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HAZ-Interview

Jan Schlaudraff: „Platz 8 bis 12 wäre für 96 normal“

Die Fans träumen von der Europa League, aber er bleibt auf dem Boden: 96-Mittelfeldspieler Jan Schlaudraff über Neuzugänge, Lauftraining, die Kapitänsfrage und Pfiffe.

veröffentlicht am 10.01.2013 um 19:44 Uhr
aktualisiert am 13.01.2013 um 00:15 Uhr

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Das Essen ist super (lacht) Nein, im Ernst. Ich glaube, dass wir hier super Bedingungen vorfinden. Die Plätze sind gut, die Unterkunft ist schön, wir haben super Essen. Und trotz der 25-minütigen Anreise mit dem Bus zum Training glaube ich, dass wir hier optimale Bedingungen vorfinden, um uns gut vorzubereiten.

Wir absolvieren schon ein sehr straffes Programm. Krafttraining ist immer etwas anstrengend, aber auch die Läufe, die wir sogar am Tag nach den Spielen gemacht haben. Ich glaube schon, dass wir hier richtig Gas geben. Wobei man auch ganz klar sagen muss, dass wir in allen läuferischen Bereichen in der Vorrunde klar ganz hinten in der Liga waren. Da gilt es natürlich einiges aufzuholen, und es ist das Ziel der Fitnesstrainer, die Mannschaft in der Vorbereitung so fit zu machen, dass sie ordentlich marschieren und im Spiel Vollgas geben kann.

Natürlich gibt es Dinge, die wir ändern wollen. Dazu gehört, dass wir etwas weiter nach vorne verteidigen wollen. Das heißt nicht unbedingt, dass wir offensiver ausgerichtet sind. Aber wir wollen etwas offensiver verteidigen, früher stören und näher an den Gegenspielern dran sein. Wir haben in der Hinrunde zu viele Gegentore bekommen. Deswegen wollen wir uns im gesamten Mannschaftsbereich in der Defensive verbessern, wollen vorne vielleicht einen Tick früher stören, um den Gegner nicht in den Spielaufbau kommen zu lassen. Wir wollen natürlich auch im Zentrum und hinten versuchen, schnellere und mehr Balleroberungen hinzubekommen. Dadurch kann man dann auch sehr gut unser Konterspiel fortführen, dass wir ja in den vergangenen zwei Jahren sehr erfolgreich praktiziert haben.

Da haben wir durch den Ausfall von Lars sicherlich ein kleines Loch. Adrian (Nikci, d. Red.) war lange verletzt und ist jetzt dabei, sich über das Training langsam wieder heranzuarbeiten. Aber im Moment ist es so, dass der Trainer mich auf die rechte Seite gestellt hat, und ich versuche natürlich, das so gut wie möglich umzusetzen. Ich weiß, dass es nicht immer meine Idealposition ist, weil man natürlich gerade in der Defensive vieles beachten muss, wo ich vielleicht manchmal zu langsam schalte oder mich erst einmal daran gewöhnen muss. Aber ich versuche mein Bestes zu geben. Und ich glaube, wenn wir insgesamt als Mannschaft etwas höher verteidigen und ich nicht gezwungen bin, zu oft in der eigenen Hälfte defensive Zweikämpfe zu bestreiten, dann kann ich auch auf der rechten Seite ordentliche Spiele machen.

Wir sind natürlich froh über jeden Spieler, der uns weiterbringt. Mit Andre haben wir jemanden dazubekommen, der noch ganz jung ist, bei dem man aber im Training sieht, dass er gute Qualitäten und gute Ansätze hat. Dass Johan jemand ist, der uns auf Anhieb weiterhelfen kann, das hat man auch gesehen. Mit Mario (Eggimann, d. Red.) und Felipe fallen zwei Innenverteidiger aus, mit Schulle (Christian Schulz, d. Red.) quasi der dritte. Von daher war da eine Verpflichtung absolut von Nöten, und ich glaube, dass Johan in den ersten beiden Spielen schon gezeigt hat, dass er unheimlich stark am Mann ist, gut in der Luft ist und dass er auch im Spielaufbau eine gewisse Souveränität und Ruhe reinbringen kann.

