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Manuel Schmiedebach im Interview

„Ich war sicherlich nicht immer lammfromm“

Hannover-96-Profi Manuel Schmiedebach spricht im Interview über die Vorteile eines Trainerwechsels, falsche Freunde, den Lokführerstreik und seine Berlin-Liebe.

veröffentlicht am 18.10.2014 um 08:39 Uhr
aktualisiert am 20.10.2014 um 00:22 Uhr

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(zögert) 2013/2014 war die Saison mit dem Trainerwechsel. Ich meine, das war das letzte Spiel unter Mirko Slomka.

Klar war es das im Endeffekt für mich persönlich, weil ich mir sonst andere Wege hätte suchen müssen. Es zeichnete sich ab, dass ich unter Slomka auf längere Sicht keine Chance haben würde. Aber es wird sicherlich auch Spieler geben, die andere Ansichten haben, weil sie vorher gespielt haben und sich neu beweisen mussten. Für mich war es eben wichtig, dass ich beim Trainer wie jeder andere bei null stand – und das hat ja ganz gut geklappt.

Sagen wir es mal so: In der Sommervorbereitung 2013 war es eigentlich nur der Manager (Dirk Dufner, d. Red.), der mich davon abgehalten hat, zu wechseln. Ich hatte noch nichts Konkretes, aber es war ja absehbar, dass ich erneut keine Chance bekommen würde, daher hatte ich schon mit meinem Berater gesprochen. Ich war topfit und wusste nicht, was ich anders machen sollte. Dann habe ich das Gespräch mit dem Manager gesucht, und der hat mir gesagt, dass er mich auf gar keinen Fall ziehen lassen wird.

Ich habe meinen Teil dazu beigetragen und Mirko Slomka auch. Ich war sicherlich nicht immer lammfromm, daher kann man auch nicht sagen, dass er alleine Schuld an der Situation war.

Es gehört irgendwie auch zu mir. Klar, man wird mit der Zeit ruhiger und souveräner. Aber ich war vor drei oder vier Jahren, als das alles angefangen hat, in einem Alter, in dem ich schon auch ein bisschen was vom Leben haben und nicht die ganze Zeit in einer Spur hocken wollte.

Bei ein paar Jüngeren schaut man schon genau hin und gibt dann auch Ratschläge. Aber ob sie die annehmen, ist letztlich natürlich deren Sache.

Wir haben diese Formationen schon drin. Es sind eigentlich auch keine großen Umstellungen. Wir kennen ja die jeweiligen Laufwege, weil wir sie trainieren. Es gibt aber grundlegende Unterschiede dabei. Gegen Bayern zum Beispiel war es so, dass wir nicht wirklich zu den Gegenspielern hingelaufen sind, um sie zu attackieren. Sie sollten sich auf den Außenpositionen aufreiben, und wir wollten in der Mitte wirklich sattelfest sein. So war zumindest am Anfang der Plan. Wir haben es uns dann aber selbst eingebrockt, dass wir schon nach sechs Minuten hinterherlaufen mussten. Davor in Paderborn und Stuttgart haben wir uns auswärts jeweils drei oder vier Chancen herausgespielt. Wenn wir die konsequent reingemacht hätten, wären die Spiele sicher ganz anders ausgegangen. Und dann würden wir uns jetzt auch gar nicht über dieses Thema unterhalten. Dann würde jeder sagen: „Der Tayfun ist ein überragender Taktikfuchs!“ Jetzt stellen sich alle hin uns sagen: „Es hat ja nicht geklappt!“

Sagen wir es so: 96 ist nach einem guten Saisonstart etwas ins Stocken geraten. Jetzt warten mit Mönchengladbach und Dortmund zwei dicke Brocken – muss die Mannschaft aufpassen, in der Tabelle nicht durchgereicht zu werden?Ich sehe es positiv: Wir können aber auch wieder klettern – natürlich sind beide Richtungen möglich. Wir sollten schon aufpassen, dass wir jetzt gegen Mönchengladbach die drei Punkte mitnehmen. Aber darüber, dass wir das nicht schaffen könnten, mache ich mir eigentlich gar keinen Kopf.

