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Hannover 96

Marcelo, das Stehaufmännchen

Enorme Kopfballstärke, unangenehme Zweikampfführung: 96-Trainer Tayfun Korkut hält Marcelo für einen der besten Innenverteidiger der Bundesliga. Der schlaksige Südamerikaner ist ein gutes Beispiel dafür, dass man aus Fehlern lernen kann.

veröffentlicht am 23.10.2014 um 09:34 Uhr
aktualisiert am 25.10.2014 um 00:29 Uhr

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Am Mittwochabend schob Marcelo eine kleine Sonderschicht ein. Der Innenverteidiger von Hannover 96 schaute sich die Partie von Borussia Dortmund in der Champions League bei Galatasaray Istanbul im Fernsehen an. Ganz alleine auf dem heimischen Sofa. „Ich mag es, den Gegner zu analysieren“, verrät der Brasilianer. In der Regel passiert das am Abend vor jedem Spiel in der Fußball-Bundesliga mithilfe eines vom 96-Videoanalysten zusammengestellten Films über die gegnerischen Stürmer. Doch diesmal bietet sich durch die Champions-League-Partie der Dortmunder, bei denen die „Roten“ am Sonnabend (15.30 Uhr) antreten müssen, eine zusätzliche Möglichkeit zur Analyse.

Überhaupt verbringen Marcelo und seine Mitspieler derzeit ziemlich viel Zeit vor dem Bildschirm. Zuletzt hatte Trainer Tayfun Korkut der Mannschaft am Dienstag die Fehler aus der Partie gegen Borussia Mönchengladbach vor Augen geführt – und das hat eine ganze Weile gedauert. „Wir wissen, dass wir nicht unser bestes Saisonspiel gemacht haben und haben uns unsere Fehler noch einmal angeschaut“, sagte Marcelo.

Doch damit müsse die Sache nun auch abgehakt sein. Der Blick soll sich nun nach vorne richten. „Wenn wir weiter eine gute Atmosphäre in der Kabine und auf dem Platz haben, dann werden wir auch wieder erfolgreich sein“, sagt er.

Im Grunde ist der 27-Jährige sogar ein ganz gutes Beispiel dafür, dass man aus seinen Fehlern lernen und sich weiterentwickeln kann. Denn im bisherigen Saisonverlauf hatten seine Auftritte im Abwehrzentrum – die beiden jüngsten Partien gegen Mönchengladbach (0:3/HAZ-Note 5) und Bayern München (0:4/5,5) ausgenommen – kaum etwas mit denen aus der vorangegangenen Spielzeit zu tun. Statt sich – wie noch in seinem ersten Jahr bei 96 – regelmäßig in Diskussionen mit dem Schiedsrichter und Gegenspielern zu verstricken, konzentriert sich Marcelo fast immer auf sich und sein Spiel.

Und das tut ihm sichtlich gut. Mit seiner enormen Kopfballstärke und seiner unangenehmen Zweikampfführung ist der schlaksige Südamerikaner für jeden Gegner ziemlich unangenehm. Für Korkut ist Marcelo mit dieser Spielweise sogar „einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga“.

„Ich habe im vergangenen Jahr viel dazugelernt. Es war sicherlich kein großes Problem, viel mit den Gegnern zu sprechen. Aber ich versuche jetzt, mich mehr auf mich zu konzentrieren“, sagt der Mann mit der Rückennummer 25. Lediglich einmal, im dritten Saisonspiel gegen den Hamburger SV, sah man den temperamentvollen Abwehrspieler wieder quer über den Platz laufen, um sich ins Getümmel zu stürzen. Damals wollte er seinem knapp zwei Köpfe kleineren Landsmann Leonardo Bittencourt zur Seite stehen – und der Beschützerinstinkt siegte über die Vernunft.

Doch sonst ist Marcelo ruhiger geworden. Und gelassener. Das hilft auch in der aktuellen Situation, in der es für die „Roten“ in der Bundesliga mit drei Niederlagen in Serie nicht nach Wunsch läuft. Wie das Team die Kehrtwende hinbekommen kann? „Wir müssen weiter hart arbeiten und das machen, was der Trainer sagt“, erklärt der Abwehrspieler mit mildem Lächeln. Und auch die Frage, ob er ein Problem darin sieht, dass 96 derzeit nicht unbedingt viel Torgefahr ausstrahlt, bringt ihn nicht aus der Fassung. „Wir wissen, dass wir viel Qualität im Mittelfeld haben und einen der besten Stürmer der Liga. Wir werden wieder Tore schießen“, sagt er – und ist gerne bereit, auch dabei vorneweg zu gehen. Schließlich wartet Marcelo auch nach insgesamt 34 Spielen für 96 noch immer auf sein erstes Tor. Auch das quittiert er mit einem Lächeln: „Meine Zeit wird kommen.“

Vielleicht schon am Sonnabend in Dortmund.



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