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Hannover 96 vor Mitgliederversammlung

Kein Interesse am großen Knall

Für den 26. April hat Hannover 96 zur Mitgliederversammlung geladen - und alle Seiten bemühen sich darum, eine Zerreißprobe zu vermeiden. Zwar stimmen die Mitglieder nicht über Martin Kind ab, theoretisch könnte es aber tatsächlich passieren, dass Kind nach dem 26. April nicht mehr Clubchef ist.

veröffentlicht am 13.04.2016 um 09:22 Uhr
aktualisiert am 16.04.2016 um 00:21 Uhr

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Über Jahreshauptversammlungen des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. könnte man ein dickes Buch schreiben. In den Neunzigerjahren ging es bei der Wahl des Clubchefs regelmäßig turbulent zu, es gab sogar Morddrohungen für Kandidaten. Einmal fand sich kein geeigneter Interessent, weshalb der Anwalt Fritz Willig auf der Toilette überredet werden musste, den Posten zu übernehmen.

Seit der Ausgliederung der Profifußballabteilung in eine eigene Gesellschaft (die 96 KGaA) waren Jahreshauptversammlungen des Vereins spannend wie die zehnte Wiederholung eines Fernsehfilms; nur wenige Mitglieder nahmen daran teil. Am 26. April, bei der nächsten Mitgliederversammlung im Hannoverschen Congress Centrum (HCC), wird sich das ändern. 96 hat wegen des zu erwartenden Andrangs eine größere Halle im HCC angemietet.

„Fans auf der einen Seite, Geldgeber auf der anderen - ein Pulverfass. Die Lunte könnte sich bei der Mitgliederversammlung entzünden“, schrieb die „Bild“-Zeitung und unkte: „Boss Martin Kind droht die Abwahl als Vorstandschef von 96 - durch die Fans!“ Doch wer sind eigentlich „die Fans“?

Die Angelegenheit ist kompliziert, und theoretisch könnte es tatsächlich passieren, dass Kind nach dem 26. April nicht mehr Clubchef ist. Dabei stimmen die Mitglieder gar nicht über Kind direkt ab. Entscheidend ist Punkt 10 der Tagesordnung: Gewählt wird ein neuer Aufsichtsrat des e.V., und dieser setzt danach den Vorstandsvorsitzenden (früher Clubchef oder Vereinspräsident) - bisher Kind - ein. Dazu sind mindestens drei Stimmen aus dem mit fünf Personen besetzten Aufsichtsrat nötig.

Bisher sitzen in diesem Aufsichtsrat Valentin Schmidt, Ruben Kiaman, Michael Beck, Martin Biskowitz und Veronika von Lintel. Sie alle werden wieder kandidieren. Doch diesmal bekommen sie Konkurrenz: Die Interessengemeinschaft „Pro Verein 1896“ unterstützt mit dem Unternehmer Andreas Elvers, dem ehemaligen Fanbeauftragten Sebastian Kramer und dem Rechtsanwalt Ralf Nestler gleich drei Kandidaten. Der von „Pro Verein 1896“ anfänglich ebenfalls unterstützte Rechtsanwalt Andreas Hüttl wird sich nach HAZ-Informationen ebenfalls zur Wahl stellen, wurde aber von anderer Seite vorgeschlagen.

Dass die alten Aufsichtsratsmitglieder - Wiederwahl vorausgesetzt - erneut Kind zum 96-Vorstandschef wählen würden, gilt als ausgemachte Sache. Aber was wollen die anderen Kandidaten? „Unser Anliegen ist weder ein Putsch im Verein noch die Abwahl von Martin Kind als Vorstandsvorsitzender“, heißt es in einer Mitteilung von „Pro Verein 1896“.

„Ich habe gelesen, dass 96 vor einer Zerreißprobe steht“, sagt Kandidat Nestler, „dieser Zungenschlag gefällt mir gar nicht. Für Putsch steht keiner von uns. Und wir sind auch keine Fanvertreter, sondern wie viele seit langen Jahren Fans von 96.“ Nestler wehrt sich dagegen, dass „wir in eine Ecke gedrängt werden. Wir wollen keinen großen Knall, sondern gemeinsam etwas bewegen - gern auch mit Martin Kind, das ist kein Problem.“

Hauptanliegen der Interessengemeinschaft ist die Beibehaltung der sogenannten 50+1-Regel, die es verhindert, dass private Investoren die Mehrheit an einem deutschen Profiverein übernehmen. Genau das aber ist ein Knackpunkt, denn Kind hat bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine Sonderregelung erstritten, die es den in der „96 Sales amp; Services GmbH amp; Co. KG“ zusammengefassten sieben Gesellschaftern (Kind ist mit 27.04 Prozent der größte) erlaubt, 96 komplett zu übernehmen. Frühestens am 8. Juli 2018 wäre dann 50+1 in Hannover Geschichte. 96 muss diesen Antrag bei der DFL noch stellen, dass er genehmigt wird, gilt aber als sicher.

Kind sieht dem 26. April nicht nur deshalb gelassen entgegen. „Wir brauchen eine Trennung zwischen Gemeinnützigkeit im Breitensport und dem Wirtschaftsunternehmen Profifußball“, sagt er. Die Mitglieder davon zu überzeugen, sei für ihn eine „spannende Herausforderung. Ich habe den Mut zu sagen, dass mir das gelingen wird.“



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