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Die Uraufführung von Jörg Mannes’ Choreografie wird an der Staatsoper Hannover begeistert gefeiert

Wo Romy Schneider auf Sisi und Sissi trifft

Hannover. Die Sissi ist die Romy als Sisi – so wenig sie mit der zu tun hat, aber Kult ist und die perfekteste, geniale Geschichtsfälschung. So groß die Unterschiede – es gibt Parallelen zwischen Sisi, der Kaiserin von Österreich, und Sissi, wie sie von Romy Schneider auf die Leinwand gezaubert wurde. Österreichs traurige, meist ferne Kaiserin Elisabeth, des Kaisers „Sisi“ wurde als „Sissi“ zur Traumkaiserin der weihnachtlichen Fernsehprogramm-Malaise. Ähnlich wie Sisi, die dem starren Ritual der Wiener Hofburg zu entkommen sucht, kämpft Romy lebenslang gegen ihr Sissi-Image. Zwei persönliche Katastrophen betreffen beide Frauen. Sisis einziger Sohn, Kronprinz Rudolph, nimmt sich höchst mysteriös und dramatisch das Leben. Romys Sohn David stürzt tragisch zu Tode. Zwei Ausnahmefrauen, ein Jahrhundert voneinander entfernt, treffen sich bei Jörg Mannes Ballett „Sissi“, das nun in der Staatsoper Hannover seine Uraufführung erlebte.

veröffentlicht am 20.11.2012 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Beim Walzer aller Walzer, Strauß’ „An der schönen blauen Donau“, mit einer Persiflage auf Sissi und ihren Franzl und beide auf der Pirsch. Mit Hirsch, der allgegenwärtig ist und durch die Szenen turnt. Mannes’ Sinnbild für Austria-Kitsch. Dann lässt er sich vor allem von Gustav Mahler inspirieren, den Rückert-Liedern, aber auch den Kindertotenliedern, die symbolträchtig erklingen. Dazu Mahlers 4. Symphonie in Ausschnitten. Und wie immer bei diesem genialen Musiker, der wie kein anderer seine Zeit repräsentiert: die Sehnsucht nach Harmonie, Schönheit, Natur und Frieden, die immer wieder dissonant zerstört wird. Geigen, Ländler, Walzer – Höllensturz. Und wie bei Sisyphus unverzagt von Neuem heile Welt versucht. Als Kontrapunkt Arthur Honegger, vor allem „Pacific 231“, das Akzente setzt, querschießt und sich dennoch einfügt.

Das Thema: zwei Frauen. Berührungspunkte, die sich nur peripher berühren. Zwei Fremde. Erstaunlich: Am stärksten der große, zentrale Pas de deux zwischen Romy und Alain Delon. Zwei Stars, die sich finden, gleichermaßen anziehen und abstoßen. Das ist eindrücklich choreografiert mit immer neuen Verschlingungen, Hebungen und fallen lassen. Zwei Gierige – gierig nach Ruhm und Liebe.

Eher blass die Einlassungen auf die Sisis – vier an der Zahl und am eindrücklichsten: Cássia Lopes als Sisi, die ermordet wird. Eine Einsame, Getriebene, die längst mit dem Leben abgeschlossen hat, im Tod Erlösung findet.

Grandios: Catherine Franco als Romy und als Delon Denis Piza – vor allem die Franco, die als Spielerin brilliert, erschüttert. Und Andreas Michael von Arb als Hirsch. Ein Spaßmacher und surrealer Einschub. Benjamin Reiners am Pult und Mezzo Nicole Pieper am Rampenrand.

Ungewohnt zwiespältig, was Mannes da unter „Sissi“ will – mit ihr, der Romy, einfühlsamstes Erzähl-Ballett choreografiert, aber der Sisi vieles schuldig bleibt. Dennoch – und Mannes längst ein Liebling der Hannover-Ballettomanen – ein bejubelter Erfolg.

Die nächsten Termine: „Sissi“ zeigt die Staatsoper am 21. und 30. November sowie am 8. Dezember jeweils um 19.30 Uhr im Opernhaus Hannover.

Cássia Lopes verkörpert im Tanztheater „Sissi“ diejenige Sisi, die ermordet wird. Foto: Gert Weigelt



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