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„60 Jahre arche“ seit Freitagabend in der Galerie der Künstlergruppe mit 23 Künstlern

Zeitliche Kontraste als Schule des Sehens

Hameln. Sie schwimmt und schwimmt und schwimmt, die „arche“ – und das seit mittlerweile sechzig Jahren. Das ist nicht nur für eine Arche eine lange Zeit – für eine Künstlergruppe geradezu unvorstellbar. Wann hätten es Künstler so lange miteinander ausgehalten?

veröffentlicht am 10.06.2012 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

Autor:

Richard Peter
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Eine unendliche Geschichte, die hier in der Rattenfängerstadt geschrieben wurde – und eine erfolgreiche dazu. Auch wenn mit Joseph Apportin erst kürzlich nicht nur das letzte Gründungsmitglied gestorben ist, auch der letzte in Hameln lebende Künstler, denn die Mitglieder der Gruppe sind nicht mehr auf das regionale Umfeld beschränkt. Und doch waren diesmal so viele aktive Künstler zur Eröffnung ihrer Ausstellung am Freitagabend in die Galerie am Haspelmathturm gekommen, wie sonst nur selten und demonstrierten damit ihre Verbundenheit mit der „arche“, auch wenn die heute nicht mehr primär als Rettungsboot unterwegs ist, wie in den harten Zeiten der Nachkriegszeit. Sie ist längst zur Institution geworden und bei aller Tradition höchst lebendig. Die „arche“ gehört zu Hameln wie der Kunstkreis, dem die Künstlergruppe viel zu verdanken hat. Denn lange Jahre bot das Rolf-Flemes-Haus den heimischen Künstlern mit seinen Räumen eine Plattform,.

Grund für „arche“-Chefin Annemarie Hodges Dank zu sagen und „arche“-Zeiten Revue passieren zu lassen – auch Vor-„arche“-Zeiten, als ein Hans Seutemann es fertigbrachte, „kreative Menschen miteinander zu verknüpfen“, wie Annemarie Hodges es ausdrückte. Sein Spitzname „Noah“ führte dann zur „arche“. Es waren schwierige Zeiten, die ersten 30 Jahre, in denen erst die „arche“-Musiker ihre eigene Gruppe in Bad Pyrmont gründeten und dann Schauspieler und Literaten eigene Wege gingen. „Trotzdem“, so Hodges, „muss es eine schöne Zeit gewesen sein, vor allem mit tollen Künstlerfesten.“

Erst spät fand die „arche“ in der Fischpfortenstraße ein eigenes Domizil, zog dann in ein Fachwerkhaus in die Große Hofstraße, bevor die Stadt die Galerieräume am Haspelmathturm zur Verfügung stellte. Das war vor rund zwanzig Jahren.

Zur Jubiläumsausstellung „60 Jahre arche“, stellen 23 Künstler Bilder und Skulpturen aus nach dem Motto „vorher – nachher“. Das heißt, frühe Arbeiten, die bis 1962 zurückreichen und aktuelle. Und meist paarweise mit sich selbst konfrontiert – mit oft erstaunlichen Entwicklungen. Fast eine Art Zeitreise.

Edda Zesins so federleichte und filigrane Arbeit „Insektenhaft“ von 1964 im schroffen Gegensatz zu „Gänge“, ein dunkel gehaltenes Bild mit breitem Pinselstrich gemalt. Oder Ingeborg Ullrichs kauernde Frau von 1973, schon damals o.T. gegen das abstrakte, flächige mit harten Pinselstrichen begrenzte Blatt von 2005 gesetzt. Oder Helmut Dohrmanns so dichte Landschaft , „Craddock Nocturne I“ als krasser Gegensatz zu „Arsenal“, ein Lager mit Eisenrohren, Stangen und Kanteisen. Völlig verschiedene Welten, wie auch Moritz Bormanns „Adolf“ und die Plastik „Maria“ von 1962, quasi ein Doppelbildnis von Jung-Maria“ und Maria heute. Und sympathisch, diese Figur darf aufgenommen, gedreht und betastet werden.

Eine hochrangige Ausstellung, in der Christa Gührs „Siegessäule“ in unberührbarem Weiß herausragt. Und ein besonders reizvolles Kunstwerk, das einen Seite für Seite in Bann zieht, Birgitta Martins „Kunsttagebuch“ von 1994 im Turmzimmer.

Dazu viele bekannte „arche“-Künstler von Otto Almstadt über Dagmar Brand, Karl-Karol Chrobok, Klaus Dierßen, Johannes Eidt, Rainer Grimm, Ulrike Henß, Andreas Hoppe, Monika Kleinert, Wolfgang Nootny, Frank Popp, Wolfgang Raddatz, Hans Sasse, Wulf Schomer-Minden, Host Richard Schlösser, Barbara Toenne und schließlich Hans-Jürgen Zimmermann.

Eine schöne Ausstellung, vor allem durch die zeitlichen Kontraste – aber auch jedes Werk für sich genommen. Eine Art Schule des Sehens. Und auch nach 60 Jahren: eine höchst lebendige „arche“ und immer wieder neu. Und immer auch: Stachel im Fleisch. Und aus Hameln einfach nicht mehr wegzudenken.

Bis 15. Juli jeweils mittwochs von 11 bis 13 Uhr, Sonnabend 10 bis 13 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.



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