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Zweite Heimniederlage

Hannover 96 steht sich selbst im Weg

Die Mannschaft war so offensiv aufgestellt wie lange nicht - und trotzdem ging der Schuss nach hinten los. Gegen den stark aufspielenden SC Freiburg unterlag Hannover 96 verdient mit 1:2. Die 90 Minuten warfen viele Fragen auf, nicht zuletzt über jene taktische Grundausrichtung, die am besten zu den Roten passen könnte.

veröffentlicht am 18.11.2012 um 20:30 Uhr
aktualisiert am 21.11.2012 um 06:15 Uhr

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Unmittelbar vor dem Abpfiff schien es so, als sollte die Glücksgöttin Fortuna den „Roten“ tatsächlich noch einmal kurz zuzwinkern. Die angezeigte Nachspielzeit von zwei Minuten war längst abgelaufen, da sprach Schiedsrichter Deniz Aytekin Hannover 96 noch einmal einen Eckball zu. Eine letzte Chance, doch noch den Ausgleich zum 2:2 zu erzielen. Szabolcs Huszti schlug den Ball vors Tor, dort fiel er Mame Diouf auf die Stirn, dem Mann, der zuletzt eine für jeden Gegner beängstigende Quote in der Chancenverwertung hatte. Doch der Kopfballaufsetzer des Senegalesen verfehlte das Tor des SC Freiburg knapp, und Sekunden später war die zweite Niederlage innerhalb von drei Bundesliga-Heimspielen für 96 bittere Realität. Genau wie die Tatsache, dass ein Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit aus Sicht der Breisgauer auch wenig mit Gerechtigkeit zu tun gehabt hätte.

Denn die Gäste waren in den vorausgegangenen gut 90 Minuten die so eindeutig bessere Mannschaft gewesen, dass sich viele der 43 800 Zuschauer verwundert die Augen gerieben haben dürften. Waren das wirklich die stürmischen „Roten“, die eine Woche zuvor in Stuttgart mit vier Toren innerhalb von 16 Minuten ihr enormes Offensivpotenzial verdeutlicht hatten? Zwar hatte Trainer Mirko Slomka wie in der starken 2. Halbzeit beim VfB wieder auf eine Mittelfeld-Raute mit Jan Schlaudraff als offensivem Kopf gesetzt, doch bis auf gute 90 Anfangssekunden, in denen Freiburgs Torwart Oliver Baumann zweimal gerade noch vor Diouf klären konnte, hatte der Auftritt von 96 rein gar nichts mit dem Sturmlauf der Vorwoche zu tun. Und wenn es noch eines Beweises bedurfte hätte, dass sich die Gastgeber einen gebrauchten Tag hatten andrehen lassen, dann lieferten den in der 26. Minute unfreiwillig Huszti und Konstantin Rausch: Beim Versuch, einen Ball zu erreichen, liefen sich die beiden Linksfüßer gegenseitig über den Haufen.

Dass die Freiburger zu diesem Zeitpunkt bereits mit 1:0 in Führung lagen, hatte damit zu tun, dass 96 gegen die früh störenden Gäste nicht nur in der Offensive erschreckend einfallslos wirkte, sondern auch hinten bei fast jedem Angriff wackelte. Neben dem ehemaligen Hannoveraner Jan Rosenthal war es vor allem Daniel Caligiuri, der die Hintermannschaft der „Roten“ von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. Hiroki Sakai, der für den wegen seiner Nackenverletzung fehlenden Steven Cherundolo auf der rechten Abwehrseite auflief, und Lars Stindl dürften noch heute beim bloßen Erwähnen des Namens Caligiuri schwindelig werden. Auch beim Freiburger Führungstreffer ließ der linke Mittelfeldspieler Stindl ganz alt aussehen, doch das allein hätte wohl noch nichts Schlimmeres nach sich gezogen. Weil aber Karim Haggui an der Hereingabe vorbeitrat und der Ball dann auch noch dem verdutzten Rausch durch die Beine rollte, konnte Jonathan Schmid ungestört einschießen (12.).

Auf eine Reaktion wartete man danach zunächst vergeblich. Statt wie sonst mit Ballstafetten und Flügelspiel versuchte es 96 diesmal immer wieder mit langen Bällen auf Diouf, der aber gefühlt jedes Kopfballduell verlor. Und wenn die Freiburger in Ballbesitz waren, kamen die „Roten“ in den Zweikämpfen regelmäßig einen Schritt zu spät. So passte es irgendwie zum Spiel, dass schon ein Handelfmeter herhalten musste, um die Gastgeber zurück ins Spiel zu holen: Caligiuri blockte einen Stindl-Schuss regelwidrig mit dem Arm, Mohammed Abdellaoue verwandelte sicher (33.).

Zur Pause war 96 also wieder auf Kurs. Doch besser wurde es auch danach kaum. Slomka versuchte zwar, dem Spiel seiner Mannschaft mit dem Comeback von Sergio da Silva Pinto und einem etwas defensiveren Schlaudraff als - man höre und staune - zweitem „Sechser“ etwas mehr Struktur zu geben. Doch ein katastrophaler Patzer von Haggui, der den Ball vor dem eigenen Strafraum gegen Rosenthal vertändelte, brachte die Hannoveraner wieder ins Hintertreffen (55.). Und es hätte sogar noch schlimmer kommen können, wenn Torhüter Ron-Robert Zieler vor und nach dem Treffer zum 1:2 nicht zweimal hervorragend gehalten hätte und die Gäste nicht allzu sorglos mit ihren Chancen umgegangen wären.

So bekamen die „Roten“ in der Schlussphase, in der Slomka mit Didier Ya Konan auch den fünften Stürmer einwechselte und Stindl zum Rechtsverteidiger umfunktionierte, tatsächlich noch die Chance, zumindest einen Zähler mitzunehmen. Doch weil Huszti bei einer Kopfballchance den Kopf gegen den herauseilenden Baumann einzog und Diouf verzog, standen sie am Ende mit leeren Händen da.



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