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Hannover 96

Ist diese Mannschaft bundesligareif?

Die Frage, ob Hannover 96 überhaupt ein bundesligareifes Team hat, treibt derzeit viele um. Denn bei den letzten Spielen haben die Roten wenig Qualität gezeigt. Jetzt laufen die Bemühungen, Verstärkungen zu holen, auf Hochtouren. Von vier bis fünf Neuen ist im Verein die Rede.

veröffentlicht am 30.10.2015 um 08:53 Uhr
aktualisiert am 30.10.2015 um 13:22 Uhr

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Die Frage, ob Hannover 96 überhaupt ein bundesligareifes Team hat, treibt derzeit viele um, die sich mit diesem Club beschäftigen oder mitfiebern. Ein Großteil der Leute hat bereits eine klare Antwort: Nein. Denn legt man - ganz nüchtern betrachtet - die bisherigen Leistungen zugrunde, kann man schnell zu dieser Meinung kommen. Die Auftritte waren bis auf wenige Ausnahmen eher zum Haare raufen, und die „Roten“ waren bisher nie die dominierende oder gar bessere Mannschaft. Selbst bei den beiden glücklichen Siegen in Köln und gegen Werder Bremen (jeweils 1:0) nicht. Die Qualitätsfrage spitzt sich immer mehr zu.

Selbst 96-Trainer Michael Frontzeck, der keine Gelegenheit auslässt zu beteuern, wie groß sein Glaube an seine Mannschaft ist, scheinen inzwischen Zweifel gekommen zu sein. Wehrte er sich im August, also zum Ende der Transferperiode im Sommer, überraschenderweise strikt dagegen, das Team weiter zu verstärken, so hat er jetzt etwas von sich gegeben, das bei seiner Nibelungentreue so nicht zu erwarten gewesen ist. „Ich habe den Langzeitplan“, sagte der 51-Jährige, „genügend Punkte bis zur Winterpause zu holen.“

Das hört sich zunächst wenig spektakulär an, auch weil es eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist. Im Umkehrschluss bedeutete es vielmehr nichts anderes als das, was Kritiker schon seit Wochen sagen: 96 braucht bis zum Ende der Hinrunde (20. Dezember) dringend noch ein paar Zähler, um den Anschluss zu halten. Um dann nicht schon fast chancenlos dazustehen, wenn die nächste Transferperiode (1. bis 31. Januar 2016) beginnt. Auch wenn es bisher oft hieß „wahrscheinlich“ (Martin Bader, 96-Geschäftsführer Sport) - die Bemühungen, Verstärkungen zu holen, laufen bereits auf Hochtouren. Von mindestens vier bis fünf Neuen ist die Rede.

„Nichts ist so teuer wie ein Abstieg“, hat 96-Clubchef Martin Kind nicht erst einmal gesagt; und die Gefahr eines Absturzes in die Zweitklassigkeit ist riesengroß - wahrscheinlich so groß wie seit dem Wiederaufstieg 2002 nicht. Es muss dringend etwas getan werden. Denn derzeit reicht es bei den „Roten“ hinten und vorne nicht; und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Es gibt nur ein kleines Gerüst, das den Anforderungen bisher vollauf gerecht geworden ist.

Über allen steht Nationaltorwart Ron-Robert Zieler. Man mag sich gar nicht vorstellen, wo 96 stünde, wenn der 26-Jährige nicht konstant (über ein, zwei Unaufmerksamkeiten beim Pokal-Aus in Darmstadt darf man da geflissentlich hinwegsehen) auf solch hohem Niveau halten würde. Vielleicht sogar sieglos am Tabellenende?!

Zu nennen wären dann noch Salif Sané und Hiroshi Kiyotake. Ersterer hat zwar auch noch einige Schwankungen speziell in seinem Spiel, aber das defensive Mittelfeld hat er sehr gut im Griff. Er übernimmt Verantwortung, gewinnt viele Bälle und ist aufgrund seines unbändigen Einsatzwillens in der Gunst des Publikums enorm gestiegen. Und Kiyotake ist bei 96 kaum zu ersetzen. Er ist nämlich der Garant dafür, dass bei den „Roten“ überhaupt so etwas wie ein Spielzug zu bewundern ist. Und auch seine Eck- und Freistöße sind oft sehr gut. Dass der 25-Jährige eine derart starke Saison spielt, ist schon überraschend, musste er doch aufgrund eines Mittelfußbruchs auf die gesamte Vorbereitung verzichten.

Hinter diesem Trio gibt es einige, die ganz ordentlich, mit viel Licht, aber doch mit noch mehr Schatten spielen. Da sind Kapitän Christian Schulz, Manuel Schmiedebach, Marcelo und Leon Andreasen zu nennen. Oliver Sorg hat seine Form vom SC Freiburg, wo er ein wirklich guter Bundesligaspieler war, noch nicht gefunden.

Wer derzeit nach den Genannten kommt, muss eine Menge zulegen, um auch nur annähernd Bundesligaformat zu verkörpern. Gerade auf den Außenverteidigerpositionen (Hiroki Sakai rechts und besonders Miiko Albornoz auf der linken Seite) hat 96 größte Probleme. Ebenso wie im Sturm, wo sich Artur Sobiech zwar Stammspieler nennen darf, aber weit davon entfernt ist, den gegnerischen Abwehrreihen gefährlich zu werden. Auf der linken Außenbahn enttäuscht Neuzugang Felix Klaus bisher, vor ihm hat es Edgar Prib (zurzeit verletzt) auch nicht besser gemacht.

Das Gefälle in der Mannschaft ist sehr groß. Es erscheint derzeit fast zu groß, um wirklich konkurrenzfähig zu sein. Bis zur Winterpause sind es noch sieben Spiele. Augen zu und durch. Und hoffen, dass es danach besser wird.



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