weather-image
21°
Joe Cockers Einladung zur Liedgut-Verkostung in der AWD-Hall zieht 3700 Gäste an

Wie ein ordentlicher Supermarkt-Bordeaux

Hannover. Cocker hören ist wie ein gutes Glas Bordeaux trinken. Aber eben nicht den im Keller gelagerten Edeltropfen für den ganz besonderen Tag, sondern den höherpreisigen aus dem Weinregal des Supermarkts. Schmeckt prima, aber es passiert nicht viel an Zunge und Gaumen. Cocker-Musik geht geschmeidig ins Ohr, wirkt entspannend. Die siebenköpfige, schwarz gekleidete Band, die unter einem Kegel aus blau und gelb glimmenden Glühbirnen in der AWD-Hall aufspielt, lässt es fließen. Da eckt nichts an. Eine kompetente Tour-Mannschaft mit Backgroundsängerinnen, Hammondorgel, Saxofon, Congas und Akkordeon für „N’Oubliez Jamais“.

veröffentlicht am 25.11.2010 um 15:08 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:21 Uhr

270_008_4410893_ku105_2611.jpg

Autor:

Martin Jedicke
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der Brite, der bei Woodstock mit der sensationellen Lesung des Beatles-Schlagers „With A Little Help From My Friends“ – ursprünglich Ringo Starrs begrenzten Vokalkünsten zugedacht – den Hippies die Münder offen stehen ließ, hatte mit seinen Coversongs oft ein glückliches Händchen. Von denen bietet Cocker den 3700 Gästen wieder die erwarteten Knaller, angereichert um ein paar Titel vom neuen Album, das rückschauend „Hard Knocks“ heißt. Selbst- und fremdverschuldete Schicksalsschläge hatte der 66-Jährige bekanntlich einige zu meistern, aber die liegen lange zurück. So glatt und auszurechnen, wie Cockers Leben heute zu laufen scheint, geraten dann auch viele Arrangements.

Wäre da nicht Cockers Stimme, die immer noch prächtig krächzt und gurgelt und die Trade-Mark-Schreie nicht nur in „With A Little Help“ problemlos bewältigt, dort aber im Lichtkegel in sonst dunkler Halle. Drei Luftsprünge am Ende, alle Achtung! „You Are So Beautiful“ singt er sanft zum Piano, „Unchain My Heart“ und „You Can Leave Your Hat On“ sind die gewohnten Stimmungskanonen. Spannender gerät hingegen das gospelige „Cry Me A River“ im Zugabenblock. Zum funkrockigen „Come Together“ darf sich die Band dann einmal ein wenig austoben.

Müßig die Frage, welches Verhältnis der Mann heute zu den Covern oder, wie aktuell, den ihm auf den rundlichen Leib geschriebenen neuen Songs tatsächlich hat. Diese soulig-erdige, über die Jahre besonders von den Deutschen so liebgewonnene Blues-Stimme ist ein Erlebnis – solange der Mann mit rudernden Armen und flirrenden Fingern auf der Bühne stehen kann und die Fans davor. Die trinken am Mittwochabend übrigens eher Bier als Wein.

Seine Stimme krächzt und gurgelt noch immer prächtig: Joe Cocker. Foto: jed

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare