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Foto-Ausstellung zeigt Büropflanzen

Wie geht’s denn dem Geldbaum in der Bankfiliale?

Herford. Grüne Blätter eines Gummibaums ranken zwischen Lamellen-Vorhängen. Der Blumentopf sieht vernachlässigt aus; es fehlt eindeutig Erde darin. Eine verkalkte, leere Gießkanne erzählt die traurige Geschichte. „Um Büropflanzen“, scheint sie zu sagen, „kümmern sich doch sowieso die wenigsten.“ Daher hat sich nun eine junge Fotokünstlerin all jenem Grünzeug angenommen, das – gewollt oder ungewollt – den Dschungel ins Arbeitszimmer holt. All den Wildwuchs fleischiger und pflegeleichter Gewächse auf Ablage-Systemen und Bücherregalen dokumentiert Saskia Groneberg in ihrem umfangreichen Werk „Büropflanze“. Es ist zu sehen in der Ausstellung „Gute Aussichten“ im Marta Herford; hier stellen die sieben Preisträger des Nachwuchswettbewerbs 2012/2013 ihre zeitgenössischen Fotografien aus. Und – so viel sei vorweggenommen: Der Ausstellungsbesuch lohnt sich; nicht nur wegen der Pflanzenporträts.

veröffentlicht am 20.12.2012 um 15:35 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Julia Marre
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Bei Gronebergs Arbeit besticht nicht nur die gute Idee, auch die nahezu wissenschaftliche Umsetzung überrascht. Welche Pflanzen in den Büroräumen der Süddeutschen Zeitung in München zu finden sind oder wie das Berliner Finanzamt Marzahn-Hellersdorf und der Landtag von Baden-Württemberg ausgestattet sind, hat die Absolventin der Stuttgarter Kunstakademie in Schwarzweiß-Fotos festgehalten. Und, schnippschnapp, sie hat auch von allem – Palme, Gummi- und Geldbaum – einen Trieb abgeschnitten und ein esstischgroßes Herbarium zusammengestellt. Im Lampenlicht wächst ein Urwald an Stecklingen in Wassergläsern, fein nummeriert nach Fundorten.

Nicht alle ausgestellten Foto-Arbeiten sind so kurzweilig wie diese. Svetlana Mychkine dokumentiert in ihrer Reihe „zuckerblau“ Kinder in russischen Waisenhäusern. Farbgesättigt sind die ernsthaften Aufnahmen, die doch so Trostloses zeigen: kühle Einrichtung und sozialistische Architektur, in der Geborgenheit und Behaglichkeit offensichtlich keine Rolle spielen.

Westwärts ist Henning Bode von der Fachhochschule Hannover für seine Aufnahmen der Serie „Die Kinder des King Cotton“ gereist: ins Mississippi-Delta. Hier hat er Südstaaten-Bewohner in eindringlichen Schwarzweiß-Bildern porträtiert.

Farbig und doch schlicht gehalten sind Nicolai Rapps Ballenbilder auf weißem Grund. Unter dem Titel „Dead White Men’s Clothes“ hat der Absolvent der FH Bielefeld verschnürte Hilfspakete voller Kleidung aus den Industriestaaten porträtiert. Die erinnern zwar an Skulptürchen aus Polyester und Seide, sind aber Objekte, auf die in der „Dritten Welt“ händeringend gewartet wird. Der Titel verrät: In Afrika nehmen die Empfänger an, dass diese Säcke voller Kleidung nur von toten weißen Menschen stammen können.

176 Motive beinhaltet die Ausstellung, die das Marta Herford in der Lippold-Galerie zeigt. Motive, die mit der Wahrnehmung ihrer Betrachter spielen, die von Alltäglichem berichten und spannend in ihrer Kombination sind.

Die Ausstellung „Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie 2012/2013“ ist bis zum 20. Januar im Marta Herford zu sehen: täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, am ersten Mittwoch im Monat bis 21 Uhr. Eine Sonderführung mit den Ausstellungsmachern findet am Dienstag, 8. Januar, ab 16 Uhr statt. Am Sonntag, 20. Januar, führt der Künstlerische Direktor Roland Nachtigäller um 16 Uhr durch die Ausstellung.



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