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Spannende Kombinationen von Musik und Malerei im Hamelner Konzert: Von Dürer bis Cage

Wie klingt eigentlich Botticellis „Venus“?

Hameln. Dass sich ein Kunststil nie solistisch, sondern stets parallel oder mit geringer Zeitversetzung auch in anderen Kunstdisziplinen manifestiert, ist eine Betrachtung im Einzelnen wert. Aus diesem Gedanken entwickelte der Braunschweiger Orchesterdirektor Martin Weller die Idee zu einem Gesprächskonzert, das die Zusammenhänge zwischen Musik und Malerei im wahren Wortsinn in den Blickpunkt rückte: Über dem auf dem Podium sitzenden Staatsorchester wurde der zur Hälfte ausgefahrene eiserne Vorhang zur Projektionsfläche für Bilder. Von der Renaissance bis zum 20. Jahrhundert – von Dürer bis Rauschenberg und von Tilman Susato bis John Cage reichten die ausgewählten Beispiele.

veröffentlicht am 03.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:41 Uhr

Gerd Schaller leitete das Staatsorchester Braunschweig, das am D

Autor:

Karla Langehein
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Akademisch fundiert, aber alles andere als trocken, moderierte Weller die unterschiedlichen Kombinationen von Bild und Musik. Das war spannend und originell bis kabarettistisch-witzig, etwa, als er Böcklins Gemälde „Die Toteninsel“ mit der Architektur des Bundeskanzleramts verglich.

Bunt gemischt wie die Abfolge der Bilder war auch das musikalische Programm – und das Staatsorchester spielte in sehr erfreulicher Konzentration und bester Form. So gut hörten wir sie in letzter Zeit nicht oft. Wunderschön realisiert: Resphigis irisierend zarte Komposition „Geburt der Venus“ – und im Kontrast dazu im Blechbläsersatz zwei Tänze von Tilman Susato, einem Zeitgenossen Botticellis. Wenn bei den bisher genannten Beispielen das Bild zum Auslöser einer Komposition wurde, zeigte Weller auch den umgekehrten Weg: Bilder nach Musik. Bachs Fugen regten zahlreiche Maler des 20. Jahrhunderts zur Umsetzung des Akustischen ins Optische an, unter ihnen auch Braque und Feininger. Weller kombinierte ein Gemälde von Paul Klee mit den Contrapuncti I und III aus der Kunst der Fuge, gespielt von einem Streichquartett und zumindest ein Höhepunkt des Abends.

Unter der schnörkellos umsichtigen Leitung von Gerd Schaller zeigte das Staatsorchester mit Rachmaninows op. 29 „Die Toteninsel“ fein differenzierte, sich organisch entwickelnde Binnendynamik. Eine hervorragende Gesamtleistung auch die Wiedergabe der 6. Sinfonie des Amerikaners George Antheil. Dass man angesichts der drangvollen Enge auf dem Podium auf das in der Partitur vorgesehene Klavier verzichtete, war zu verschmerzen, zumal dieses Instrument solistisch keine Rolle spielt, sondern lediglich als mitlaufender Klangverstärker der ohnehin schon dichten Instrumentation dient.

An anderer Stelle allerdings fehlte ein Flügel: John Cages „4’ 33“ sind in der Originalfassung für einen Pianisten deutlich eindrucksvoller als die etwas mager geratene Choreografie des schweigsamen Orchestertuttis. Aber das war auch der einzig offenbleibende Wunsch in einem Konzert, das von den Hamelnern mit größter Begeisterung aufgenommen wurde.



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