Wenn man als neuer Spieler zu einem Verein kommt, merkt man sehr schnell, ob es innerhalb der Mannschaft gut passt oder nicht. Wenn man in eine Mannschaft kommt, wo es viele Eigenbrödler gibt, dann ist es natürlich schwieriger, da Fuß zu fassen. Dann hat man vielleicht mal mit einem zu tun oder mit zwei. Hier ist es so, dass wir immer in der Gruppe unterwegs sind. Abends sitzen acht Mann an der Bar zusammen, wieder acht andere spielen Poker. Wir haben immer Gruppen, die auch untereinander wechseln, von daher ist es für einen neuen Spieler bei uns auch nicht sehr schwierig, in die Mannschaft hineinzukommen.

Ich glaube, dass das in Hinblick auf die Entwicklung des Vereins ein ganz wichtiger Faktor ist. Es ist schwierig, im Sommer einen kompletten Neustart zu machen, nach dem Motto: Alle Alten raus – nur Junge rein. Die Mischung muss stimmen. Da braucht man ein paar erfahrene Spieler, muss einige junge dazuholen und schauen, wie das zusammenpasst und wie sich das Gefüge aufstellt. Im Sommer laufen ja auch ein paar Verträge von älteren und erfahreneren Spielern aus. Dann muss man sagen, wen verlängern wir, wo kann es ein junger Spieler vielleicht schon schaffen, wen müssen wir vielleicht noch einmal ausleihen. Aber das ist letztlich die Aufgabe des Trainers und des Managers, das im Blick zu haben.

Dass muss der Kapitän (Steven Cherundolo, d. Red.) entscheiden. Ich weiß auch nicht, ob noch ein Mannschaftsabend geplant ist, weil die Zeit bis zum ersten Spiel ja nicht sehr lang ist.

Ja gut, ich bin zweiter Kapitän und im Moment ist der Steven verletzt, das heißt, ich habe die Binde ab und zu auch mal am Arm. Ich glaube schon, dass ich ein wichtiger Teil der Mannschaft bin und zurecht im Spielerrat sitze, der dafür da ist, gewisse Entscheidungen zu treffen oder auch mal über gewisse Dinge zu sprechen. Aber ich bin wohl nicht der geborene erste Kapitän wie es von der Mentalität Altin Lala war oder auch Steven jetzt ist, weil ich nicht die Voraussetzungen habe. Ein Kapitän muss immer ans Limit gehen oder immer Vorbild sein und Gas geben. Und jeder weiß, wenn es im Freundschaftsspiel mal nicht so läuft, lasse ich es schon mal laufen oder ich schaue im Training mal ein bisschen hinterher. Das geht halt als Kapitän nicht, von daher fühle ich mich in dieser Rolle als Vizekapitän schon sehr wohl.

Es ist immer ein schmaler Grat. Natürlich gibt es keinen Spieler, der sich nicht über Läufe beschwert. Ich glaube aber schon, dass ich meine Meinung sagen und sie auch vertreten kann. Man muss natürlich das Programm, das man vorgegeben bekommen hat, voll durchziehen. Das ist unser Job und ich glaube auch, dass wir eine Mannschaft haben, die bereit ist, an die Leistungsgrenze zu gehen. Aber wir haben so viele Fitnesstrainer, und wenn wir in Sechsergruppen 150 Meter in 30 Sekunden laufen sollen, dann kann man ja vielleicht auch in der Lage sein, an eine Uhr zu denken, damit die Gruppe sich an der Zeit orientieren kann.

Ich glaube, dass man die vergangenen beiden Jahre aus Sicht von Hannover 96 einmal ein bisschen relativieren muss. Wir haben es zwei Jahre lang geschafft, konstant am oberen Limit unserer Leistungsgrenze zu spielen. Dass wir mit Hannover 96 und den Möglichkeiten, die wir haben, in der Bundesliga Platz 4 und 7 erreicht haben, ist außergewöhnlich und nicht der Maßstab, den man einfach so hernehmen kann. Natürlich ist es so, dass man schnell erfolgsverwöhnt ist und nicht zum Saisonstart sagen kann: „Ok, wenn wir schlechter abschneiden als in der vergangenen Saison, sind wir auch zufrieden.“ Das lässt sich nach Außen nicht darstellen. Aber man darf auch nicht den Blick dafür verlieren, dass es zwei außergewöhnliche Jahre waren, in denen alles gepasst hat. Und in dieser Saison hatten wir eben schon ein, zwei Spiele, in denen nicht alles gepasst hat. Da hätten wir gewinnen können oder müssen, haben dann aber vielleicht mal einen Fehler gemacht. Daher fehlen uns eben vier, fünf oder sieben Punkte. Wenn wir die hätten, dann würde wieder jeder sagen: „Die sind wieder ganz oben dran und ganz toll.“ Von daher glaube ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um uns konstant zu etablieren. Aber man sieht auch, dass es in der Bundesliga so eng ist, dass man sich keine schwächere Periode erlauben kann, weil jeder Ausrutscher zwei, drei Tabellenplätze kostet.

