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Hannover 96 nach Pyro-Derby in Stimmungskrise

Kind: „Ich habe echt die Nase voll“

Auf den Rängen wurde ein Feuerwerk nach dem anderen abgefackelt, von der Mannschaft auf dem Rasen kein einziges: Nach der Nullnummer im Derby gegen Eintracht Braunschweig ist die Stimmung bei Hannover 96 arg getrübt.

veröffentlicht am 09.11.2013 um 11:15 Uhr
aktualisiert am 11.11.2013 um 00:16 Uhr

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Das Wetter passte zur Gefühlslage. Stürmische Böhen trieben graue Wolken am Himmel entlang und verliehen der Szenerie an der HDI-Arena am Morgen nach dem Derby ein ähnlich trostloses Bild, wie es auch das Geschehen auf dem Rasen am Abend zuvor geboten hatte.

Das 0:0 von Hannover 96 im Niedersachsenderby der Fußball-Bundesliga gegen Eintracht Braunschweig hatte die Anhänger der „Roten“ ratlos zurückgelassen. Noch nicht einmal zu einem symbolischen Protestbesuch am Trainingsplatz hatten sich viele Fans aufraffen können. Gerade einmal eine Hand voll Zaungäste standen am Trainingsplatz, als einige Reservisten um den Mitte der 2. Halbzeit eingewechselten Jan Schlaudraff ein kleines Trainingsspiel absolvierten. Von den Spielern der Startformation ließ sich kaum einer außerhalb des Stadions blicken – lediglich ein Sextett um Nationalkeeper Ron-Robert Zieler und Aushilfskapitän Lars Stindl schwang sich aufs Fahrrad und drehte eine Runde um den Maschsee.

Am Abend zuvor hatte schon ein kurzer Blick auf den Klubchef gereicht. Seine Mimik und Gestik sagten alles aus über seine Gemütszustand. Martin Kind war stocksauer. Stocksauer auf eigentlich alle bei 96. Seine Mannschaft hatte das Derby vermasselt. Nur 0:0 gegen Braunschweig, ein spielerisch armseliger Auftritt, und es hatten auch die letzte Leidenschaft, der nötige Biss und das unbedingte Gewinnen wollen gefehlt. Dazu ein, wenn auch kurzes gellendes Pfeifkonzert der Fans, die das Remis gegen den ungeliebten Nachbarn als Schande empfanden. Der BTSV war schließlich als Tabellenletzter und krasser Außenseiter angereist. „Das war gar nichts“, sagte 96-Boss Kind, „da muss von uns einfach mehr kommen.“

Aufgeregt haben den 69-Jährigen aber auch einige Fans des Klubs. Dabei war die Stimmung auf den Rängen richtig gut gewesen, waren die befürchteten Ausschreitungen zumindest im Stadion komplett ausgeblieben. Aber: Einige unverbesserliche Anhänger der „Roten“, Braunschweiger standen ihnen da nur wenig nach, zündelten nahezu das komplette Spiel über mit Pyrotechnik. Und das machte Kind fuchsteufelswild, zumal der Verein in der Vergangenheit schon oft hohe Strafen dafür zahlen musste. „So etwas macht mich sprachlos“, sagte Kind. „ich habe echt die Nase voll.“

Mehr Kopfzerbrechen machte ihm aber die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft. „Es müssen ganz schnell wieder vernünftige Ergebnisse kommen“, sagte Kind.

Die große Chance wurde gegen kämpferisch starke, aber in ihrer Offensive arg limitierte Braunschweiger geradezu leichtfertig verschleudert.Und hinterher wurde schnell klar, welch große Erwartungen Kind, aber auch die sportlich Verantwortlichen und die Mannschaft in dieses stimmungsgeladene Derby gesetzt hatten. Man hatte die Möglichkeit gesehen, die aufkommende Kritik, das ganze Gerede von wegen Krise mit einem Schlag wegzuwischen. Was hätte da mehr helfen können, die eigenen Fans nach einer Misserfolgsserie zu beruhigen, als ein Sieg gegen Braunschweig. Es kam ganz anders, die Enttäuschung war nach der Partie geradezu greifbar.

„Mit diesem Spiel sollte der ,Turnaround' kommen“, sagte Dirk Dufner, „aber es ist uns nicht gelungen und dementsprechend sind wir auch sehr, sehr niedergeschlagen.“ Dem 96-Sportdirektor ist wohl bewusst, dass sich seine Enttäuschung nicht auf dieses eine Spiel bezieht. „Ich denke, wir haben momentan eine kleine Krise, aber ich will sie auch jetzt nicht größer machen, als sie ist“, sagte er. Nach nur zwei Punkten aus sechs Spielen hinkt man meilenweit hinter den eigenen Ansprüchen her. „Wir haben sechs Spiele nicht gewonnen“, sagte Cheftrainer Mirko Slomka, „und auch heute nicht so gut gespielt, dass es für einen Sieg gereicht hätte. Da kann man schon davon sprechen, dass es momentan nicht läuft.

Stindl wählte nahezu identische Worte. „Im Moment läuft es nicht so, wie wir uns das vorstellen“, sagte der 96-Profi. „Uns fehlt gerade im Spiel nach vorne die Leichtigkeit, wir tun uns schwer damit, Chancen zu kreieren.“ Und im Gegensatz zu Dufner sieht der Aushilfskapitän mehr als nur eine „Minikrise“, in der sich sein Team derzeit befindet. „Natürlich strotzen wir nicht vor Selbstvertrauen nach der Misere, die wir gerade durchmachen und die ich, seitdem ich bei 96 bin, so noch nicht erlebt habe.

„Dieser Sieg fehlt uns heute auch emotional sehr“, sagte Dufner. „Klar ist, dass wir jetzt auch auswärts Punkte holen müssen, um wieder in die Spur zu kommen.“ Am besten schon beim nächsten Spiel in zwei Wochen in Hamburg. „Es wäre mir am liebsten, wenn wir jetzt beim HSV einen ,Dreier' einfahren“, sagte Torwart Zieler. Auch den aufgebrachten Klubchef Kind und die aufgebrachten Fans würde das ein wenig beruhigenden. Die Schmach vom Derby aber würde auch der erste Saisonerfolg in der Fremde nur ganz leicht lindern.



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