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Wunderbare Frauen

Hameln. Zur Ausstellungseröffnung von "Ton Klang Farbe" am Freitagabend in der Galerie "arche" spielte das Matinée-Quartett das Quartett N. 9 Es-Dur von Dimitri Schostakowitsch. Zu den Klängen der Musik tanze Birgitta Martin und schuf dabei ein Bild ganz aus dem Rhythmus der Musik. "arche"-Chefin Annemarie Hodges sprach von "fünf wunderbaren Frauen", die diese Eröffnung zu einem besonderen Erlebnis werden ließen.

veröffentlicht am 02.06.2013 um 14:23 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

ku
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Hameln. Unter allen Teufelchen, die wir so kennen, ist er der populärste: der Druckfehlerteufel. Mit Journalisten seit ewigen Zeiten per „Du“ – und jetzt auch auf Kurzvisite in der „arche“, die ihre Eröffnung von „Ton Klang Farbe“ auf den 30. terminierte und den 31. meinte, weil die arche allemal am Freitag in neue Abenteuer startet. Was es diesmal kompliziert machte: Die mittlerweile 62 Jahre alte und ewig junge Künstlergruppe überraschte mit einer geradezu singulären Performance, der man auch eine Donnerstag-Eröffnung zugetraut hätte. Und jetzt also, am gewohnten Freitagabend das Matinée-Quartett mit dem Quartett Nr. 9 Es-Dur von Dimitri Schostakowitsch, zu dem Birgitta Martin tanzend – wie in Trance und bewegt-bewegend – ein Bild schuf. Und als Rahmen – 19 arche-Künstler, die ausstellen.
 Das Quartett von Schostakowitsch hatte bereits einen 9. Vorgänger, den der Komponist allerdings wutentbrannt verbrannte. Und dann ein kleines Wunderwerk als Befreiung von der Stalinaera schuf. Ein eigenwilliges Werk, das zwar traditionell fünfsätzig komponiert ist, mit sinfonischen Anklängen, aber ohne „Verschnaufpausen“ durchgespielt wird. Das Finale – fast ein Drittel des Werks – als eine einzige und ebenso einzigartige Steigerung. Das Matinée-Quartett mit Olga Katkowa (Violine), Natalie Wiest (Violine), Eva Politt (Viola) und Monika Herrmann (Violoncello) hoch konzentriert bei diesem Schostakowitsch, der hier weniger dialogisiert als vier Solisten musizieren lässt. Und Birgitta Martin setzt das um in Bewegung, die mit Graphit und sparsam verwendeten Ölkreiden die rhythmische Entsprechung auf einer Leinwand findet. Hektische, ruckartige, zum Teil ekstatische Bewegungen, die, der Musik folgend, in große, ausholende Bögen fließen, wellenartig über die Leinwand gleiten um in wilden Stakkato-Ausschlägen einen Strich-Code auf die Fläche zu zaubern. Martin lässt sich auf die Musik ein, verschmilzt mit ihr.
 Aber das ist, bei aller Faszination, ein bisschen die Crux: sie stehen sich manchmal im Weg, die so verschiedenen Künste, stehlen sich gegenseitig die Show. So wird, in besonderen Momenten des bildhaften Gestaltens die Musik zur Untermalung, dann wieder fesselt das Quartett, dass das Bildhafte verblasst – und die arche-Künstler müssen sich darauf verlassen, dass sie irgendwann zwischen Käsehappen, Dipp und Wein zu ihrem Recht kommen. Allein sechs Arbeiten geben – wie arche-Vorsitzende Annemarie Hodges bei ihrer Begrüßung sagte – „Töne von sich“ und zeigte sich begeistert von „so vielen jungen Ideen“. Eine davon, eine Rauminstallation von Susanne Gührs „Die Liebe und die Stille“, ein wunderschön kontemplatives, in Weißtönen gehaltenes Bild mit Stuhl davor, einer Flasche Wein mit Glas und Kopfhörern für ein Lied der Künstlerin mit eigenem Text und eigener Komposition. Häufig bedient die Installation „Niemand zu Hause“ mit elf Glocken von Frank Popp und viele Bildnamen, die dem Motto verpflichtet sind wie Edda Zesins „Orchestral“ oder „Sinfonisch“, Georg Lipinskys „Rhapsodie in Blue“, Ulrike Henß‘ „Drums“, Andreas Hoppe mit einem „Musikroboter“ oder Harry Konetzny mit „Concert“, aber auch Britta Samssen-Huch mit „Herzschlag“ und Horst Richard Schlösser mit „Sonata“. Und wenn es um Klänge geht, darf auch Apportin nicht fehlen.
 Eine gelungene Ausstellung überlagert von „fünf wunderbaren Frauen“, wie Hodges sie nannte, die diese Eröffnung zu einem besonderen Erlebnis werden ließen – eben zu „Ton Klang Farbe“.

u Die Ausstellung ist bis 7. Juli mittwochs von 11 bis 13 Uhr, am Samstag von 10 bis 13 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

u Von der Ausstellungseröffnung ist online eine Bilder-Galerie unter dewezet.de eingerichtet.



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