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Schluss mit Kuscheln

96-Trainer Korkut schlägt neuen Ton an

Mehr als drei Monate dauert der Absturz von Hannover 96 nun schon an, und mit jedem Platz, den die „Roten“ den Abstiegsrängen in der Fußball-Bundesliga näher kommen, wird auch das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft angespannter.

veröffentlicht am 14.04.2015 um 18:50 Uhr
aktualisiert am 17.04.2015 um 00:20 Uhr

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Bislang hatte Chefcoach Tayfun Korkut schützend die Hand über seine Spieler gehalten, kein Profi wurde öffentlich an den Pranger gestellt, da konnte die Leistung noch so schlecht sein.

Nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen Berlin hat der 41-Jährige jetzt aber anscheinend die Faxen dicke. Bei den öffentlichen Trainingseinheiten ist zu hören, dass Korkut öfter als zuvor lauter wird und einen anderen Umgangston gegenüber seinen Spielern anschlägt. Und die „Bild“-Zeitung berichtete von dicker Luft in der Kabine, besonders Joselu und Leonardo Bittencourt sollen sich nach dem Spiel gegen Hertha durch ihre mangelnde Einstellung den Zorn des Trainers zugezogen haben.

Es ist kein Rundumschlag, zu dem Korkut gerade ausholt, doch ein Kurswechsel weg vom öffentlichen Kuschelkurs ist unverkennbar. Bislang stellte sich der 41-Jährige stets vor sein Team, kletterte in der vergangenen Saison nach der Derby-Niederlage bei Eintracht Braunschweig sogar mit einem Megafon auf den Zaun der HDI-Arena, um die aufgebrachten Fans zu beruhigen. „Um von dieser Mannschaft überzeugt zu sein, braucht man Vertrauen. Dieses Vertrauen habe ich“, betonte Korkut immer wieder, zuletzt vor der bitteren 1:2-Niederlage gegen Aufsteiger Paderborn.

Der 96-Trainer scheint nun jedoch zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass manche Spieler dieses Vertrauen nicht zurückzahlen, obwohl er ihnen oftmals eine Chance mehr als nötig gegeben hat. Bespiele dafür, dass die Rechnung Vertrauen gegen Leistung nicht immer aufgeht, gibt es genug. An Ceyhun Gülselam etwa hielt Korkut lange Zeit fest, der Mittelfeldspieler bringt es auf 16 Einsätze. Überzeugen konnte er jedoch kaum einmal. Das gilt auch für Jimmy Briand. Mit seiner unorthodoxen Spielweise sorgt der Franzose immer wieder für kollektives Stöhnen auf der Tribüne, mit ein bisschen mehr Technik könnte er glatt als kleiner Bruder von Jiri Stajner durchgehen. Auch wenn Briand in punkto Einsatz nichts vorzuwerfen ist, profitieren kann die Mannschaft von seinen Fähigkeiten nur selten.

Korkut ist nicht der erste Bundesligatrainer in dieser Saison, der die Peitsche rausholt, weil die Lage immer bedrohlicher wird. Nach dem 0:4 des SC Paderborn vor vier Wochen bei Eintracht Frankfurt machte SC-Trainer André Breitenreiter seinem Frust öffentlich Luft. „Wir haben heute gespielt wie ein Absteiger. Da brauchen wir nichts schönzureden. Wir waren nicht bereit und nicht in der Lage, uns zu wehren“, kritisierte Breitenreiter sein Team vor laufenden Kameras. Eine Botschaft, die ankam: Aus den nächsten drei Spielen holte der Aufsteiger vier Punkte - und wieder Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt.

Im Abstiegskampf ist jedes Mittel recht, wenn es Erfolg und Punkte bringt. Am Sonnabend in Leverkusen wird sich zeigen, ob Korkuts Maßnahme bei den Spielern angekommen ist. Der 96-Trainer wird sehen, auf welche Profis er sich im Abstiegskampf verlassen kann. Und auch welche nicht.



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