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Nach 70 Jahren kehren die Gravuren des ehemaligen KZ-Häftlings Pierre Provost nach Buchenwald zurück

Zeugnisse des Überlebenswillens

Weimar. Mit bloßem Auge sind der Stacheldrahtzaun und die Holzbaracken von Buchenwald auf den Medaillen kaum zu erkennen. Nur millimetergroß hat Pierre Provost (1895-1986) die Kennzeichen des NS-Konzentrationslagers bei Weimar in Metall eingraviert. „Ich habe die Verbrechen zwischen August 1944 und April 1945 sinnbildlich ausgedrückt“, hatte der ehemalige französische Häftling mit der Nummer 39705 nach der Befreiung gesagt. Fast alles, was ihm im Lager in die Hände kam – Stahl, Bronze, Geldmünzen oder silberne Löffel –, hat er heimlich und unter größter Gefahr bearbeitet.

veröffentlicht am 07.04.2015 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:38 Uhr

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Autor:

Antje Lauschner
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Sein Ziel: Buchenwald zu fixieren und darzustellen. „Die Medaillen des Pierre Provost“ sind vom 11. April an, dem 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers, in einer Sonderausstellung zu sehen: Gefangene, die einen Leichenkarren ziehen, ein Steinträger, ein Gehängter und immer wieder der Ort aus der Vogelperspektive. Mit seiner Kunst habe er Lebenskraft gewonnen, das Lager zu überstehen, sagt die Leiterin der Kunstsammlungen der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Sonja Staar. „Zuerst zerbrachen die Menschen psychisch, dann physisch.“

Wie der Résistance-Kämpfer Provost – er fälschte im Widerstand Papiere und Ausweise – haben andere Häftlinge den Lager-Alltag und die Verbrechen der SS mit Skizzen, Zeichnungen oder Gedichten festgehalten. Es sind berührende Zeugnisse ihres Überlebenswillens und der Anklage, die in der Dauerausstellung in Skizzen, Zeichnungen, Bildern, Fotografien und Installationen zu sehen sind. Viele Arbeiten, wie die des polnischen Theaterleiters Józef Szajna (1922-2008), entstanden erst Jahre nach der Befreiung in Auseinandersetzung mit dem Erlebten. Nachgeborene wie Jenny Stolzenburg versuchten, künstlerisch das Erlebte ihrer Eltern zu begreifen. „Vergib und vergiss“ heißt ihre Arbeit, in der sie Dutzende historische Schuhe – von winzigen Babyschühchen bis zu verschlissenen Arbeitsschuhen – in Keramik zu einer Installation vereint hat.

Die Arbeiten Provosts seien auch Zeugnis des Widerstands und der Solidarität der Häftlinge untereinander, sagt Staar. Der gelernte Metallhandwerker gravierte heimlich im Häftlingsblock 31 oder im Keller der Krankenbaracke, wo er angeblich chirurgische Instrumente reparierte. Etwa 20 Plaketten schuf der Franzose, der vor dem Krieg als Spezialist von Steuerelementen für Flugzeuge gearbeitet hatte, im Lager. Etliche Medaillen entstanden im Auftrag der politischen Häftlinge. Die kleinen Kunstwerke wurden an Mithäftlinge als Dank für Kameradschaft und Hilfen verschenkt.

Eines der wertvollsten Exponate der Sammlung sei das „Grabmahl“, erzählt die Kunsthistorikerin. Provost fertigte den Fries, der die Opfer von Auschwitz zeigt, aus einem Silberlöffel, einem Holzsplitter der bei einem Fliegerangriff abgebrannten Goethe-Eiche und einem Stein aus dem Steinbruch. „Es nimmt bereits Bezug auf den Holocaust.“

Bis zum 30. August ist die Ausstellung in Weimar zu sehen. Es ist ein Projekt der Vereinigung der französischen Buchenwald-Häftlinge, des Musée de la Résistance nationale und der Tochter des Künstlers, Gisèle Provost. Wenn sich um den 11. April nach sieben Jahrzehnten bis zu 80 Überlebende aus aller Welt in Weimar treffen, sollen sie auch eine Erinnerungsmedaille bekommen. Es ist eine Nachbildung der Medaille, die Provost noch im Lager zur Totenfeier der Überlebenden des KZ am 19. April 1945 gravierte, erklärt Gedenkstättenleiter Volkhard Knigge. Erst wenige Tage in Freiheit, hatten sie in Gedenken an ihre toten Kameraden auf dem Appellplatz einen Obelisken aufgestellt.

„Die Medaillen des Pierre Provost“ sind vom 11. April bis zum 30. August in der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.



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