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76 Hamelner Sänger unternehmen in dieser Woche eine Konzertreise durch Italien – ein Bericht

Zwischen Notbremse und begeistertem Applaus

Hameln/Italien. Nach Konzerten in der romanischen Basilika S. Felice in Vicenza, im Dom von Bassano und in der großen Chiesa San Rocco in Venedig geht es für den Hamelner Kammerchor St. Nicolai morgen wieder auf die Heimreise. Seit Sonntag haben 76 Sänger des Hamelner Kammerchors und des göttinger vokalensembles sowie vier Musiker unter der (auch Reise-)Leitung von Hans Christoph Becker-Foss in Italien geprobt („weil es ja immer noch ein wenig besser geht“), die Landschaft und das berühmte „Dolce far niente“ genossen – und von der italienischen Reise nicht nur Eindrücke, sondern auch musikalische Erfahrungen mitgenommen. Nichts konnte sie aufhalten, weder der für den Reisetag angekündigte Streik des Bahnpersonals in Venetien noch die vom Reiseleiter versehentlich betätigte Notbremse.

veröffentlicht am 16.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:21 Uhr

Christiane Klein im Konzert mit den Sängern des Hamelner Kammerc

Autor:

Jürgen Harms
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So überraschten in Italien zunächst ein warmer Spätsommerabend und eine bunte Menschenmenge in der venetischen Kleinstadt am Fuße des Monte Grappa. „Ist hier immer so viel los?“, war die meistgestellte Frage bei der Ankunft in der Casa Scalabrini, dem Wohn- und Probenraum. Das zu überprüfen hatte die Gruppe eine Woche lang Zeit – sofern nicht Proben, Konzerte und Transfers anderes erforderten.

Damit fing es auch an: In der großzügigen Kirche der Casa klang es gleich nochmal so schön, was Becker-Foss von seinem Chor erwartete: von Palestrina bis Bach reichte der in diesem Konzert gespannte Bogen. Und da war einiges zu verbessern. „Ihr müsst wie ein Bergsteiger nicht an die Mühe des Aufstiegs, sondern an die Klarheit des Gipfels denken“, empfahl der Maestro.

Begeistertes Publikum in Verona

Und es ging sogar sehr gut. Am Dienstag, unter der imposanten Kuppel der Chiesa di San Giorgio in Verona, erreichten die Sänger ein immer wieder begeistert applaudierendes großes Publikum. Palestrinas Messa per Coro, oft als steif und streng mensuriertes Werk empfunden, wurde als liebevoll den Menschen dienende und Gott preisende Liturgie musiziert: ruhig und erdig, aber mit lebendigen Stimmen, die zu sanft strahlenden Bildern verschmolzen.

Dem Chor gelang nach dieser in Italien naheliegenden „seligen“ Gestaltung mühelos ein Wechsel in die eher nüchterne, nachdenkliche norddeutsche Literatur – und ließ sich schlank und beweglich von diesem Ort inspirieren. Buxtehudes Missa Brevis erklang vielstimmig und elegant. Die Intention des Dirigenten, der Weg des Programms und der hervorragend eingestimmte Chor machten deutlich, dass es nicht nur um religiöse Empfindungen geht: Hier spricht der ganze Mensch in immer neuen Erfahrungen von seinem Lob, seinen Bitten und Klagen und seiner oft bescheidenen Anbetung.



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