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"Wie ein dicker Schneeball, der immer größer wird"

Hameln. „Eine Frage des Vertrauens“ heißt der ZDF-Fernsehfilm der Woche, der am Montag ausgestrahlt wird. Annette Hess aus Dörpe schrieb dafür das 110 Seiten umfassende Drehbuch. Ein Jahr lang dauerte es von der Idee bis zur Verwirklichung. Drei Monate lang hat sie allein das Skript verfasst. Julia Marre sprach mit der Drehbuchautorin, die bereits unter anderem für den Film „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ das Drehbuch verfasste.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 12:44 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 05:41 Uhr

Kultur
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Frau Hess, Sie haben das Drehbuch für einen Film geschrieben, der eine medizinische Ausbildung schildert, aus dem Krankenhausalltag erzählt und zig ärztliche Diagnosen beinhaltet. Da reichte es bestimmt nicht aus, „Emergency Room“ und „Dr. House“-Folgen zu schauen, um fachlich vorbereitet zu sein?!
Nein. