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Kommentar zu Hannover 96

Ein Trainer ohne Vertrauen

Nach der achten Auswärtsniederlage in Folge stehen bei Hannover 96 die Zeichen auf eine Entlassung von Mirko Slomka. Denn aus dem souveränen Trainer ist ein ratloser geworden.

veröffentlicht am 22.12.2013 um 18:23 Uhr
aktualisiert am 25.12.2013 um 00:15 Uhr

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Noch vier Punkte. Nur noch vier Punkte. So viele trennen Hannover 96 in der Fußball-Bundesliga nach dem Ende der Hinrunde vom Relegationsplatz 16. Näher dran an der 2. Liga war der Verein seit vier Jahren nicht mehr. Im Januar 2010 hat Mirko Slomka 96 als Abstiegskandidaten übernommen. Wenn am 
24. Januar 2014 die Rückrunde beginnt, ist der Verein wieder das, was man nach einer mit Slomka eng verbundenen Erfolgsgeschichte für ausgeschlossen gehalten hatte: ein Klub in Sorge um den Klassenerhalt. Dass der Trainer im neuen Jahr noch Slomka heißt, ist nach der achten peinlichen Auswärtsniederlage in Folge in Freiburg unwahrscheinlich. Die 96-Verantwortlichen drücken sich noch um eine Entscheidung. Oder drücken sie sich nur noch darum, die getroffene Entscheidung bekannt zu geben?

Sportdirektor Dirk Dufner hat sich jedenfalls mit einem bemerkenswerten Satz den Pokal für das herrlichste Herumeiern des Jahres verdient. „Wir wollen eigentlich mit Slomka weitermachen. Man muss aber auch den Mut haben, einen Schnitt zu machen.“ Alles klar? Der Vorteil für Dufner: Egal, wie es kommt, er wird behaupten können, es genau so vorhergesagt zu haben.

96 steht vor der schweren Gewissensfrage zwischen Hin- und Rückrunde. Weiterzumachen mit einem Trainer, der angeschlagen ist und ratlos wirkt, bedeutet ein großes Risiko. Was passiert, wenn auch der Rückrundenstart schiefgeht? Dann droht eine Trainer-Panikverpflichtung, und der neue Mann hätte keinen Einfluss mehr auf den Kader. Also lieber jetzt handeln. Oder wäre gerade das panisch und unüberlegt, und sollte man doch lieber an Slomka festhalten?

Der Vertrauensbonus, den Slomka verdientermaßen bekommen hat, ist aufgebraucht. Aus einem souveränen Trainer ist einer geworden, der keinen Rat mehr weiß. Profis spielen auf Positionen, die nicht ideal für sie sind, oder wechseln so oft den Arbeitsplatz, dass sie gar keine Bestleistung bringen können. Vieles wirkt konfus: Jan Schlaudraff war gegen Nürnberg nicht mal gut genug für die Ersatzbank, in Freiburg sollte er dann für zehn Minuten den Retter spielen. Der 17-jährige Valmir Sulejmani stand gegen Nürnberg nicht in der Startelf, weil Slomka der Druck zu groß schien. In Freiburg, wo der Druck für alle bei 96 noch größer war, spielte er von Beginn an.

Slomka redet seit Wochen von harter Arbeit, aber die Spieler scheinen darunter etwas anderes zu verstehen als er. Eine Elf, die geschlossen die Ärmel hochkrempelt, war auch im letzten Spiel des Jahres nicht zu erkennen. Und in der Fitnessdebatte hat sich der Trainer ad absurdum geführt. Früher war Laufarbeit alles. Zuletzt, als 96-Spieler fast immer weniger liefen als die Gegner, kam es plötzlich nur darauf an, wie man läuft.

96 könnte jetzt einen gelassenen Lotsen gebrauchen wie den ehemaligen Sportdirektor Jörg Schmadtke. Dann wäre vielen Fans wohler. Aber der Verein hat Schmadtke ziehen lassen und damit einen großen Fehler gemacht. Jetzt gilt es, weitere Fehler zu vermeiden, vor allem bei der Suche nach einem Slomka-Nachfolger. Rund 130 Kilometer nördlich in einer schönen Hansestadt wohnt jemand, bei dem ein Anruf äußerst lohnenswert erscheint.



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