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Martin Kind

Ein bisschen weg

Alles hängt an Martin Kind: Das ist für Hannover 96 Segen und manchmal auch Fluch – noch in diesem Jahr will er Macht abgeben. Er möchte - möglichst schon zum 1. Juli - einen zweiten Geschäftsführer einstellen für das 96-Profiunternehmen.

veröffentlicht am 02.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.04.2015 um 00:18 Uhr

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„Kind muss weg“: Die Rufe der Gegner des Clubchefs von Hannover 96 waren in den vergangenen Heimspielen in der HDI-Arena nicht zu überhören. Das Kuriose dabei ist: Martin Kind will ja weg. Nur noch nicht jetzt. Und erst recht nicht, weil das rund 100 Fans im Stadion rufen.

Im Oktober vergangenen Jahres hat Kind angekündigt, dass er sich im Sommer 2017 nach dann 20 Jahren an der Spitze von Hannover 96 zurückziehen will. An dem Plan hält er fest, er hat das am Mittwoch noch einmal bestätigt. „Irgendwann muss es ja mal zu Ende gehen“, sagt er. Es ist ein typischer Kind-Satz.

Ein bisschen weg will der 70-Jährige aber schon vorher sein. Kind möchte - möglichst schon zum 1. Juli - einen zweiten Geschäftsführer einstellen für das 96-Profiunternehmen (GmbH amp; Co. KGaA). Der bisherige Geschäftsführer heißt Kind. „Wir müssen die Verantwortung breiter aufstellen“, nennt er das und spricht von einer „Aufgabenteilung“, die es dann geben soll. Kind wird also vermutlich noch in diesem Jahr Macht abgeben. Das gehört nicht zu seinen großen Stärken, aber bis 2017 ist es nicht mehr lange hin, der Übergang soll schließlich nicht plötzlich kommen, sondern behutsam vonstatten gehen.

Alles liegt bei Kind - das war und ist oft eine Stärke von 96. Und an einigen wichtigen Punkten die große Schwäche. Krise in der Bundesliga, Unruhe im Nachwuchsleistungszentrum, Streit mit der aktiven Fanszene. Das sind zu viele Brennpunkte für einen Alleinunterhalter. Die einen sagen, Kind wäre gut beraten gewesen, manches davon zu delegieren. Andere sagen: An wen denn, bitte schön?

Zukunftsmodelle für die Zeit bis Sommer 2017 gibt es mehrere, Kind hat sie alle in der Schublade. Ein Modell ist die Einstellung eines Geschäftsführers mit vornehmlich sportlicher Ausrichtung. Dass die Namen von Andreas Rettig (zuletzt Deutsche Fußball-Liga, vorher Köln und Freiburg) und Jan Schindelmeiser (zuletzt Hoffenheim) bereits im Umlauf sind, kommentiert er nicht. Dass beide in dieses Profil passen würden, weiß er. „Ich sondiere den Markt und muss gucken, wer wann verfügbar ist.“

Auch für die Zeit nach Kinds Ausscheiden als Clubchef und Multi-Geschäftsführer liegen die Pläne bereit. Kind wird in den Aufsichtsrat des 96-Profiunternehmens wechseln (GmbH amp; Co. KGaA), und er hat schon angekündigt, ein „eher operativer Aufsichtsrat“ sein zu wollen. Am 8. Juli 2018 werden Kind und die Investoren der „Sales amp; Service GmbH amp; Co. KG“ (kurz S amp; S) dann die 96-Profiabteilung komplett übernehmen. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben den Weg für die Übernahme nach langem Kampf mit dem 96-Chef frei gemacht, obwohl - wie im Falle Dietmar Hopp und Hoffenheim - die sogenannte 50+1-Regel ausgehebelt wird. Für viele Fans ist das ein Horrorszenario. „Der Feind im Club hätte dann seinen letzten Willen bekommen“, beschreibt die „FAZ“ deren Sicht.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Gemeinsam mit sechs anderen Kommanditisten hat Kind den Verein 1998 vor der Insolvenz gerettet. Die „Roten“ wären ohne sie vermutlich längst ein Traditionsverein in der 5. Liga.

Stattdessen ist Hannover 96 ein Fußball-Erstligist - und ein Wirtschaftsunternehmen „wie 70, 80 Prozent aller Profivereine“, sagt Kind. Er sieht darin nichts Dramatisches, der Fußball habe sich in diese Richtung entwickelt. „Ich kann nur empfehlen, sich mit den wirtschaftlichen Rahmendaten der Vereine zu beschäftigen. Da geht es um Umsatz, Gewinn, Eigenkapital. Die Bundesliga ist ein Wettbewerbsmarkt.“

Kind sagt, dass er die Sorgen der Fans „respektiert“. Er hält sie jedoch für unbegründet. 96 werde ja nicht von einem Scheich geschluckt, in der S amp; S seien ausschließlich regionale Gesellschafter vereint mit „großem Verantwortungsgefühl für 96 und Hannover“.

Und auch das gehört zur Geschichte vom letzten Patriarchen der Bundesliga: Niemand bei 96 drängt Kind zum Rückzug, es gibt auch keinen im Verein oder im Umfeld, der - nicht mal unter der Hand - andeutet, dass Kinds Zeit bei 96 langsam ablaufen müsse. Das Wort ist nicht schön, aber in diesem Fall passend: Kind ist „alternativlos“.

Vor Kurzem, nach der 0:2-Niederlage von Hannover 96 in Mönchengladbach, hat Franz Beckenbauer die Arbeit von Kind in den höchsten Tönen gelobt. Natürlich hat ihm das geschmeichelt. Gebraucht hat er die freundliche Unterstützung vom großen FC Bayern nicht. „Ich bin mit mir im Reinen“, sagt Kind.



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