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96 gegen Hoffenheim

„Ich rechne mit allem“

Hannover 96 will heute bei den spektakulären Hoffenheimern den Schatten des Hinspiels endgültig abschütteln. Trainer Tayfun Korkut fasst seine Erwartungen an die bevorstehenden 90 Minuten kompakt in vier Worten zusammen: „Ich rechne mit allem.“

veröffentlicht am 25.03.2014 um 22:51 Uhr
aktualisiert am 28.03.2014 um 00:15 Uhr

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Es gibt ein Wort, das es perfekt beschreibt: Spektakel. Wenn 1899 Hoffenheim derzeit in der Fußball-Bundesliga aufläuft, dann darf man sich ziemlich sicher sein, dass man einiges geboten bekommt. In den vergangenen sechs Spielen der Kraichgauer fielen im Schnitt 5,3 Tore. Insgesamt waren es bei Hoffenheimer Spielen in dieser Saison bereits 115 – so viele wie bei keinem anderen Erstligisten. Sogar ein neuer Bundesligarekord – den hält mit 155 Treffern aus der Saison 1981/1982 bislang Eintracht Frankfurt – scheint in dieser Kategorie acht Spieltage vor Schluss möglich. Und so fasst Trainer Tayfun Korkut, der mit Hannover 96 Mittwochabend (20 Uhr) in Sinsheim bei den spektakulären Hoffenheimern zu Gast ist, seine Erwartungen an die bevorstehenden 90 Minuten auch kompakt in vier Worten zusammen: „Ich rechne mit allem.“

Das ist wahrscheinlich genau die richtige Einstellung. Denn bei den Hoffenheimern weiß man tatsächlich nie genau, wohin das Pendel gerade ausschlägt. Mal zeigt das Team von Trainer Markus Gisdol ein Offensivfeuerwerk – wie beim 6:2-Sieg Anfang März gegen den VfL Wolfsburg. Ein anderes Mal lädt es dann den Gegner geradezu zum Toreschießen ein – wie in den folgenden beiden Wochen gegen Schalke 04 (0:4) und Mainz 05 (2:4). Und dann wieder gibt es eine Mischung aus beidem – wie beim turbulenten 4:4 Ende November gegen Werder Bremen. Spektakulär eben. Und das durchaus mit Kalkül – meint zumindest Korkut. Und der muss es wissen. Immerhin betreute er in der Saison 2009/2010 die B-Junioren der TSG.

„Das Spektakel ist bestimmt kein Zufall“, sagt der 96-Coach. „Es gibt eine klare Spielphilosophie innerhalb des Vereins.“ Kurz umschrieben lautet das Credo der Hoffenheimer: Vorne mit vollem Risiko früh stören – dafür hinten auch einmal anfällig für gegnerische Angriffe sein. Und genau im zweiten Teil der Philosophie seines ehemaligen Arbeitgebers sieht der 39-Jährige heute die Chance für sein Team. Denn Hoffenheim habe – bei aller Offensivqualität – auch in jedem Spiel Möglichkeiten des Gegners zugelassen und Tore kassiert. Schon 58 in dieser Saison, so viele wie kein anderes Team.

An eines der Hoffenheimer Spektakel haben auch die 96er Erinnerungen. Wenn auch keine allzu angenehmen. Doch das lag – so war zumindest die Einschätzung der Profis und ihrer Sportlichen Leitung – am 26. Oktober 2013 bei der 1:4-Niederlage weniger am Gegner als vielmehr an Schiedsrichter Tobias Stieler. Der schickte damals Mame Diouf mit Gelb-Rot und Marcelo mit Rot vorzeitig zum Duschen, gab zudem einen aus Sicht der Hannoveraner fragwürdigen Elfmeter – und zog sich damit den Zorn der „Roten“ zu.

Korkut hat sich die Partie zur Vorbereitung auf das heutige Spiel natürlich noch einmal angeschaut. Doch speziell was die damals überkochenden Emotionen angeht, hält sich der Nachfolger von Mirko Slomka lieber zurück. „Ich habe das Spiel damals nicht selbst miterlebt, daher kann ich dazu wenig sagen“, erklärte er diplomatisch – und richtete den Fokus stattdessen lieber auf das, was er bei seinem Videostudium taktisch gesehen hat. „Da sind einige Dinge schief gelaufen, daher ist es zu einem Endstand gekommen, der niemandem gepasst hat.“Das soll diesmal aus 96-Sicht anders werden. Und dafür präsentiert Korkut mit Blick auf den Abstiegskampf in der Bundesliga ganz bewusst eine ganz breite Brust. „Wir spielen jetzt gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte“, sagt er. „Ich sehe das nicht als Risiko, sondern als Chance, die nötigen Punkte zu holen.“ Ob mit oder ohne Spektakel, dürfte dem 96-Trainer heute egal sein.

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