Das hat mir der Trainer schon vor der Verpflichtung gesagt. Er meint, dass Leon und ich Typen sind, die immer auch etwas nach vorne machen wollen. Leon ist derjenige, der wirklich bis zum gegnerischen Fünfmeterraum durchrennt. Und ich bin eher der, der sich auf Außen rumtreibt und mit Doppelpässen versucht, Räume für Flanken zu öffnen. „Cey“ ist der komplett andere Spielertyp, er bleibt wirklich auf der Sechs und verteilt von dort aus die Bälle. Solch einen Spieler wollte der Verein unbedingt haben. Aber ich denke, das ist eher Tagesgeschäft: Mit Konkurrenz muss ich mich auseinandersetzen. Man muss eben sehen, dass man selbst immer topfit ist und die Frage gar nicht erst aufkommen lässt, ob man eventuell nicht spielen könnte.

(lacht) Solange er sich nicht zu lange zieht, noch nicht.

Meine Freundin lebt in Berlin, meine Familie auch. Die möchte ich natürlich sehen und wäre schon eingeschränkt, wenn ich Sonntagmittag los will und der Montag trainingsfrei ist.

Auf jeden Fall. Da kann ich gut abschalten.

Ich denke, in Berlin geht man immer anonym durch die Straßen. Egal, ob man dort lebt oder von außerhalb kommt, weil es ein anderer Typ Mensch ist und es viel zu viele Ablenkungen gibt. Da gibt es Alba, die Eisbären, Hertha und noch dies und das. Da sind so viele, die populär sein wollen oder sind, da geht man in der Masse einfach unter.

Ja. Definitiv.

Mich interessiert es einfach nicht, mich als Person in der Öffentlichkeit darzustellen oder zu profilieren. Man sieht, was wir am Sonnabend leisten, und schaut danach auch mal in die Zeitung. Aber was bringt mir das im Endeffekt? Ich sehe da keinen Nutzen drin.

Nein, im Endeffekt nicht. Klar, Hertha war mein Jugendverein, da habe ich eine tolle Ausbildung genossen und hatte viele Freunde. Für mich ist es extrem schwer gewesen, dort wegzugehen. Aber ich habe in Hannover noch einen bis Sommer 2016 laufenden Vertrag, bin erst 25 Jahre alt und werde ja vielleicht bis 33 spielen können. Wenn ich dann noch ein Jahr in Berlin dranhängen könnte, wo ich nach meiner Profikarriere auch leben möchte, wäre das etwas Schönes. Mehr aber auch nicht.

Mein Berater (Robert Schneider, d. Red.) war kürzlich hier, und das Thema wurde kurz angesprochen. Es laufen derzeit die ersten Gespräche, wir schauen uns die aktuelle Situation an und nehmen uns die Zeit, die wir benötigen.

Natürlich schaut man auch, wo es finanziell hintendiert. Man spielt vielleicht zehn Jahre auf hohem Niveau – wenn es gut läuft. Man sollte für die Zeit nach der Karriere weitestgehend abgesichert sein. Ich muss mir im Moment sicherlich keine Gedanken machen, wie ich meinen Urlaub finanziere. Aber was mache ich nach den zehn Jahren? Wenn ich mich dann hinsetze und sage: „Mensch, hätte ich doch bloß ein bisschen mehr aufs Geld geschaut“, das wäre blöd für mich. Dann hätte ich auch einen Bürojob machen können, den ich auch nach den zehn Jahren noch sicher hätte.

Ich glaube, dass viele so denken. Es gibt sicherlich Ausnahmen, die von der Hand in den Mund leben und die sich hinterher fragen, was sie da angestellt haben. Aber bei 96 gibt es viele, die alles im Blick haben.

Klar kommt das vor. Und es ist schon bitter, wenn man mitbekommt, wie man wegen des Geldes ausgenutzt werden soll. Aber es ist natürlich schwierig abzuschätzen, von welchen Personen das dann kommt.

Ja.

Im Endeffekt sollte man wirklich nur noch Geld verleihen, wenn man im selben Atemzug auch darauf verzichten würde. Wenn Menschen aus der eigenen Umgebung zu einem kommen und erzählen, dass sie Probleme haben, etwas zu bezahlen, und man die Summe selber leicht aufbringen könnte, dann ist das schwierig. Aber im Gegenzug muss man auch wissen, dass man das Geld wahrscheinlich nie wiedersehen wird.

(zögert) Keine. Aber ich hätte gerne mal wieder so ein Spiel wie das 6:1 gegen Gladbach in der Saison, in der wir fast abgestiegen wären (Saison 2009/2010, d. Red.). Das war eines der besten Spiele, seit ich hier bin. Und das wäre mir wichtiger als eine Schlagzeile.



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