Natürlich wollen wir immer gewinnen. Aber man muss das eben richtig einordnen. Die Erwartungshaltung im Umfeld ist jetzt eine ganz andere. Wenn wir vor zwei Jahren 23 Punkte aus der Hinrunde geholt hätten und stünden im Sechzehntelfinale der Europa League, dann hätte ganz Hannover Kopf gestanden. Aber nach den zwei Superjahren, die wir gehabt haben, sagt jeder: „Jetzt haben sie nur 23 Punkte, das ist ja Platz 11. Und in der Europa League war es ja eigentlich klar, dass sie durch die Gruppe marschieren.“ Von daher ist es natürlich schon so, dass wir uns diesem deutlich gestiegenen Druck stellen müssen. Wir müssen uns an den Erfolg gewöhnen und ihn trotzdem bestätigen. Die Schwierigkeit ist es, uns mit unseren im Vergleich zu den ersten acht Mannschaften der Bundesliga noch immer bescheidenen Mitteln in der Spitzengruppe zu etablieren. Auch wenn es in Hannover vielleicht niemand hören will: Wenn 96 eine normale Saison spielt, dann ist das zwischen Platz 8 und 12. Wenn es ein bisschen schlechter läuft, dann kann man auch mal auf Platz 13 oder 14 landen. Und wenn es optimal läuft, dann kommt man auch mal ein paar Plätze nach vorne. Wir haben gesagt, unser Ziel ist nicht mehr Platz 8 bis 12, sondern ein einstelliger Tabellenplatz. Und ich glaube, dass wir da, selbst wenn ein paar Punkte fehlen, auf einem guten Weg sind.

Es ist schon nicht so einfach, wenn man rauskommt, es läuft eine Viertelstunde oder 20 Minuten nicht so, man hat zwei unglückliche Aktionen, und man merkt ein Raunen im Stadion. Dann gibt es auch noch Pfiffe. Das hat auch Adrian (Nikci, d. Red.) und Hiroki (Sakai, d. Red.) vorher getroffen, bei denen es mir sogar noch mehr leid tat, weil sie neu gekommen sind und gerade Hiroki in einem fremden Land fast nichts versteht. Sein erstes Spiel war super. Er kam rein, hat ein Tor vorbereitet und es lief. Und dann kam er in einer Phase rein, in der wir als Mannschaft nicht funktioniert haben, hatte ein, zwei unglückliche Aktionen, und es gab gleich Pfiffe. Das ist dann nicht so einfach. Man muss aber auch mal sagen, dass von den vereinzelten Chaoten, über die wir sonst zu Recht immer schimpfen, wenn sie mit ihrer Pyroscheiße anfangen, nie Pfiffe gegen die Mannschaft aus der Nordkurve kommen. Im Spiel hat man immer das Gefühl, dass uns die Leute hinter dem Tor zu hundert Prozent unterstützen. Die Leute auf den Geraden glauben, das Recht zu haben, auch einmal zu pfeifen, wenn es 20 Minuten nicht läuft. Und ich glaube, dass wir uns als Mannschaft die Unterstützung der Fans in den vergangenen zwei Jahren verdient haben, selbst wenn es einmal eine Phase gibt, in der es nicht so läuft. Nichts desto trotz sind wir Profis und müssen damit umgehen. Und das haben wir ja auch ganz gut geschafft.

