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Busfahrt nach Braunschweig

96-Fan klagt gegen Derby-Auflagen

Ein Besitzer von Auswärtsdauerkarten zieht vor Gericht: Er klagt gegen die umstrittene Regel, dass die Tickets für das Derby in Braunschweig nur mit einer Anreise per Bus vergeben werden. In den Protest haben sich unterdessen auch mehrere Faninitiativen von Hannover 96 eingeschaltet.

veröffentlicht am 26.03.2014 um 16:28 Uhr
aktualisiert am 29.03.2014 um 00:15 Uhr

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Fußballfans von Hannover 96 setzen sich mit allen Mitteln gegen die umstrittene Regelung für die Vergabe der Eintrittskarten beim Auswärtsspiel ihrer Mannschaft in Braunschweig zur Wehr. Sie sind nicht damit einverstanden, dass die 2100 Tickets für das Spiel am 6. April aus Sicherheitsgründen ausschließlich im Zusammenhang mit der Anreise per Bus vergeben werden – und ziehen deshalb jetzt vor Gericht.Per einstweiliger Verfügung will ein 96-Fan jetzt vor dem Amtsgericht Hannover die ungewöhnliche Kartenvergabe stoppen.

Er hat, wie rund 250 andere Anhänger der Roten auch, eine sogenannte Auswärtsdauerkarte für alle 17 Gastspiele von Hannover bei den anderen Bundesligaklubs in dieser Saison. Er möchte er erwirken, dass ihm die drei Karten für das Spiel in Braunschweig für sich, seinen Sohn und seine Tochter, wie es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen vermerkt ist, spätestens fünf Tage vor dem Spiel per Post zugeschickt werden. In der Verhandlung am Mittwoch gab er an, er plane an besagtem Wochenende mit seinen Kindern an einer Familienfeier in Berlin teilzunehmen und wolle deshalb am Sonntag selbstständig nach Braunschweig reisen. Außerdem legte er dem Gericht ein ärztliches Attest vor, demzufolge es seinem Sohn aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, an einer Busreise teilzunehmen.

„Mein Mandant hat vor dem Beginn der Saison mit dem Verein einen gültigen Kaufvertrag über die Dauerkarten geschlossen“, sagt Andreas Hüttl, der Rechtsanwalt des 96-Fans. Sein Mandant habe die Vertragsvereinbarungen erfüllt, in dem er den Kaufpreis überwiesen habe. „Jetzt muss der Verein den Vertrag auch erfüllen“, sagt der Jurist.

Hannover 96 vertritt dagegen die Ansicht, mit der speziellen Kartenvergabepraxis nichts zu tun zu haben. Die Bedingungen seien in diesem Fall von Eintracht Braunschweig vorgegeben worden. Selbst wenn die rund 250 Besitzer der Auswärtsdauerkarten individuell zum Derby anreisen dürften, würde ihnen der Zutritt zum Stadion verwehrt, da sie dann nicht mit einem der gecharterten Busse angereist wären. „Wäre das so, würden wir auch dagegen gerichtlich vorgehen“, sagt Rechtsanwalt Hüttl. Am Montag will das hannoversche Amtsgericht sein Urteil verkünden.Gibt es dem 96-Fan Recht, müsste der Verein auch allen anderen Auswärtsdauerkartenbesitzern die Tickets für das Derby überlassen, ohne dass sie an der Busfahrt teilnehmen müssen. Aus Sicht der Polizei, wäre diese Entscheidung fatal. Denn der Behörde ist – unter dem Eindruck der schweren Ausschreitungen rund um das Hinspiel – daran gelegen, dass die hannoverschen Fußballfans geschlossen zum Derby anreisen, um neuerliche Krawalle besser unterbinden zu können.

In den Protest gegen die umstrittene Kartenvergabe haben sich unterdessen auch mehrere Faninitiativen von 96 eingeschaltete. In einem offenen Brief, der unter anderem Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil (SPD), 96-Präsident Martin Kind und den Deutschen Fußball-Bund erreicht hat, kritisieren sie das Prozedere mit scharfen Worten als „zutiefst problematisch und in Teilen verfassungswidrig“. In dem Schreiben bringen sie auch ihr Unverständnis zum Ausdruck, „dass die Entscheidung ohne ersichtliche Rücksprache mit Fanbeauftragten oder Fanprojekten“ erfolgt sei.

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