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Audiovisueller Elektronikzauber mit Jean Michel Jarre

Wie ein Kind im Spielzeugladen

Hannover. Anfang Juli steht Jean Michel Jarre im blütenweißen Hemd neben Prinz Albert und seiner Braut Charlène Wittstock und lässt sich feiern. Der Meister der Gigantomanie hat sich nicht lumpen lassen: Seine Bühne ragt in das Hafenbecken von Monaco hinein. Im Hintergrund eine Hochhauskulisse mit Projektionsflächen. Laser zucken zwischen den Türmen. Das Konzertende krönt ein Feuerwerk. Hafenbecken, Hochhäuser und Feuerwerk passen am Dienstagabend dann doch nicht in die zwar geräumige, aber mit 2500 Besuchern nur leidlich gefüllte TUI-Arena Hannover.

veröffentlicht am 02.11.2011 um 12:19 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 03:41 Uhr

Autor:

Martin Jedicke
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Für Jarre-Verhältnisse bedeutet das fast Lightshow light: Einmarsch des Tastenmagiers durch das Publikum mit Suchscheinwerfer. Ein Laserkegel, in dem Jarre ein Umhängekeyboard spielt, fantasievolle Videos auf einer Riesenleinwand – ein audiovisueller Genuss und mehr, als üblicherweise zu sehen ist.

Natürlich spielt Jarre die Laserharfe, führt all das vor, was sein Technikpark hergibt. Und da findet sich auch ein so putziges Instrument wie das bald 100 Jahre alte Theremin, dessen elektromagnetisches Feld auf Bewegung reagiert. Robert Moog entwickelte daraus den Synthesizer, der die elektronische Musik nachhaltig prägte. „Oxygène“ und „Equinoxe“, die Durchbruchplatten aus den Siebzigern und ursprünglich als mehrteilige Elektroniksuiten konzipiert, tauchen immer wieder während der zwei Stunden auf und machen in ihrer poppigen Melodieführung auch 2011 noch Spaß. Vibrierende Bässe, flirrende Keyboardflächen, per Hand gespielte Drumpads, blubbernde Cluster, ein Zischen wie aus Star-Trek-Phasern – das wirkt manchmal hypnotisch, mitunter auch wie die Untermalung eines gefilmten Rundflugs über das Weserbergland.

Drei Tourmusiker unterstützen den Elektro-Copperfield bei seinen Klangexkursionen, beim Knöpfe-Drücken und Rädchen-Drehen. Zum Teil herrlich archaische Gerätschaften hat Jarre zu einer Wagenburg zusammengestellt. Er wirkt mit seiner ansteckenden Begeisterung für sein Tun wie ein Kind im Spielzeugladen. Aus dem heraus versucht der 63-Jährige mit geradezu jugendlich anmutendem Charme das eher reservierte Publikum zu Klatschaktivitäten zu animieren. Dass auf der Rückfahrt eine zart gezupfte Gitarre aus dem Autoradio ertönt, ist aber auch nicht schlecht.



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