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Andrès Orozco-Estrada am Pult des Staatsorchesters

Zwingende Ausstrahlung und orchestrale Brillanz

Hannover. Das Programm des Konzerts in Hannovers Staatsoper eröffnete unerwartete Perspektiven auf Gemeinsamkeiten zweier Werke, die auf den ersten Blick nicht zuletzt wegen ihrer Formate unterschiedlicher eigentlich nicht sein können: Ligetis „Lontano“ aus dem Jahr 1967 und Bruckners 1883 vollendete siebte Sinfonie. Gerade mal elf Minuten dauert Ligetis minimalistische Tonmalerei – hingegen vergeht eine gute Stunde vom ersten bis zum letzten Bruckner-Ton.

veröffentlicht am 22.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:41 Uhr

Autor:

Karla Langehein
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Dennoch werden Verbindungen deutlich. Beide Werke sind für großes Orchester geschrieben. In beiden blüht das Spiel mit und der Wechsel von Klangfarben. Vor allem aber fordern beide Werke einen langen Atem (auch von den Hörern) sowie die Umsetzung von empfindlichen inneren Spannungen.

In Ligetis Komposition sind sie komprimiert. Das Stück kreist um einzelne Töne und deren „Parasiten“ – eine „Musik hinter der Musik“ (Ligeti), die mit ihren sensiblen Tempo- und Dynamikwechseln, mit Färbungen und Trübungen des Klanges ein ganzes Universum in den Raum stellt – und damit auch höchste Ansprüche an die Interpreten.

Für großes Orchester geschrieben

Wer Orchester beobachtet hat, weiß, dass das Engagement der Musiker mit der Qualität und Ausstrahlungskraft des jeweiligen Dirigenten korrespondiert. Davon macht auch das Staatsorchester Hannover keine Ausnahme. Nun stand Andrés Orozco-Estrada an seinem Pult. Der erst 32-jährige Kolumbianer hat bereits eine glänzende Karriere hinter sich und vermutlich eine noch glänzendere vor sich. In seinem Dirigierstil zeitigen natürliche Eleganz in Verbindung mit präziser Gestik eine außergewöhnliche Ausstrahlung, wobei die sichtbare Liebenswürdigkeit des Dirigenten keinen Zweifel an seiner Durchsetzungsfähigkeit aufkommen lässt. Das Staatsorchester musizierte, davon mitgerissen, wie elektrisiert. Hoch konzentriert das Lontano, mit offensichtlicher Begeisterung und nicht nachlassender Spielfreude die Bruckner-Sinfonie. Orozco-Estradas musikalisches Temperament drängte Bruckners latente Schwermut ein wenig in den Hintergrund, und das überzeugte: Selten hört man sein Werk so lichtdurchsetzt! Emphatischer Beifall für den Dirigenten und die brillante Leistung des Staatsorchesters.



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