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Hannover 96 nach der Niederlage

Der Warnschuss

Noch fünf Punkte bis zum Abstiegsplatz: Das Spiel von Hannover 96 gegen Hoffenheim am Mittwochabend war ein schlimmer Rückfall in die Endphase der Mirko-Slomka-Ära. Und Trainer Tayfun Korkut ist sehr unzufrieden.

veröffentlicht am 27.03.2014 um 14:51 Uhr
aktualisiert am 30.03.2014 um 00:15 Uhr

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Tayfun Korkut ist kein Fußballtrainer, der seiner Verärgerung nach einem Spiel Ausdruck verleihen würde, indem er laut wird oder mal richtig Dampf ablässt. Aber man kann ihm ansehen, wenn er unzufrieden ist. Wie er da nach der 1:3-Niederlage von Hannover 96 bei 1899 Hoffenheim auf dem Podium in der Rhein-Neckar-Arena saß, da war zu erkennen: Erstmals, seit er bei den „Roten“ Trainer ist, war Korkut sehr unzufrieden. Oder maßlos enttäuscht. Vermutlich beides.

In seinem ersten Kommentar beließ er es beim fast beiläufig platzierten Satz, dass „wir nicht richtig dagegen gehalten haben“. Auf Nachfrage wurde er deutlicher: „Wir hätten uns schon etwas mehr wehren können“, sagte er, was bei einem wie dem Dortmunder Jürgen Klopp vermutlich feiner Spott wäre. Bei Korkut schwang nichts Spöttelndes mit, und deshalb schob er einen alarmierenden Satz nach: „Diese Niederlage sollte für uns alle ein Warnschuss sein.“

Aus sechs Punkten Distanz bis zu einem Abstiegsplatz sind fünf geworden, das ist noch nicht dramatisch, kann es aber schnell werden, wenn 96 weiterspielt wie gegen Hoffenheim und das Heimspiel am Sonntag gegen Werder Bremen (Anpfiff 17.30 Uhr) ähnlich leidenschaftslos angeht. „Wir müssen unsere Situation erkennen“, sagte Korkut, „das Wort ,müssen‘ ist dabei wichtig. Wir müssen runterschauen und Punkte holen.“

Die Vorstellung am 27. Spieltag war in Sachen Einstellung und Engagement ein schlimmer Rückfall in die Endphase der Mirko-Slomka-Ära, als Lethargie die Mannschaft lähmte. Unter Korkut war das bislang nicht passiert, jedenfalls nicht in dieser Deutlichkeit. Bisher hatte jedes Spiel, auch die Niederlagen wie zuletzt das 0:3 gegen Dortmund, einen positiven Ansatz geliefert. Das 1:3 in Hoffenheim lieferte bis auf den sehenswert herausgespielten Führungstreffer von Leon Andreasen nichts, was Mut macht.

„Wir müssen so einen Vorsprung auch mal eine längere Zeit halten“, sagte Korkut. Geklappt hat das genau drei Minuten, danach verlor seine Elf im Laufe der 1. Halbzeit erst die Linie, um sich nach der Pause dann komplett vom Geschehen abzumelden.

Wenn man nach 51 Minuten mit 1:2 zurückliegt, ist das kein Grund aufzustecken. Es gibt Mannschaften, die schütteln sich fünf Minuten und antworten dann mit Trotz. Bei 96 bestand der Trotz in einem rüden Foul von Manuel Schmiedebach an Hoffenheims Anthony Modeste, das in der 76. Minute zu einem berechtigen Platzverweis führte und zum endgültigen Hissen der weißen Fahne.

In der gesamten 2. Halbzeit hatte 96 keine einzige gute Torchance, wohlgemerkt gegen das Team mit den meisten Gegentoren der Liga. Umgekehrt gestattete 96 Hoffenheim derart viele Torchancen, als hätte man in Hannover noch nie von der Offensivstärke der Gastgeber gehört. Dass in der Nachspielzeit dann Torwart Ron-Robert Zieler, bis dahin der einzige Hannoveraner mit Normalform, das dritte Gegentor durch Sebastian Rudy mit einem Fehler einleitete, passte ins Bild.

Wenn eine Mannschaft wie Hannover 96 während der gesamten Spielzeit eine einzige Ecke erkämpft, dann muss man sich ernsthaft Sorgen machen. Acht Torschüsse standen für 96 in der Statistik, und das Gefühl sagte, dass die Datenzähler in Sinsheim dabei sehr freundlich waren. Acht Torschüsse gab übrigens allein der Hoffenheimer Robert Firmino ab, man darf das ruhig noch mal unterstreichen: Ein Spieler schoss so oft aufs Tor wie 13 hannoversche Profis zusammen.

Korkut hat eine genaue Analyse angekündigt, er hat bis Sonntag nicht viel Zeit, um zu ergründen, warum seine Mannschaft plötzlich wieder anfällig ist für eine gefährliche Sorglosigkeit. Aber ist sein Weckruf auch angekommen? „Wir müssen klar in unsere Überlegungen einbeziehen, dass wir in Schwierigkeiten geraten, wenn wir unsere Leistung nicht abrufen“, sagte Korkut. Damit vermied er geschickt das Wort Abstiegsgefahr, ohne die Ernsthaftigkeit der Situation zu ignorieren. Korkut hätte auch sagen können: „Wenn wir so weiterspielen, steigen wir ab.“ Das vermied er, obwohl er mit großer Sicherheit genau das meinte.

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