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Derby in Braunschweig

Fans werden mit Kameras überwacht

Wenn am Sonntag um 15.30 Uhr das Niedersachsenderby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 angepfiffen wird, zeichnet nicht nur das Fernsehen Bilder vom Geschehen im Stadion auf. Auch die Polizei richtet ihre Kameras aus – vor allem auf die Fanblöcke.

veröffentlicht am 02.04.2014 um 20:24 Uhr
aktualisiert am 05.04.2014 um 02:15 Uhr

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Und während der 90 Minuten schauen Beamte auf eine Monitorwand, auf der die Bilder zu sehen sind, die die Überwachungskameras von den Zuschauerrängen liefern.

Nicht nur die Spielstätte von Eintracht Braunschweig ist mit hochauflösenden Kameras mit Zoomfunktion ausgestattet. Alle Bundesligastadien müssen heute über eine solche Videoanlage verfügen. So steht es im Nationalen Konzept für Sicherheit und Sport, das im Jahr 2012 unter anderem von den Innenministerien aller Länder, dem Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball-Liga entwickelt worden ist. Moderne Videoüberwachung zählt zu den Mindestanforderungen für den Betrieb eines Stadions.

Was diese Kameras leisten können, ist gerade in jüngster Vergangenheit deutlich geworden. Nach der Böllerattacke eines 96-Fans auf einen anderen im Gästeblock der Volkswagen-Arena in Wolfsburg Ende Januar konnte der mutmaßliche Täter noch während der laufenden Partie anhand der Videobilder ausgemacht und nach dem Abpfiff von der Polizei festgehalten werden. Viele der Fußballchaoten, die beim Hinspiel zwischen Hannover und Braunschweig in der Nordkurve beinahe 90 Minuten lang Pyrotechnik abgebrannt hatten, konnten ebenfalls durch die Videoaufzeichnungen identifiziert werden. Dabei nutzte es den Störern wenig, dass sie Sturmhauben in den Vereinsfarben über ihre Gesichter gezogen hatten, um sich unkenntlich zu machen. Die Bilder der Stadionkameras sind so gut, dass die Ermittler die Täter anhand anderer Details beispielsweise an ihren Kleidungsstücken eindeutig überführen konnten. Bis zum heutigen Tag sind nach dem Derbyhinspiel 225 Strafverfahren gegen Fußballchaoten eingeleitet worden – viele basieren auf den Auswertungen der Kamerabilder.

Hannovers Arena ist mit insgesamt 53Überwachungskameras bestückt. Die Hinweisschilder an den Eingängen zum Stadion sind nicht zu übersehen. Darauf weist die Polizei die Fußballfans hin, dass am Spieltag Kameras im Einsatz sind, die alle Bewegungen in und vor dem Stadion aufzeichnen. Formal gehört die Videoanlage Hannover 96. Am Spieltag allerdings wird die Anlage ausschließlich von der Polizeidirektion Hannover betrieben. Dann darf kein Offizieller des Klubs die Loge unter dem Dach der Westtribüne, in der die Videobilder auflaufen, betreten. Die Übergabe der Anlage von Hannover 96 an die Polizei ist mit großem Aufwand verknüpft. „Das bedeutet zum Beispiel, dass vor der Übergabe alle Daten auf den Servern vollständig gelöscht sein müssen“, sagt Kriminalhauptkommissar Jörg Manthey, der sich unter anderem um die Anlage kümmert. Pro Spiel zeichnen die Videokameras Bilder mit einer Datenmenge von insgesamt zwei Terabyte (entspricht 2048 Gigabyte) an Material auf. Es dauert 36Stunden, bis die Datenmenge von den Servern in der Arena zur weiteren Auswertung auf mobile Festplatten der Polizei geladen sind. Sieben Tage lang dürfen die Ermittler anschließend die gespeicherten Daten auswerten. Dann müssen sie gelöscht werden. Der Löschvorgang muss schriftlich festgehalten werden.

Der Vorteil der modernen Anlage besteht darin, dass die aufgezeichneten Bilder eine sehr hohe Auflösung haben und daher stark vergrößert werden kann. So ist es möglich, ganz nah an einzelne Zuschauer heranzuzoomen, wenn der Verdacht einer Straftat vorliegt. Bei der alten Anlage mussten die Beamten die einzelnen Kameras per Joystick steuern, wenn in einem der Blöcke etwas vorgefallen war. Die Geräte bewegten sich allerdings so langsam, dass oft der entscheidende Moment nicht eingefangen werden konnte und so einen Strafverfolgung nicht mehr möglich war. „Heutzutage kann ein Fan auch drei Tage nach dem Spiel zu uns kommen und eine Straftat anzeigen“, sagt Jörg Manthey. Die Ermittler spulen die Aufnahmen dann einfach vor und können das Bild aus dem betroffenen Block so vergrößern, dass der Übeltäter meist ausfindig gemacht werden kann.

Bevor die Polizei die Anlage in Betrieb nehmen kann, muss die Behörde jedes Mal schriftlich darlegen, warum sie es an diesem Spieltag für unabdingbar hält, Videoaufzeichnungen der Fußballfans anzufertigen. „Wir müssen in jeden Einzelfall prüfen, ob die Rechtsvorschriften nach dem Gefahrenabwehrgesetz erfüllt sind“, sagt Uwe Lange, der Dezernatsleiter Einsatz und Verkehr. Dazu reicht es aus, dass die Behörde Grund zu der Annahme hat, dass es während des Spiels zu Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten kommen kann.

Kontrolliert werden die Datenaufzeichnungen der Ermittler unter anderem durch den Landesdatenschutzbeauftragten. Da in der heutigen Zeit allerdings kein Bundesligaspiel ohne Straftaten zu Ende geht, sind die Kameras in den Stadien an jedem Wochenende scharf geschaltet.



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