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Jörg Mannes „Gefährliche Liebschaften“ nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos

Wieder grandios getanzte Liebesszenen

Hannover. Reizvoll – aber sicher! Und ebenso sicher: Nicht unbedingt die ideale Vorlage für ein Ballett, dieser berühmt-berüchtigte Briefroman des Choderlos de Laclos mit seinen „Gefährlichen Liebschaften“. Ein teuflisches Spiel um Macht und Verführung um der Verführung willen. Ein zynisches dazu. Denn die Marquise de Merteuil ist stocksauer auf ihren Ex-Liebhaber. Und ebenfalls ein Ex, Vicomte de Valmont, soll ihr helfen, die Braut des Ex-Ex noch vor der Hochzeit zu entjungfern. Cécile wird sein Opfer. Parallel dazu soll er die tugendhafte de Tourvel erobern. Der Preis: Die Marquise selbst.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

Valmont (Denis Piza) verführt Cécile ( Catherine Franco)  Foto:

Autor:

Richard Peter
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Um es kurz zu machen: Valmont überwältigt Cécile, die sich als gelehrige Schülerin in Sachen Liebe erweist und auch die tugendhafte Tourvel wird schwach. Eine böse Geschichte – und eben darum reizvoll. Schwierig allerdings, das intellektuelle Geflecht tänzerisch darzustellen. Das gelingt auch Jörg Mannes nicht perfekt. Was ihm aber umso perfekter gelingt: grandiose Liebesszenen. Die Vergewaltigung der Cécile durch Valmont. Das ist Tanz in Vollendung, hinreißend Catherine Franco und ebenbürtig Denis Piza. Da spielt Mannes seine ganze Spannweite an figuraler Fantasie aus, erfindet traumhaft sicher Bilder, die faszinieren und einen nicht loslassen.

Und auch das Duo Valmont und Tourvel (Karine Seneca) sorgt dafür, dass die Pas de deux in der Staatsoper zum bejubelten Ereignis werden – an dem auch das Staatsorchester unter Toshiaki Murakami mit einem Mix aus Händel – herrliche Arien mit dem Mezzosopran, Monika Walerowicz, viel Vivaldi und schließlich, als Uraufführung, Mark Polscher, dessen Tonkunst vor allem als stark rhythmisierte Geräuschkulisse erlebbar wird, aber, vor allem im ersten Teil, etwas stark auf Spannung getrimmt ist, wo es doch noch heiter verspielt um Tändeleien geht – de Sade kommt erst später.

Ein respektabler Versuch – auch wenn er vermutlich nicht in die Ballettgeschichte eingehen wird.

Weitere Vorstellungen: 10. und 26. März sowie am 3., 9. und 28. April.

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