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Mirko Slomka muss gehen

Das Aus

Einen Tag nach Weihnachten wird wahr, was die 96-Bosse in den vergangenen Tagen verklausuliert angekündigt hatten: Hannover 96 trennt sich 
von Mirko Slomka – und muss dem Trainer eine Abfindung in siebenstelliger Höhe zahlen.
 Der Nachfolger wird noch gesucht.

veröffentlicht am 27.12.2013 um 10:23 Uhr
aktualisiert am 30.12.2013 um 00:15 Uhr

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Je länger sich am Freitagnachmittag die Gespräche bei Hannover 96 hinzogen, desto größer wurden die Zweifel. Machen die „Roten“ entgegen eindeutiger Aussagen von Klubchef Martin Kind doch weiter mit Trainer Mirko Slomka? Um 17.01 Uhr kam es dann mit einer Mitteilung des Vereins doch wie erwartet: Der Fußball-Bundesligist trennt sich nach fast vierjähriger Zusammenarbeit von Chefcoach Slomka. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Sportdirektor Dirk Dufner, „aber gemeinsam haben wir die Überzeugung, etwas verändern zu wollen.“

Dufner hat die Entscheidung dem geschassten Trainer, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten urlaubt, telefonisch mitgeteilt. Slomka dürfte nicht wirklich überrascht gewesen sein. „Ich danke euch allen für eure grandiose Unterstützung in den letzten vier Jahren“, äußerte er sich auf seiner Homepage. „Ich werde die vielen erfolgreichen Momente in guter Erinnerung behalten.“ Gestern hatte es noch eine von drei Hannoveranern organisierte Demonstration pro Slomka am Kröpcke gegeben. Etwa 80 Teilnehmer im Alter von 20 bis 40 Jahren hatten dabei den Namen des Trainers skandiert, waren aber auch durch Pöbeleien gegen Passanten auffällig geworden. Slomkas Entlassung war da schon beschlossene Sache.

Slomka hatte erst Anfang Dezember 2012 seinen Vertrag bei den „Roten“ bis Juni 2016 verlängert. Somit darf er sich zumindest auf eine stattliche Abfindung freuen. Verein und Coach wollten sich nicht dazu äußern, aber Slomka soll etwas mehr als eine Million Euro kassieren. Mit dem Chefcoach muss auch dessen Assistent Nestor el Maestro gehen. Weitere Mitarbeiter wie Bewegungswissenschaftler Jürgen Freiwald oder Reha-Trainer Kai Timm werden vermutlich ebenfalls gehen müssen.

Bevor die Entscheidungen feststanden, hatte es mehrstündige Beratungen der verschiedenen Vereinsgremien (Aufsichtsrat, Gesellschafter) gegeben. Dufner formulierte danach gleich ein ambitioniertes Ziel: Slomkas Nachfolger soll noch vor dem Trainingsstart am 5. Januar präsentiert werden. Als Kandidaten werden außer den beiden Zweitligatrainern Frank Kramer (Greuther Fürth) und André Breitenreiter (SC Paderborn) auch der 96-Aufstiegscoach Ralf Rangnick gehandelt, der jetzt Sportchef bei RB Leipzig und RB Salzburg ist. Da Kind nicht gewillt ist, eine Ablöse zu zahlen, dürften die Gespräche schwierig werden. Als Übergangslösung ist der vereinslose Lorenz-Günther Köstner im Gespräch.

Doch am Freitag war erst einmal die Personalie Slomka abzuarbeiten. Klubchef Kind blickte deshalb noch etwas mehr zurück als nach vorn. „Mein persönlicher Dank gilt Mirko Slomka, der Hannover 96 vor dem Abstieg in die 2.  Bundesliga gerettet hat und anschließend zweimal in die Europa League geführt hat. Diese Erfolge werden immer eng mit seinem Namen verbunden sein“, sagte der 69-Jährige. Kind ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Entscheidung nach der Bewertung des Ist-Zustandes der Mannschaft gefallen sei, den er schon vor Wochenfrist als „Zumutung“ empfand. Trotz des teuersten Kaders der Vereinsgeschichte befindet sich 96 im Dunstkreis der Abstiegsränge. Den Rest hatte Kind der blutleere Auftritt des Teams beim 1:2 am vergangenen Sonnabend in Freiburg gegeben. „Den Prozess habe ich schon seit Januar beobachtet“, sagte Kind, „es ist nichts, aber auch gar nichts besser geworden.“ Er habe keinen anderen Ausweg als die Trennung mehr gesehen.

Ironischerweise zog sich das Ende der Ära Slomka, das bereits am Sonntagmorgen beschlossen schien, genauso in die Länge wie die Verhandlungen bei seiner Einstellungen und seinen Vertragsverlängerungen. Zunächst wollten Slomka und 96 nicht zueinanderfinden, gerade Kind hatte ob der damals omnipräsenten Medienpräsenz Slomkas große Vorbehalte. Später wurden die Vertragsverlängerungen zu endlosen Hängepartien. Slomka hielt den Verein hin, kokettierte mit Wechseln nach Wolfsburg oder München. Als die mutmaßlich interessierten Klubs ihre Trainerfragen entschieden hatten, griff auch Slomka zur Feder.

Kind hatte das jedes Mal mit viel Geduld hingenommen, auch den ständigen Hickhack zwischen Slomka und dem damaligen Sportdirektor Jörg Schmadtke. Letzteren hatte Kind schweren Herzens im April dieses Jahres aus dem Vertrag entlassen. Im kleineren Kreis hat er schon des Öfteren bedauert, dass er den Falschen habe gehen lassen. Mirko Slomka, lange der richtige Trainer für 96, wäre gerne geblieben, durfte aber nicht.



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