weather-image
17°

96-Trainer Mirko Slomka

Erfolgstrainer auf Erfolgssuche

Man kann als Fußballtrainer Schlimmeres verlieren als Spiele. Zum Beispiel das Vertrauen der Menschen, deren Lieblingsverein man trainiert; ihren Glauben, immer noch der Richtige zu sein. Vor dem Spiel am Sonntag gegen Frankfurt schauen bei Hannover 96 alle auf Mirko Slomka.

veröffentlicht am 29.11.2013 um 20:19 Uhr
aktualisiert am 02.12.2013 um 00:15 Uhr

Erfolgstrainer-auf-Erfolgssuche.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Mirko Slomka hat das schon einmal erlebt, im August 2010. Die Saison hatte noch gar nicht begonnen, Hannover 96 war beim Viertligisten Elversberg aus dem Pokalwettbewerb geflogen, Slomka war unangefochten Topkandidat für die erste Trainerentlassung. Es brodelte in Hannover vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Jetzt, mehr als drei Jahre später, brodelt es wieder. Erneut heißt der Gegner Frankfurt (Sonntag, 15.30 Uhr), und Slomka muss in den Zeitungen Sätze wie diese lesen von Fans, die nicht anonym im Internet schimpfen, sondern in den Leserbriefspalten mit vollem Namen: „Slomka ist am Ende.“ Oder: „Wie lange noch?“ Oder: „Beim Trainer/Managerteam ist der eine hilflos, und der andere unterstützt ihn dabei.“

Nun muss man zweierlei dazu sagen: Repräsentativ sind solche Aussagen nicht, Zeitungsredakteure kennen das ebenfalls – die Menschen schreiben schnell, wenn sie sich über Fehler ärgern; selten schreibt mal einer: Das war jetzt aber ein toller Artikel. Und im Fall von Slomka darf man offensiv herausstreichen, dass es in den vergangenen drei Jahren keinen Grund zum Meckern gab angesichts von großen sportlichen Erfolgen. Dass Hannover 96 zweimal im Europacup spielen würde (2011 und 2012) war keine Selbstverständlichkeit und ist es auch im Rückblick nicht. Es ging 96 und den Menschen in der Region mit ihrem Verein gut. Slomkas Anteil daran war groß. Wie groß ist sein Anteil an der aktuellen Situation?

13 Spieltage alt ist die Saison 2013/2014. Die „Roten“, ausgestattet mit dem höchsten Etat der Vereinsgeschichte (75 Millionen Euro), sind glänzend gestartet, aber seit sieben Spieltagen warten sie auf einen Sieg und befinden sich mittlerweile in der Nähe der Abstiegszone. Die Mannschaft spielt einen unansehnlichen Fußball, sie verliert auswärts in schöner Regelmäßigkeit, sie wirkt ideenlos. Die Mannschaft ist keine Mannschaft.

Und der Trainer? Der könnte bald kein Trainer mehr sein, wenn man sich an den Schlagzeilen der Woche orientiert. Nach der wirklich schlimmen 1:3-Niederlage in Hamburg bezeichnete die „Neue Presse“ Slomka als „Trainer auf Bewährung“ und hat sich vorsorglich nach „Alternativen auf dem Markt“ umgeschaut. Die „Bild“-Zeitung, bisher wahrlich nicht als Slomka-kritisch auffällig, wagte einen Spagat, indem sie auf der Seite 1 „Wackelt jetzt Slomka?“ fragte, in einem Kommentar im Sportteil den 46-Jährigen dann aber weiter zum „Richtigen“ für 96 kürte und Kritiker „Heckenschützen“ nannte. Für das Fachmagazin „kicker“ steht Slomka Sonntag gegen Frankfurt „auf dem Prüfstand“.

Offiziell gibt es bei Hannover 96 keine Trainerdiskussion. Klubchef Martin Kind und Sportdirektor Dirk Dufner haben das mehrfach betont. Alles andere wäre aber auch wahnsinnig in einer Situation, die schwierig genug ist in einem unruhigen Umfeld. Irgendwie hoffen sie alle, dass ein Sieg gegen Frankfurt die Lage entspannt. Der Gedanke, was bei einer Niederlage passiert, wird öffentlich nicht laut zu Ende gedacht. Slomka hat kein Ultimatum gestellt bekommen, Kind und Dufner verlangen keinen Sieg. Aber besser wäre es schon ... Auch für Slomka.Der Trainer mag es als ungerecht empfinden, dass seine gute Arbeit schnell in Vergessenheit geraten ist und Fans an ihm zweifeln, auch wenn er selbst berichtet, dass „mich ganz viele Menschen unterstützen“.

Warum Slomka, der ein guter Trainer ist, plötzlich keinen Erfolg mehr hat, ist die zentrale Frage. Sie taucht zu einem Zeitpunkt auf, an dem Slomka im Verein mächtiger denn je ist. Sein Vertrag läuft bis 2016, also noch eine halbe Ewigkeit im Fußball. Dass Sportdirektor Dufner, der Nachfolger von Jörg Schmadtke, ein Partner auf Augenhöhe ist, wird von Insidern im Verein bezweifelt.

Dufner ist bislang in Hannover merkwürdig blass geblieben, was durchaus zu der These führen kann, dass ein Schmadtke gerade jetzt Slomka helfen könnte. Sie haben gegeneinander gestichelt und sich oft auch behindert in ihrer Arbeit, aber ihre Reibung hat zu Funkenschlag geführt. Und mit Dufner? Nicht allen bei 96 ist wohl dabei, wenn er – wenn der Erfolg nicht zurückkehrt – eines Tages auf Trainersuche gehen müsste ...

Aber so weit muss es ja nicht kommen. Im August 2010 gewann 96 gegen Frankfurt mit 2:1, die Eintracht bekam einen Elfmeter nicht und traf in der Nachspielzeit den Pfosten. Slomka durfte bleiben und wurde zum Erfolgstrainer. Die drei anschließenden Jahre sind heute sein Vertrauensbonus. Fußball ist selten fair, aber hier darf er das mal sein, nicht nur am Sonntag gegen Frankfurt, sondern auch danach gegen Stuttgart, Nürnberg und Freiburg. Man darf das ruhig so hinschreiben: Slomka hat sich diese Spiele verdient.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?