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96-Sportdirektor im Interview

Jörg Schmadtke: „Fortuna ist nun mal mein Klub“

Am Sonnabend spielen die „Roten“ gegen Düsseldorf. Für 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke ist das eine ganz besondere Begegnung – denn die Fortuna ist nun mal „sein Klub“. Im HAZ-Interview spricht er über Düsseldorf, Wintertransfers und verrückte Dinge.

veröffentlicht am 14.12.2012 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 17.12.2012 um 00:15 Uhr

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Das ist natürlich ein Auswärtsspiel, aber für mich eben ein besonderes. Ich habe 20 Jahre für Fortuna gespielt, das ist nun mal mein Heimatklub, dem ich auch viel zu verdanken habe. Und Düsseldorf ist meine Geburtsstadt. Deshalb freue ich mich sehr auf dieses Spiel.

Ich war ein Jahr beim TSV Eller 04, ein Freund spielte bei Fortuna. Irgendwann sagte der zu mir: „Du musst da mal mitkommen.“ Als wir ein Spiel gegen die Fortuna hatten, ich war damals neun Jahre alt, bin ich vom Verein angesprochen worden. Dann bin ich mit diesem Freund zum Training gefahren.

Ursprünglich war ich linker Läufer, wie es nach dem WM-System hieß, dann auch Libero und Stürmer. Eines Tages war unser Torwart erkrankt, da musste ein anderer ran. Ich habe dann gesagt: „Dann springe ich ein.“ Ich muss die Sache wohl so gut gemacht haben, dass der Trainer gemeint hat, ich solle weiter in der Kiste bleiben.

Zunächst geht der Blick auf 96 und die Platzierung in der Tabelle. Als Nächstes kommt dann Fortuna. Das ist nun mal mein Klub, und das kann man nicht verleugnen.

Solche Vergleiche sind schwierig, weil die Voraussetzungen unterschiedlich sind. Fortuna ist es gelungen, die Zuschauer zu emotionalisieren. Das ist für Düsseldorf ein großes Plus. Zu meiner aktiven Zeit war so etwas ausgesprochen schwierig, das Publikum im alten Rheinstadion war seinerzeit sehr distanziert.

Wenn anerkannt wird, dass man einen guten Job macht und das über regionale Grenzen hinaus wahrgenommen wird, dann hört man das schon gern.

Ich habe mich schon vorher in Hannover wohlgefühlt, und heimisch bin ich immer da, wo meine Familie ist. Düsseldorf fehlt mir nicht wirklich, auch wenn ich die Stadt sehr mag, weil es meine Stadt ist und meine Frau auch Düsseldorferin ist.

Insgesamt haben wir einen guten Job gemacht, im ersten Halbjahr sowieso. Wir sind noch in allen drei Wettbewerben vertreten (Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League – d.Red.). Die Punktzahl von vor einem Jahr ist schon erreicht, und wir haben noch ein Ligaspiel vor uns. Die Bilanz insgesamt ist positiv, wobei wir selber wissen, dass es ein paar Gegentore zu viel gegeben hat und wir auswärts zu wenig gepunktet haben.

Die Vertragsverlängerung war ein wichtiger Schritt, auch um die Kontinuität zu wahren. Das zeigt doch: Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung, wir wollen noch weiterkommen und haben gemeinschaftliche Ziele, die es gemeinsam umzusetzen gilt. Und was unseren Kader betrifft: Da braucht man ein Gerüst und Stabilität, aber immer wieder auch frische Einflüsse von draußen. Es ist nicht so, dass wir jetzt mit jedem Spieler für drei Jahre verlängern werden.

Wir sind da auf dem Weg und sondieren die Möglichkeiten.

Das stimmt: Die sind kompliziert und meistens besondere Herausforderungen, weil viele Klubs nach Spielern für ein und dieselbe Position suchen. Solche Verpflichtungen ins in der Regel teuer, und es bleibt wenig Zeit zur Integration der Neuen.

Das müssen wir von Fall zu Fall überlegen. Wenn man einen Topspieler bekommen kann, der in dieser Saison international nicht mehr eingesetzt werden kann, dann muss man das gut abwägen.

Die Entwicklung ist gut und geht in die richtige Richtung. Eine solche Prognose ist aber schwierig. Wir sind jetzt das zweite Mal in einem internationalen Wettbewerb vertreten. Die Konkurrenz ist jedoch groß, der Wettbewerb wird immer enger. Und wir müssen immer noch gewisse wirtschaftliche Nachteile kompensieren. Nach unten geht es oft schneller als nach oben. Wichtig ist: Wir sind ein wirtschaftlich gesunder Verein und haben uns in den vergangenen zwei Jahren ein paar Möglichkeiten erarbeitet, um vielleicht auch mal ein paar verrückte Dinge tun zu können. Das ist schon eine komfortable Situation.

Er hat von uns das Signal bekommen, dass wir ihn über diese Saison hinaus behalten möchten. Kommende Woche werde ich mich mit seinen Beratern treffen. Mit Leon habe ich am Donnerstag telefoniert und ihm gesagt, dass wir keine Probleme sehen, den auslaufenden Vertrag sofort zu verlängern. Es ist seine erste Knieverletzung, die Chance für ein erfolgreiches Comeback ist gut.

Er war im Sommer auf dem Sprung; das hat nicht geklappt, weil der ursprünglich interessierte Klub (Hertha BSC – d. Red.) plötzlich einen Rückzieher gemacht hat. Sofian hat diese Situation gemeistert, er ist in seinen Leistungen stabil. Sollte er keine andere Möglichkeit finden, ist es kein Problem, wenn er seinen Vertrag in Hannover auslaufen lässt.

Nach Ablauf der Ausleihe (an den norwegischen Klub Lilleström SK – d. Red.) ist er ab 1. Januar wieder unser Spieler. Wir sind mit ihm und seinem Berater im Gespräch. Beide prüfen derzeit alternative Möglichkeiten.

Für den Klub wäre das ein Quantensprung. Die Talentförderung könnte damit auf eine ganz andere Basis gestellt werden. Noch hinken wir, obwohl wir eine durchaus gute Arbeit machen, anderen Klubs weit hinterher. Derzeit gibt es noch verschiedene Modelle, wie wir das angehen könnten. Die Gespräche laufen.

Mein Berufsfeld wäre das nicht. Mich hat die andere Seite immer mehr interessiert. Ich habe ihm ein paar Dinge klargemacht, die in diesem Geschäft auch unangenehm sein können. Er war fest davon überzeugt, das ausprobieren zu wollen. Wenn dann irgendwann mal mit Schmadtke verhandeln sollte: Das wäre ganz witzig. Auch wenn das den einen oder anderen auf den Plan rufen dürfte, der meint: Da wird doch bestimmt gemauschelt.

Davon habe ich kein einziges mehr, möglicherweise besitzt mein Sohn noch dieses und jenes Exemplar. Die Gestaltung in meist grellen Tönen entsprach dem Zeitgeist. In einigen Fällen war ich bei der Farbauswahl direkt beteiligt, ein Trikot habe ich sogar zusammen mit einem Designer kreiert.

Dafür habe ich nicht wirklich eine Erklärung. Insgesamt ist unser Defensivverhalten nicht robust genug. Daran werden wir arbeiten. Sonst wird es schwer werden, unsere Ziele – etwa sich wieder für die Europa League zu qualifizieren – zu erreichen.



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