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Hannover 96 gegen Dortmund

Freundlich durchgewinkt

Von Hannover 96 bleibt beim 0:3 gegen Dortmund vor allem der Geleitschutz für Torschütze Lewandowski in Erinnerung. Torchancen blieben für die „Roten“ eher Zufall.

veröffentlicht am 23.03.2014 um 20:29 Uhr
aktualisiert am 26.03.2014 um 00:15 Uhr

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Es bestand nicht wirklich Grund zur Sorge für die Fußballfans von Hannover 96, als sich Dortmunds Stürmer Robert Lewandowski an der Mittellinie mit dem Ball auf den Weg machte. Lewandowski war in der Bundesligapartie in der HDI-Arena bis dahin vor allem dadurch aufgefallen, dass er sich nach Ausrutschern auf den Hosenboden gesetzt hatte. Und was sollte er schon machen in dieser 52. Minute?

Lewandowski war allein, als er von der linken Seite in den hannoverschen Strafraum einbog, wo fünf 96-Profis auf ihn warteten. Allein gegen fünf? Das geht normalerweise nicht mal in der Kreisklasse. Normalerweise aber lösen sich Gegenspieler auch nicht faktisch in Luft auf oder winken einen freundlich durch wie ein netter Zöllner früher an der Grenze. Die 96er Andre Hoffmann, Christian Schulz, Manuel Schmiedebach und Salif Sané machten aber genau das, der arme Sébastien Pocognoli versuchte immerhin noch mit einer Grätsche zu retten, was nicht mehr zu retten war: Lewandowski schloss sein Solo mit dem Tor zum 2:0 ab und entschied damit früh die Begegnung.

Wie im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (1:1) bleibt für Hannover 96 die Erkenntnis, dass das Spiel am Ende nicht mit 0:3 ausgehen muss, wenn, ja wenn die Mannschaft es mal schaffen würde, ihre guten Phasen besser über die gesamte Zeit zu verteilen. „Bis zum ersten Gegentor war es kein schlechtes Spiel von uns“, sagte 96-Trainer Tayfun Korkut: „Wenn man aber die 90 Minuten sieht, dann war es nicht gut genug.“

Es lässt sich diskutieren, welche Rolle es gespielt hat, dass 96 nach den Verletzungen von Mame Diouf (Schulteroperation), Artur Sobiech (Außenbandanriss) und Artjoms Rudnevs (Sprunggelenkverletzung) gleich drei Stürmer fehlten. Für eine Elf wie 96 ist so etwas logischerweise ein größeres Problem als für die Dortmunder mit noch mehr Ausfällen.

Umgekehrt ließ Korkut den letzten richtigen Angreifer (Didier Ya Konan) von Beginn an auf der Bank; auch Jan Schlaudraff, der das vorne halbwegs spielen kann und zuletzt in Berlin gerade mal wieder ein Erfolgserlebnis gehabt hatte, wurde nur spät eingewechselt. Was hätte gegen Schlaudraff in der Startformation gesprochen und Ya Konan so lange, wie ihn seine Beine tragen?

Bei den ersten beiden Gegentoren von Mats Hummels (43. Minute) und Lewandowski spielte das Sturmproblem außerdem keine Rolle. Beide Male half 96 kräftig mit: Hummels hatten die Hannoveraner komplett übersehen, Lewandowski hatten sie unbehelligt gelassen; das 3:0 durch Marco Reus in der Nachspielzeit war nur noch eine Randnotiz.

Wie gegen Leverkusen zogen die „Roten“ auch gegen Dortmund die falschen Schlüsse. Kompakt stehen ist zwar grundsätzlich eine prima Sache, aber Torchancen, wie sie Hoffmann (18., Pfosten) und Lars Stindl (30., BVB-Torhüter Roman Weidenfeller parierte) besaßen, bleiben dann eher Zufall. Die Dortmunder machten bis zum zweiten Tor nicht den Eindruck, dass sie an diesem Nachmittag einen Sahnetag erwischt hatten. Auch dass Trainer Jürgen Klopp nach den vielen negativen Erfahrungen in Hannover gerne früher einen dritten Treffer erzielt hätte, zeigt ja, dass die Borussia durchaus Respekt vor 96 besaß. Wenn das so ist, muss man einen Gegner aber mutiger piesacken, als die Mannschaft dazu diesmal in der Lage war.

Wer Korkut an der Seitenlinie beobachtete, konnte sehen, dass er wiederholt von seinen Spielern forderte, weiter hinten rauszurücken, aktiver zu werden. Man spürt bei ihm trotz freundlicher Worte nach dem Spiel, dass ihm das alles noch nicht behagt, dass er anders spielen möchte, Verletzungspech und ein Kader mit Unwucht in allen Mannschaftsteilen ihm aber Grenzen setzen.

Dem Kollegen Klopp, auffällig gut gelaunt nach dem Abpfiff, war es recht. „Wir haben ja schon alles erlebt in Hannover“, sagte er und dachte an die eine oder andere böse Überraschung. Ohne Glanzleistung mit 3:0 zu gewinnen – das war mal ein neues Hannover-Erlebnis für Klopp.

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