Ich glaube, dass die Winterpause für uns schon zur richtigen Zeit kam. Wir hätten auch nichts dagegen gehabt, wenn sie ein zwei Wochen früher gekommen wäre. Es war ein langes Jahr mit vielen Spielen und tollen Erlebnissen. Trotzdem ist es so, dass wir durch die Belastungen der Spiele und die Reisen am Ende des Jahres platt waren. Dann ist man auch nicht mehr so frisch im Kopf. Für mich persönlich waren diese fast 14 Tage, die wir hatten, in denen man mal komplett runterfahren kann und nichts mit Fußball zu tun hat, sehr wichtig, um dann jetzt auch wieder gestärkt in die Saison zu gehen. Ich hoffe, dass es sich in der Rückrunde und auch bei hoffentlich noch einigen Spielen in der Europa League bemerkbar machen wird, dass der Akku wieder aufgeladen ist und wir wieder marschieren können.

Ich habe keinen Blick auf Schalke oder deren Vorbereitung. Natürlich habe ich mitbekommen, dass sie gegen Bayern verloren haben. Aber ich glaube, dass Vorbereitungsspiele keine große Rolle spielen, weil es drauf ankommt, wie es im ersten Rückrundenspiel läuft. Wir hatten in den vergangenen Jahren mit Hannover generell eine schlechte Vorbereitung und waren dafür in der Liga erfolgreich. Ich hoffe, dass wir es diesmal schaffen, sowohl in der Vorbereitung als auch in der Liga erfolgreich zu starten. Wir müssen einfach versuchen, auf Schalke dagegenzuhalten, gut zu verteidigen und vorne unsere Chance zu suchen, weil wir da wirklich große Qualität haben.

Nein, das ist schwierig. Wenn wir eine Lösung hätten, würden wir es ja einfach abstellen. Wir müssen einfach versuchen, auch auswärts mehr Vertrauen in die eigene Stärke zu entwickeln. Zu Hause haben wir einfach dieses Selbstverständnis, dass wir selbst im Falle eines Rückstandes wie gegen Leverkusen immer noch die Chance haben, das Spiel zu drehen, weil wir so lange ungeschlagen waren und in den vergangenen drei Jahren sehr viele Punkte geholt haben. Auswärts habe ich manchmal das Gefühl, dass wir bei einem Rückstand denken, „wir kommen eh nicht mehr zurück“, weil wir das bis auf das Spiel in Stuttgart fast nie geschafft haben. Wir müssen vom Kopf her daran arbeiten, dass wir auch auswärts mehr an uns selbst glauben.

Jein. Gerade nach unserem Auswärtssieg in Wolfsburg hat jeder geglaubt, jetzt wird alles anders. Und danach sind wir trotzdem wieder in den Trott gekommen, dass wir auswärts nur wenig Punkte geholt haben. Wenn der Gegner in Hannover in Führung geht, dann weiß er, dass wir immer zurückkommen können. Und wenn er zuhause gegen uns in Führung geht, dann denkt er, dass da kaum noch etwas passieren kann, weil wir es einfach zu selten geschafft haben, ein Spiel zu drehen. Wir müssen einfach auch auswärts zeigen, dass wir gefährlich sind und jederzeit in der Lage sind, ein Spiel zu drehen oder auswärts in Führung zu gehen.

Natürlich hat „Emi“ uns wirklich gut getan, weil er einfach ein Typ ist, der das Heft in die Hand genommen und die Leute hinten rausgeschoben hat. Er war ja der Organisator der Abwehr, und so jemand fehlt uns bislang sicherlich. Natürlich hoffen wir, dass mit Johan (Djourou, d. Red.) jetzt jemand dazukommt, der diese Stabilität reinbringt und gerade seine Vorderleute im Mittelfeld verschiebt. Das ist schon das, was uns ein Stück weit gefehlt hat.

Wir sollen offensiv mehr Laufwege anbieten und mehr Laufstrecke zurücklegen. Er hat gesagt, dass wir defensiv etwas höher verteidigen und mehr Bälle gewinnen wollen. Und wenn wir den Ball dann haben, müssen wir uns vorne auch so bewegen, dass man uns in Szene setzen kann. Er sagt, dass andere Mannschaften da viel mehr Wege in die Tiefe machen, was dann natürlich auch mit der Laufleistung zu tun hat, die bei uns nicht so optimal wäre. Wir müssen mehr rotieren, viel mehr weite Wege im Sprint gehen. Da haben wir in den ersten zwei Testspielen auch schon anzusetzen versucht.



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