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Deutliche Niederlage

Hannover 96 bezieht wieder Prügel beim BVB

Nach 21 Minuten war für 96 schon alles gelaufen. In die falsche Richtung, wie fast immer auswärts. Da hätte man den Signal Iduna Park getrost verlassen können. Wer nur an dem Ergebnis der eigenen Mannschaft interessiert ist, hätte nicht wirklich mehr etwas verpasst. Zumindest aus hannoverscher Sicht nicht.

veröffentlicht am 03.03.2013 um 22:49 Uhr
aktualisiert am 06.03.2013 um 00:15 Uhr

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Okay, das eine Tor durch Mohammed Abdellaoue. Aber geschenkt. Dabei half auch noch Borussia Dortmund in Person von Felipe Santana kräftig mit. Und sonst? Nichts, rein gar nichts. Wer Fußball genießen wollte, musste sich schon an den Aktionen des BVB orientieren. 96 war beim 1:3 nicht mehr als ein Spielball des deutschen Meisters. Vieles erinnerte an die 1:5-Pokalpackung aus dem Dezember.

96 zeigte nämlich wieder einmal dieses hässliche Auswärtsgesicht. Dieses Gesicht, das die Mannschaft in dieser Saison nahezu alle zwei Wochen offenbart. Und diesmal war alles noch ein wenig schlimmer also sonst. Ohne Glauben an die eigenen Stärken präsentierten sich die „Roten“.

Auf der anderen Seite strotzte der BVB geradezu vor Selbstvertrauen. Das Pokalaus gegen den FC Bayern München zeigte überhaupt keine Nachwirkungen; und auch die personelle Rotation – Mario Götze, Sven Bender und Lukas Piszczek blieben zumindest vorerst draußen – wirkte sich nicht aus, schon gar nicht negativ. Angriff über Angriff rollte speziell in der Anfangsphase auf das 96-Tor zu. Die Hannoveraner hatten dieser Wucht außer Passivität und Unordnung wenig entgegenzusetzen. Die Zuordnung stimmte ebenso wenig wie Laufverhalten und Einstellung.

Über die Außenpositionen konnten die Schwarz-Gelben machen, was sie wollten. Gegenwehr gab es nicht. Die hannoverschen Verteidiger rückten zu früh in die Mitte, wo 96 auch in Überzahl zu viel zuließ. Darüber hinaus ließen die Mittelfeldakteure ihre Gegenspieler immer wieder ziehen. Und so stand es ruck, zuck 2:0 für ein entfesselt aufspielendes Dortmund.

Dass es zwischendurch vom Ergebnis her noch einmal knapp wurde, als Abdellaoue zum 1:2 (40. Minute) traf, und es am Ende nicht viel höher ausfiel, lag weniger an 96. Auch wenn das Team nach der Pause etwas mehr dagegenhielt. Vielmehr nahmen sich die Dortmunder zurück.Sie dominierten aber weiterhin nach Belieben, setzten geschickt Nadelstiche, auch bedingt durch die individuelle Stärke. Und einer drehte besonders auf: Robert Lewandowski. Ausgerechnet Lewandowski, müsste man sagen.

Nur einen Tag nach der überraschenden Begnadigung durch das DFB-Schiedsgericht bot der BVB-Stürmer – als Spielmacher eingesetzt – nicht nur aufgrund seiner beiden Tore (außerdem traf Julian Schieber) einen sensationellen Auftritt. Es wäre jedoch viel zu einfach, die Niederlage einzig an dem Polen festzumachen. Lewandowski spielte großartig, aber er machte nicht etwa den Unterschied zwischen zwei gleichwertigen Teams aus. Der 24-jährige war nur ein wichtiger Baustein des Dortmunder Erfolgskonstrukts.

Hannovers jüngster Spieler, André Hoffmann, ordnete die Personalie Lewandowski dann auch sehr gut ein. „Es ist doch egal, ob Lewandowski dabei war oder nicht. Wäre er gesperrt geblieben, hätte eben Götze gespielt, und ich glaube nicht, dass das für uns besser gewesen wäre“, sagte der 20-Jährige.

Die Einordnung von 96-Trainer Mirko Slomka ging in die gleiche Richtung. „Die Reduzierung der Sperre war eine Überraschung, gerade weil sie so kurzfristig war“, sagte Slomka und fügte schmunzelnd an: „Aber ,Kloppo‘ hat ja dann freundlicherweise Götze draußen gelassen.“Das war dann auch die einzige Freundlichkeit des BVB-Trainers. Ansonsten hatte er sich an seine eigenen Vorgabe gehalten. „Man muss nicht über die Schwächen des Gegners reden“, hatte er vorher gesagt, „man muss sie aufdecken.“

Sein Team hat mehr davon aufgedeckt, als Slomka lieb sein konnte. Diese Pleite wird ihn arg wurmen.

Am Ende waren es nichts als leere Versprechungen. Mutig wollte 96 in Dortmund auftreten, die Chancen suchen und die Jagd auf die Europa-League-Plätze fortsetzen. Ängstlich und verschlafen präsentierten sich die hannoverschen Profis. Als sie zumindest halbwegs aufwachten, war – wie auswärts meistens – alles viel zu spät. Neun Niederlagen hat 96 jetzt schon in der Fremde kassiert.

Die Art und Weise der Pleite in Dortmund wirft erneut Fragen auf. Der Aufwärtstrend, der sich gegen Nürnberg, Machatschkala und Hamburg andeutete, scheint schon wieder beendet. Von der verbesserten mannschaftlichen Geschlossenheit, vom schnellen Umschaltspiel, vom neu gewonnenen Selbstvertrauen war nichts mehr zu erkennen. Das war ein deutlicher Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten. Das knappe Ergebnis war nämlich noch das Beste am Sonnabend.



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