weather-image
13°

96-Profi Gülselam

„Ich drücke mich nicht“

Bei seiner Auswechslung gegen Wolfsburg wurde 96-Profi Ceyhun Gülselam von den Fans mit höhnischem Applaus bedacht. Der Neuzugang bei den „Roten“ akzeptiert die Kritik an seiner Person, kann sie sich aber nicht erklären.

veröffentlicht am 08.12.2014 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 11.12.2014 um 00:17 Uhr

96-Profi-Guelselam-Ich-druecke-mich-nicht.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Er hat mächtig einstecken müssen. Ceyhun Gülselam hat viel Hohn und Spott etlicher Besucher von Hannover 96 und auch in den sozialen Netzwerken einstecken müssen. Es wäre ein Leichtes für den Profi gewesen, sich zurückzuziehen oder sich komplett zu verschließen. Es wäre auch absolut verständlich gewesen. Der 96-Profi wählte einen anderen Weg. Er zeigte sich kämpferisch wie auf dem Platz und ging an die Öffentlichkeit – und schaffte es dabei, nicht ein einziges böses oder abfälliges Wort über die Leute zu verlieren, die ihn so abfällig behandelt haben. „Ich werde mich nicht verstecken“, sagte er.

Gülselam will auch nicht nachkarten. „Kritik kommt vor“, sagte er. „Ich kann doch jetzt nicht aufhören zu spielen. Ich bin Profi genug, um damit umzugehen. Ich muss sie akzeptieren.“ Erklären kann er sich aber nicht, warum sich die betreffenden Fans ihn als „Sündenbock“ ausgeguckt und ihn bei seiner Auswechslung mit höhnischem Beifall bedacht haben. Fiese Gerüchte aus den Internetforen, er spiele nur, weil er türkischstämmig sei wie Trainer Tayfun Korkut, rufen nur ein Kopfschütteln bei ihm hervor. „Solch einen Quatsch kann ich nicht erst nehmen“, sagte er. „Ich muss meine Leistung bringen wie jeder andere, sonst würde mich der Trainer nicht aufstellen.“

In den sozialen Netzwerken wird Gülselam trotzdem weiter aktiv sein. „Wenn ich ein Tor schieße, nehme ich die guten Sachen ja auch auf“, sagte er, „da kann ich mich davor jetzt nicht verschließen.“ Aber Profi hin, Profi her, eine derartige Häme, die von konstruktiver Kritik oder den üblichen Unmutsbekundungen von Zuschauern wie pfeifen oder buhen unendlich weit entfernt ist, kann man normalerweise nicht so einfach wegstecken. „Natürlich ist das nichts Schönes“, sagte er, „ich gehe sicherlich nicht nach Hause und freue mich darüber. Ich muss jetzt sehen, das Beste daraus zu machen.“ Darum kommt es für ihn auch überhaupt nicht infrage, etwa zum Trainer zu gehen und um eine schöpferische Pause zu bitten. „Ich lasse mich nicht hängen. Ich will spielen“, sagte Gülselam, „ich drücke mich nicht.“

Manch einer in seiner Situation wäre heilfroh, dass am Sonnabend ein Auswärtsspiel bei Werder Bremen ansteht, also eine Möglichkeit, etwas aus der Schusslinie zu kommen und Selbstvertrauen zu sammeln. Nicht so Gülselam. „Ein Heimspiel würde mir nichts ausmachen. Ich würde mich freuen, es den Fans zu zeigen und meinen Teil für den Erfolg von 96 beizutragen“, sagte er.

Als Gülselam gefragt wurde, ob er irgendeinen Aufruf an die Fans habe, da dachte er nicht etwa an sich. „Ihr sollt wissen, dass wir alles geben auf dem Platz. Unterstützt die Mannschaft. Dafür werden wir irgendwann alle belohnt – und das wird euch glücklich machen.“

Glückliche Fans hat man meistens, wenn man Erfolg hat. Auch da gibt es zwar den einen oder anderen Nörgler. Aber nach einem starken Auftritt der „Roten“ gegen Wolfsburg – versüßt mir drei Punkten –, hätte es die Vorkommnisse um Gülselam zumindest in dieser Schärfe erst gar nicht gegeben. 96 hat zuletzt jedoch dreimal in Folge verloren. Das beste Mittel, halbwegs zur Normalität zurückzukehren, wäre ein Sieg bei den abstiegsgefährdeten Bremern. Damit wäre nicht nur Gülselam, sondern auch 96 enorm geholfen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt