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Hannover 96

Gute Figur bei der Rolle vorwärts

Der Sieg gegen Frankfurt lieferte Bilder eines Tages, an die man sich in Hannover gerne wieder gewöhnen möchte. Die Jubelstimmung täuschte aber nicht darüber hinweg, dass 96 zwar mal tief Luft geholt hat, aber noch einen langen Atem braucht.

veröffentlicht am 02.12.2013 um 22:14 Uhr
aktualisiert am 05.12.2013 um 00:15 Uhr

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Ein Tag wie dieser hat auch schöpferische Wirkungen. Kaum war das Spiel gegen Eintracht Frankfurt abgepfiffen und damit im Weihnachtsmonat Dezember der so wichtige „Dreier“ im Sack, da erlebte man Dirk Dufner entspannt wie lange nicht und auf dem Weg von Mikrofon zu Mikrofon in ungewohnter Plauderlaune.

Der Sportdirektor der „Roten“ überraschte dabei nicht nur mit seiner Emsigkeit, sondern auch mit einer Innovation für den 96-Sprachschatz, die durchaus zu den vorausgegangenen eineinhalb Stunden passte: Durchatmungstag! Hätte Dufner die allgemeine Erleichterung über den 2:0-Heimsieg viel besser auf den Punkt bringen können als mit diesem Wort?

Spieler in 96-Trikots, die vor lauter Freude über das Ende des unseligen Negativtrends auf dem Rasen ein Traube bildeten, innige Umarmungen vor der Trainerbank, fröhlich gestimmte Fans auf den Tribünen: Es waren Bilder eines Tages, an die man sich in Hannover gerne wieder gewöhnen möchte.

Die Jubelstimmung täuschte aber nicht darüber hinweg, dass 96 zwar mal tief Luft geholt hat, aber noch einen langen Atem braucht, um wieder auf sicheren Beinen durch die Liga zu marschieren. Es war erneut Dufner, der dafür die treffende Anmerkung lieferte: Es handele sich um einen Prozess, aus der sportlichen Talsohle herauszukommen. Der Sieg gegen Frankfurt „war ein erster Schritt“, lautete seine Einschätzung, die von den anderen 96-Verantwortlichen geteilt wird. Für Trainer Mirko Slomka gibt es „noch eine Menge Luft nach oben“, Klubchef Martin Kind spricht von einem „wichtigen Signal“. Die Botschaft dahinter lautet: Ärmel hochkrempeln, auch wenn es kalt wird.

Drei Spiele – in Stuttgart, dann im eigenen Stadion gegen Nürnberg und schließlich in Freiburg – stehen für die „Roten“ noch auf dem Programm, ehe es in die Winterpause geht, die im Allgemeinen mit dem Wort „wohlverdient“ assoziiert wird. In Bezug auf 96 lässt sich das derzeit nicht sagen. Dazu war die sportliche Durststrecke vor dem Frankfurt-Spiel zu lang, und dazu waren die fußballerischen Leistungen in dieser Saison insgesamt zu dürftig. Dass die offizielle Zielsetzung vorige Woche darauf reduziert wurde, ins neue Jahr mit 20 Punkten gehen zu wollen, sagt viel aus.

Der Hoffnungsstrahl, der vom Sieg gegen Frankfurt ausgeht, bräuchte Nahrung – am besten schon am Sonnabend, indem beim VfB Stuttgart der leidigen Auswärtsmisere das Licht ausgepustet wird. Dass sowohl die Schwaben als auch der „Club“ und der SC Freiburg derzeit arge Atemnöte haben, könnte den Genesungsprozess in Hannover zusätzlich voranbringen. Ein Blick darauf, wo es den drei Konkurrenten wehtut.

Es war gut losgegangen für Trainer Thomas Schneider, der heute 100 Tage im Amt ist. Sieben Spielen ohne Niederlage folgte eine Enttäuschung nach der anderen, derzeit findet sich der VfB auf einem für seine Erwartungen enttäuschenden 12. Tabellenplatz (16 Punkte) wieder. Ein Grund: Die vielen Neuen – darunter mit Mohammed Abdellaoue, Karim Haggui und Konstantin Rausch drei frühere 96er – haben nicht Fuß gefasst.

Diese Rekordeinstellung haben sie beim „Club“ sicher nicht gefeiert. Auch im 14. Bundesligaspiel in Folge gab es keinen Sieg, der Abstiegskampf ist für den Vorletzten (8 Punkte) auch unter dem neuen Trainer Gertjan Verbeek allgegenwärtig. Womöglich ist gegen 96 der vom früheren Coach Michael Wiesinger ausgemusterte Hanno Balitsch wieder dabei.

Für die Breisgauer, derzeit auf dem Relegationsplatz (11 Punkte), kommt es mit fünf Spielen in Liga, Pokal und Europa League binnen zwölf Tagen knüppeldick. Auf die Abwehr des SC ist in der Regel Verlass, in der Offensive – mit dem früheren 96er Mike Hanke – läuft aber zu wenig zusammen. Auch das könnte 96 Hoffnung machen.

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