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Pago Balke und Nicolai Thein zeigen eine neue Seite des Reimkünstlers

Zwischen Busch und Blues

Hameln. Was trinkt man eigentlich zu Wilhelm Busch? Das mag sich der eine oder andere Besucher des „blauen Montags“ im fast ausverkauften TAB gefragt haben und die Antwort beim Max-und-Moritz-Autor selbst gefunden haben: „Rotwein ist für alte Knaben…“

veröffentlicht am 16.11.2010 um 12:45 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Dass die lockere Clubatmosphäre und die deftigen Lebensweisheiten des Wiedensahler Reimkünstlers sich aufs Vortrefflichste ergänzen, daran ließen Pago Balke und sein musikalischer Begleiter Nicolai Thein keinen Zweifel. Sie präsentierten einen Wilhelm Busch abseits bekannter Geschichten, stellten den verhinderten Dichter Balduin Bählamm vor, dessen Tief- und Hintersinn, ja philosophische Dimensionen erstaunten. Mit minimalistischen Mitteln, allein durch seine mitreißende Rezitation, trug Balke moritatenhaft Buschs „Knopp-Trilogie“ vor – mit den Satzbezeichnungen „ländliches Fest“, „Freund Mücke“ und „eheliche Ergötzlichkeiten“. Buschs Zeichnungen – sein Knopp nahm irgendwie die spätere Design-Ikone des Michelin-Männchens vorweg – sind eine Urform des Comics: mit wohl gereimten, spöttisch-frivolen oder tiefsinnigen Unterschriften.

Da lief eine Bilderfolge im Stummfilmstil ab, mit gesprochenen Untertiteln, am Piano begleitet mit effektvoll zerstückelten Auszügen aus Mozart, Haydn, Grieg, aus Schlagern und Evergreens und einer gehörigen Portion Jazz. Wobei sich Buschs Texte als absolut bluestauglich erwiesen.

Dann wieder bearbeitete der aus Hameln stammende Pago Balke einen Teebass und untermalte so Buschs bitterböse Geschichte von den „feindlichen Nachbarn“. Balke und Thein zeigten einen mitunter mit humorvoller Gnadenlosigkeit zu Werke gehenden Wilhelm Busch. Der wäre viel lieber Maler geworden. Sein Verhältnis zur Musik blieb zwiespältig. Da immer wieder die lustvolle Zerstörung von Instrumenten, ja ganzen Ensembles Buschs Thema ist, hatte sich auch Nicolai Thein zur Zerstückelung größerer Werke entschlossen. Mit Erfolg.

Den Blick freigemacht auf einen ganz anderen Wilhelm Busch: Pago Balke und Nicolai Thein.

Foto: eaw

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