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Hannover 96 vor dem Spiel gegen Hamburg

Frust lass nach

Die Krise hat längst bei den „Roten“ angeklopft. Doch erfolglose Zeiten sind schwierige Zeiten: Nach vielen Rückschlägen will sich Hannover 96 am Sonntag beim Hamburger SV aus der Krise schießen.

veröffentlicht am 21.11.2013 um 18:51 Uhr
aktualisiert am 24.11.2013 um 00:15 Uhr

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Erinnerungen verblassen im Fußball schnell, dafür ist die Fußball-Bundesliga zu sehr Tagesgeschäft. Das muss nicht immer schlimm sein, gerade nach einem verkorksten Spiel kann es nicht schaden, wenn es schnell weitergeht, sich die Spieler nicht lange mit der Pleite beschäftigen müssen und eine Scharte zügig auswetzen können. Manchmal müssen Mannschaft und Fans aber auch lange leiden.

Wer in den vergangenen Tagen im Internet auf der Homepage von Hannover 96 vorbeischaute, der wurde an den trostlosen Auftritt der „Roten“ im Derby gegen Eintracht Braunschweig erinnert. „Enttäuschende Derby-Nullnummer“ und „Letzte Konsequenz gefehlt“ lauten dort auf der Startseite die Schlagzeilen – und das schon seit nahezu zwei Wochen. Nächster Reload: am Sonntag nach dem Spiel beim Hamburger SV. Aber werden die Schlagzeilen dann freundlicher sein?

Seit sieben Pflichtspielen wartet 96 inzwischen auf einen Sieg, fünf Niederlagen gab es in dieser Zeit und nur zwei magere Unentschieden in den Heimspielen gegen Berlin und Braunschweig. Nach dem guten Saisonstart befinden sich die „Roten“ in einer furchtbaren Phase, es ist eine Art Hitparade von Rückschlägen, auf Platz 1 das trostlose 0:0 im Derby. Diese Entwicklung ist schon schlimm genug. Wirklich erschütternd ist jedoch, dass man nicht sicher sein kann, ob diese Negativserie nur eine Phase ist, die viele Mannschaften in einer langen Saison halt einmal durchmachen, oder ob sie in Wirklichkeit das Leistungsvermögen eines vielleicht überschätzen Teams widerspiegelt.

Begleitet wird diese schwierige Zeit von einem zurückhaltenden, ja fast schon resignierenden Verhalten vieler Fans. Die Pfiffe für die „Roten“ nach der Derby-Enttäuschung waren im Stadion zwar deutlich, aber auch kurz. Beim Training am Tag danach ließen die Anhänger die Gelegenheit ungenutzt, den Profis mit ihrem Erscheinen ihren Frust und ihre Enttäuschung zu zeigen. Zwei Tage vor dem Spiel gegen den Aufsteiger hatten noch 600 Fans mit ihrem Besuch auf der Mehrkampfanlage ihre Verbundenheit mit dem Team demonstriert.

Auch in den 96-Fanforen fehlt vielerorts das Vertrauen in bessere Zeiten. „Selten so völlig emotionslos vor einem Bundesligaspiel von Hannover 96 gewesen“, schreibt dort ein Anhänger der „Roten“ vor der Partie gegen den HSV, auf die sich so recht keine Vorfreude einstellen will. „Ich würde ja gerne was zum Spiel schreiben, aber meine Emotionslosigkeit lässt das derzeit nicht zu“, meint ein anderer Fan.

In diesen Sätzen liegt eine Schwere, von der auch die Mannschaft betroffen zu sein scheint. Von der Entschlossenheit, mit der 96 zu Saisonbeginn gepunktet hat, ist kaum noch etwas übrig geblieben. Auf der Suche nach einem Ausweg aus der „Leistungskrise“, wie Klubchef Martin Kind die momentane Situation beschreibt, sind die „Roten“ so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie ihr Potenzial nicht mehr vollständig abrufen können. Das Kurzpassspiel funktioniert ebenso wenig wie das schnelle Umschalten nach Ballgewinn, in den vergangenen Jahren die stärkste 96-Waffe. Zudem spielen Leistungsträger wie Leon Andreasen, Szablocs Huszti und Lars Stindl seit Wochen unter ihren Möglichkeiten. Und: Es fehlt dem Team ein Plan B. Wie man die „Roten“ am besten ärgern kann, hat sich längst herumgesprochen: die Außenpositionen zumachen, bei Standardsituationen aufmerksam sein und ihnen ruhig einmal die Initiative überlassen. Daran wird auch das zweieinhalbtägige 96-Geheimtraining bis zum HSV-Spiel nichts ändern.

Bis zum Anpfiff am Sonntag (Spielbeginn in Hamburg ist um 15.30 Uhr) haben die „Roten“ mehr als zwei Wochen Zeit gehabt, um all das Negative der vergangenen Wochen abzuschütteln. Sie können mit einem Sieg die richtige Antwort auf die enttäuschenden Vorstellungen geben.

Eigentlich, so war der Plan, wollte die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka im Herbst so richtig durchstarten und sich gegen die Teams aus der unteren Tabellenregion die notwendigen Punkte holen, damit sie auch im neuen Jahr weiterhin von ihrem Ziel Europapokal träumen kann. Dabei sollten die „Roten“ mehr auf sich selbst als auf den Gegner achten. Natürlich wird der Ausfall von Rafael van der Vaart den HSV schwächen, was jedoch nicht bedeutet, dass 96 weniger investieren muss. Denn die Krise hat schon längst bei den „Roten“ angeklopft. Es ist an der Zeit, sie wieder fortzuschicken.



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