenverwertung erinnerte wenig daran, dass hier eine Mannschaft zu Gast war, die normalerweise zu den torgefährlichsten Teams der Liga gezählt werden darf. Diouf ärgerte sich anscheinend selbst so sehr über die von ihm ausgelassenen Möglichkeiten, dass er sich wegen Meckerns eine Verwarnung einhandelte (77.).

Ins Bild passte schließlich der Düsseldorfer Siegtreffer. Ein Fehlabspiel von Manuel Schmiedebach hatte die Fortuna in Ballbesitz gebracht, den Konter unterband Rausch - für viele Betrachter zu spät - kurz vor dem Strafraum mit einem Foul an Stefan Reisinger. Den Freistoß zirkelte Ken Ilsö unhaltbar für Ron-Robert Zieler ins Netz (83.). Es war ein Tor, das 96 richtig wehtat.

Sportdirektor Jörg Schmadtke brauchte nur zwei Sätze, um die 90 Spielminuten auf den Punkt zu bringen. „Optische Überlegenheit nutzt nichts, wenn du hinten Fehler machst und die Torchancen nicht nutzt. Auswärts ist das bei uns mittlerweile eine wiederkehrende Geschichte.“ Das nächste Auswärtsspiel hat 96 am Mittwoch im Dortmund. Dann ist Pokalzeit. Auch eine Gelegenheit, mal eine andere Seite der Geschichte aufzuschlagen.

Kommentar Verrückt für mehr

Zum Ende des Jahres scheint Hannover 96 einen Titel bereits sicher zu haben: den, es sich selbst am schwersten zu machen. Das gilt wohlgemerkt für die Bundesliga; in der Europa League und im DFB-Pokal hat die Mannschaft bislang ein anderes Gesicht gezeigt – und ist deshalb auch noch gut im Geschäft.

Anders sieht es im fußballerischen Alltag aus, für die „Roten“ die eigentliche Bühne. Hier hat die Mannschaft zuletzt mehr enttäuscht als überzeugt. Es ist kein Zufall, dass 96 zum Abschluss der Hinrunde auf den11. Platz abgerutscht ist. Dabei wird es erst von Rang 6 aufwärts so richtig interessant.

Zwei Jahre internationaler Wettbewerb haben die Ansprüche verändert. Das macht 96 derzeit zu schaffen. Etwas in Straucheln geraten ist das Team aufgrund seiner Bescheidenheit in fremden Stadien. Inzwischen freut man sich auch in Düsseldorf auf den Besuch aus Hannover: Ist doch gar nicht so schwer, gegen die drei Punkte zu holen. Hinten wackelt es bei 96 in so mancher Situation bedenklich, vorne garantiert auch ein Paradesturm keine Tore: So wird das nichts mit der erneuten Qualifikation für die Europa League.

23 Punkte sind kein Alarmzeichen. Aber sie sind ein Signal, dass manches besser werden muss, wenn 96 die eigenen Ziele nicht aus den Augen verlieren will. Einer wie Steven Cherundolo – Kapitän und selbst Verteidiger – weiß, wovon er spricht, wenn er sagt, dass in der Defensive einiges im Argen liege. Zwei Wochen Vorbereitungszeit auf die Rückrunde allein werden nicht ausreichen, das abzustellen. Vielleicht muss 96 auf dem Transfermarkt wirklich mal was „Verrücktes“ machen, wie Sportdirektor Jörg Schmadtke dieser Tage angedeutet hat. Norbert Fettback



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