weather-image
22°

Vorzügliche Kombination von Orgel und Streichern begeisterte in der Stadtkirche

Zur musikalischen Entspannung verführt

BAD PYRMONT. „Sie können sich genüsslich der Ruhe dieser romantischen Musik hingeben, die Augen schließen und in eine ruhende Entspannung eintauchen. Wenn Sie wieder die Augen öffnen, werden Sie sich anders fühlen“, lockt Dirk Brödling von der Orgelempore aus die zahlreich Anwesenden in der Stadtkirche, von denen sich wohl einige das bevorstehende Konzert als erholsame Pause vom Jubiläumsrundgang im Kurpark auf dem Nachhauseweg vorgenommen hatten.

veröffentlicht am 22.08.2017 um 15:38 Uhr

Kantor Dirk Brödling (re.) mit seinen Gastkünstlern Johannes Krampen (li.) und Jorin Jorden. Foto: ti
Avatar2

Autor

Klaus Titze Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Eine gute Idee, so dürften die meisten von ihnen schon während des Konzertes sich selbst bestätigt haben, denn sie vernehmen ein besonderes musikalisches Ereignis. Bevor sich allerdings ein sanftes Hinweggleiten in die angekündigte Romantik bietet, zeigt Kantor Brödling, was in der Orgel der Stadtkirche steckt. Bereits der Beginn der 1. Orgelsonate von Alexandre Guilmant bildet einen kraftvollen Auftakt mit Tieftönern, die Hörenden nahezu den Boden unter den Füßen wegziehen. Dabei wechseln sich geradezu zärtlich abhebende Stücke mit kraftvollen Passagen ab und geben Zeugnis Brödlings virtuosen Könnens und der Tonvielfalt der restaurierten Orgel. Überraschend hierzu lassen die ersten Töne der von Johannes Krampen gespielten Violine aufhorchen. Ihre zart angestrichenen Saiten schicken Tonfolgen in den Widerhall, die sich sodann den großen Raum des Kirchenschiffes erobern und sich dabei tief in den Herzen der genussvoll Zuhörenden einnisten.

Die gespielte Romanze in G-Dur von Johann Severin Svendsen ist das komplette Gegenstück zu der zuvor gehörten Orgelsonate. Dabei lässt Krampen, ein waschechter Pyrmonter, der aktuell in München wohnt und als freiberuflicher Musiker auch als Konzertmeister in verschiedenen Orchestern spielt, seine Violine mit solcher Inbrunst liebesverzehrende Gefühle nachempfinden, wie sie eben nur in der Romantik aus der Brust des Komponisten direkt in dessen Feder fließen konnten. Begleitend unterstreichen die zarten Töne der wunderschön von Brödling bespielten Orgel einfühlsam, wodurch die Sanftheit der Romanze sich noch intensiver empfinden lässt.

Bei vielen sind geschlossene Augen erkennbar, und das ist sicher nicht dem hell über die großen Kirchenfenster einströmenden Gegenlicht geschuldet. Als der letzte zarte Ton der Violine verklingt, dauert es eine ganze Weile, bis sich die erste Hand rührt und zum begeisterten Applaus animiert.

Nicht weniger gekonnt spielt Jorin Jorden auf seinem Violincello. Aus Bad Bentheim in die Stadtkirche gereist, in der schon seine Mutter 1959 das Ja-Wort ihrem Gatten gab und somit auch einen Pyrmontbezug herstellt, lässt sich schnell heraushören, dass Jorden als Lehrender an diesem Instrument sein Metier vorzüglich beherrscht.

In dem von Max Bruch komponierten Kol Nidrei, in dem es um die zahlreich Gott gegenüber versprochenen Gelübde geht, gehen die weichen und vollen Töne des Cellos eine wundervolle Symbiose mit den Tönen der begleitenden Orgel ein. So wie Cello und Orgel ein Zwiegespräch zwischen Mensch und Gott darzustellen scheinen, in der Gott die Gelübde einfordert und der Mensch immer wieder Ausreden wegen deren Nichterfüllung zu suchen scheint, so entwickelt sich in dem anschließenden Concerto von Josef Rheinberger ein ebensolches Miteinander zwischen Krampens Violine und Jordens Cello. „Es ist mit seinen über 35 Minuten gehenden vier Sätzen ein für Rheinberger eher langes Werk, von der ich auch wegen der musikalischen Anlage eher sage, eine geradezu himmlische Länge, von der Sie sich jetzt überzeugen können“, so einleitend Kantor Brödling.

Sofort nach dem Verklingen der letzten energievollen Töne setzt lang anhaltender Applaus verbunden mit Bravo-Rufen ein. Nicht nur sie, sondern auch mit vor Begeisterung strahlenden Gesichtern derjenigen, die es sich nehmen lassen, den drei Künstlern für das gelungene musikalische Ereignis zu danken und ihnen Komplimente auszusprechen, bestätigen Dirk Brödling, mit seinen ausgesuchten Werken und den beiden erstklassigen Musikern exakt den Wunsch des Publikums getroffen zu haben.

Dieser Sonntag in der Stadtkirche machte Lust auf die beiden nachfolgenden Termine des Orgelsommers, dem nächsten am kommenden Sonntag, 26. August, um 15 Uhr, in der Christus-Stadtkirche als eine Art Orgelcafé, wenn Tobias Lehmenkühler und Dirk Brödling vierhändige Orgelwerke spielen werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?