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Hannover 96

Leon Andreasen muss sich wieder quälen

In der idyllischen Ostsee-Kleinstadt Dragor absolvierte Leon Andreasen während der Vorweihnachtszeit seine Reha. Vorweihnachtlicher Besuch beim dänischen Patienten: der 96-Profi über Schmerzen, Sympathien und Schicksalsschläge

veröffentlicht am 23.12.2012 um 20:08 Uhr
aktualisiert am 26.12.2012 um 00:15 Uhr

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Durch die engen Gassen der schönen Altstadt pfeift ein kalter Seewind, auf dem Kopfsteinpflaster liegt noch eine dünne Schneeschicht. Im Städtchen Dragor, ein paar Kilometer südlich von Kopenhagen gelegen, geht es in der Vorweihnachtszeit gemütlich zu. Die Cafés unten an der Ostsee sind immer noch gut besucht, doch längst nicht so voll besetzt wie im Sommer, wenn die Touristen und Kurzurlauber aus Kopenhagen in die Kleinstadt kommen, um hier zu entspannen. Es ist ein schöner Ort, aber Leon Andreasen würde viel lieber ganz woanders sein. Wo andere Urlaub machen, muss sich der Profi von Hannover 96 quälen. Nach seinem Kreuzbandriss am 26. September im Bundesligaspiel gegen den 1. FC Nürnberg schuftet und schwitzt der Mittelfeldspieler im Rehazentrum seines Physiotherapeuten und Freundes Thomas Jörgensen in Dragor für sein Comeback. Schon wieder.

Nein, das ist vom Telefonanbieter, das habe ich nicht selbst ausgewählt.

Ach, nein. Die haben ja keine Schuld. Aber wenn ich Musik von Coldplay höre, erinnert mich das schon an diesen Abend.

Mir geht’s momentan gut, ich habe die erste schwere Zeit langsam verkraftet. Klar, es gibt auch schlechte Tage, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels.

Ich bin mir sicher, dass es so war.

Ich hatte noch nie eine Knieverletzung, kannte diesen Schmerz nicht. Deshalb wusste ich zunächst nicht, was da auf mich zukommt. Erst in der Kabine kam der Schlag, als unsere Ärzte schnell gesagt haben, dass es wohl ein Kreuz-bandriss ist. Das konnte ich nicht begreifen. Es lief doch gerade alles so gut.

Ich war einfach total niedergeschlagen, habe auch geweint. Ich hatte gerade so eine Schei... hinter mir. Es hätte ja auch eine kleine Verletzung sein können, ich hätte ja auch einfach nur umknicken können. Aber nein, nicht bei Leon, der holt sich natürlich etwas Großes.

Nein, die gibt es wohl auch nicht. Es ist so, wie es ist, ich kann es nicht ändern. Also mache ich einfach weiter. Meine Freundin fragt mich auch immer, wie ich so ruhig sein kann. Wenn ich etwas ändern will, muss ich mich auf meine Reha und mein Training konzentrieren. Ich habe jeden Tag Schmerzen, abends lege ich mein Bein hoch und kühle es mit Eis. Das nervt, aber ich habe ein Ziel. Und ich bin gut darin, mich aus einem Tief auch selbst wieder herauszuziehen. Die vergangenen Monate vor der Verletzung waren ja herausragend gut, extrem erfolgreich mit der Mannschaft. Ich hatte richtig Spaß. Da will ich wieder hin.

Das hat mir gerade am Anfang unglaublich geholfen. Es waren so viele Fans, die sich gemeldet und mir Briefe geschickt haben. Das hat mich auf andere Gedanken gebracht, einfach klasse. Ich möchte auch hier in der HAZ noch mal allen danken, die sich bei mir gemeldet haben oder an mich gedacht haben.

Nein. Nach drei oder vier Monaten kann man normalerweise wieder mit dem Laufen beginnen. Das Wichtigste ist jedoch, vorne am Knie wieder Muskeln aufzubauen, damit das Knie stabil ist. Alles andere lasse ich auf mich zukommen. Beim letzten Mal habe ich mir immer Ziele gesetzt. Doch damit bin ich immer wieder gescheitert.

Oh, ja. Das sind dann sieben Monate nach dem Kreuzbandriss. Wenn alles gut läuft, bin ich dann wieder dabei.

Gegen wen? Etwa gegen Nürnberg?

Das ist mir zu weit in der Zukunft. Bei vielen Spielern, die nach so einer Verletzung zu schnell angefangen haben, sind die Bänder wieder gerissen. Ich will sicher sein, dass das Knie gut aufgebaut ist. Wenn ich im April spiele, wäre das schön. Wenn nicht, dann dauert es halt einen Monat länger.

Ich habe noch nie gegen die Bayern gewonnen. Das wäre schon ein tolles Erlebnis. Es müssen ja nicht unbedingt drei Tore von mir sein.

Das freut mich. Danke.

Wir feiern mit meiner Familie in Hannover. Im vergangenen Jahr waren wir in Dänemark, dieses Mal kommen meine Eltern zu uns und bringen auch das Essen mit.

Ente und Flaeskesteg (ein im Ofen gebackenes Stück dicke Rippe vom Schwein mit der Schwarte, d.Red.). Das schmeckt total lecker.

Das ist mehr für die Kinder, da heißt es dann: Schau mal, das Geschenk hat dir der ,Julenisse‘ gebracht.

Es ist Tradition, sich an die Hände zu fassen und um den Weihnachtsbaum zu tanzen. Ich muss das zwar nicht haben, mit meinem Knie habe ich auch eine gute Ausrede. Aber für die Kinder ist es sehr schön. Und es gehört halt dazu.



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