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Spitzen-Clownerie mit Gardi Hutter in „Die tapfere Hanna“ am Samstagabend im Theater Hameln

Wo der Ernst des Lebens in Lachsalven mündet

Renate Müller De Paoli

veröffentlicht am 01.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 16:41 Uhr

Thront auf ihrem Riesenwäscheberg: Gardi Hutter  Foto: Theater
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Hameln. Kinder fiebern ihnen aufgeregt entgegen. Treten sie in Erscheinung, haben sie sofort die Lacher auf ihrer Seite. Die Rede ist von den Clowns, die im Zirkus für wenige Minuten Höhepunkte schaffen. Am Samstag konnte das Publikum im Hamelner Theater Spitzen-Clownerie erleben. Gardi Hutter, die international anerkannte Clownin aus der Schweiz, war zu Gast mit ihrem Clown-Theater: „Die tapfere Hanna“:

Mit zerzaustem Struwwelkopf

Kaum hat die dickleibige Hanna mit ihrem zerzausten Struwwelkopf und brauner Clownsnase die Bühne betreten, hat sie auch schon mit dem ersten Schielblick ihr Publikum erobert. Hanna ist Wäscherin und ein riesiger Haufen dreckiger Wäsche muss bewältigt werden. Sie kann jedoch der Last des Wasch-Alltags entfliehen, denn in ihren Pausen liest sie mit Vergnügen ein Buch über die Heldentaten der Jeanne d’Arc.

Und plötzlich wandeln sich für Hanna der Wäscheberg zum Kampfross und die Waschwanne zum Kriegsschiff. Heroisch kämpft sie gegen Widerspenstigkeiten von Wäscheklammern, Wäscheleinen und Waschbecken. Hanna widersteht Raufereien und Saufereien, Verrat und Feigheit. Tapfer versucht sie, ihren Hauptfeind, den dreckigen Wäschehaufen, zu besiegen. Bewaffnet mit Pfannen, Kübeln und Waschbrett marschiert sie zwischen Wirklichkeit und Traum, bis sie in ihrem Waschbecken untergeht.

Bei Gardi Hutter, diesem weiblichen Clown der Spitzenklasse, sitzt alles: jeder Schritt, jeder Blick, jeder Lacher, eben jedes kleinste Detail. Sie verdreht und überdreht, sie verdichtet und verschärft. Sie zerrt verborgene Charakterwindungen ans Licht und führt sie ins Groteske: Herrlich wie sie auf ihrem Riesenwäscheberg thront, huldvoll die Parade abnimmt und gnädig dem Volk zuwinkt. Herrlich wie sie den vor Angst von Kopf bis Fuß schlotternden Soldaten überzeichnet. Herrlich und so befreiend wie ihre Gesichtsmimik das Wechselbad menschlicher Gefühle widerspiegelt und der Ernst des Lebens in Lachsalven schwindet.

Gardi Hutter hat sich seit langem in der Männerwelt der Clowns durchgesetzt. Nach einer Schauspielausbildung an der Schauspiel-Akademie Zürich hat sie in Italien eine dreijährige Clowns-Gesellenzeit absolviert. Mit ihrem Clown-Theater ist sie inzwischen in vielen Ländern der Welt unterwegs. Sie braucht keine Sprache, um verstanden zu werden. In Hameln begeistert die Clownin mit ihrer „Ein-Frauen-Show“ so, dass der Applaus erst endet, als sie beginnt Zuschauer aus dem Theater zu werfen.

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