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Wo Kunst der inneren Wirklichkeit folgt

Hannover. Der gemeinsame Nenner:  34 Künstler setzen sich mit der Farbe Rot auseinander, mit der sogenannten "Königsfarbe". Schon Cézanne fand: "Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegen". So präsentiert die Galerie Koch in Hannover noch bis 15. März ihre "Rot-Maler" in ganz unterschiedlichen Techniken und Stilen. Eine faszinierende Ausstellung.

veröffentlicht am 16.02.2014 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:41 Uhr

ku
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Hannover. „Farben sind der Ort“, so Paul Cézanne, „wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen“, und getreu dem Standpunkt dieses berühmten Malers, bietet die Galerie Koch allen Kunstfreunden ein Highlight: 34 Künstler setzen sich in ihren Werken mit dem Rot auseinander, denn diese Farbe ist eben eine Dynastie für sich, das weiß man auch aus zahlreichen literarischen und bildlichen Überlieferungen: diese „Königsfarbe“ war für die Lebenden wie für die Toten die Faszination.
 Also kann der Besucher diese ganz eigenwilligen „Visitenkarten“ in sich aufnehmen, mit Augenfreude und dem Gespür, wo die Farben auf diesen Bildern, in ihrer Unterschiedlichkeit, eigentlich genauso eine Rolle spielen wie in der Musik die Töne eines tonalen Systems. Rot übersteigt die reine Polarität von Finsternis und Licht, die seit der Antike bis zu Goethe und noch ins 21. Jahrhundert hinein, als idealer Keimgrund der farbigen Vielfalt gilt.
 Da „erleben“ wir zunächst die ganz konsequenten „Rot-Maler“, wie beim „Rotes Haus“ von Horst Antes (*1936), für ihn Archetypus menschlicher Behausung, bar jeder Öffnungen, flächig angelegt mit Kadmiumrot (Acryl) und Sägemehl; während bei Rainer Gross‘ (*1951) in der Abstraktion „Wing“, das rote Pigment über Schwarz dominiert. Und „Sonne“ wiederum von Otto Piene (*1928), die, als Feuergouache, den Regenbogen überstrahlt.
 Ob abstrakt oder konkret, Qualität ist immer der Maßstab. Wie etwa das lebensgroße Bildnis „Aure“, Tochter des Malers Daniel Enkaoua (*1962), dessen Ölgemälde Zeugnis ablegt von Meisterschaft seiner auch sonst solitär wiedergegebenen Menschen. Ein Bild, das fasziniert durch seine geheimnisvolle Aura, innere Glut. Was fiel noch auf? Auf jeden Fall die kleine, leuchtende Komposition mit der Dominanz des Rot, eine Gouache auf Papier, von Sam Franzis (1923-1994), aber auch die „Rote Landschaft“ von Sigrid Kopfermann (1923-2011), ein opulentes farbiges Fest, Symphonie von Licht und Farbe!
 Kleine Bilder können ganz groß sein, das beweist Karl Bohrmann (1928-1998) mit seinem „Akt im roten Mantel“: nur das Wesentliche, in Ölkreide auf altem Amtspapier gezeichnet, großartig! Mit Pastell und Ölkreide setzte Heinz Mack (*1931) seine Idee von der Reinheit der Farben um. Natürlich fehlt Emil Schumacher (1912-1999) nicht, mit einer Gouache, die an prähistorische Felsbildmalerei erinnert. Und Armand Bouten (1893-1965), holländischer Expressionist mit einem symbolisch verschlüsselten, dominanten Akt; eine „Landschaft mit kleiner Kammermusik“, ein meisterhaftes Aquarell der Bauhaus-Schülerin Ida Kerkovius (1879-1970). Und last, not least: Altmeister Georg Kolbe (1877-1947) mit der Bronze „Capriccio“, und gleichfalls Susanne Kraisser (*1977) mit „Secret“ - eine Frau ein rotes Herz tragend - ein echtes Talent!

u Katalog mit einführenden Texten von Anette Brunner. Bis 15. März, in der Königstraße 50, www.galeriekoch.de



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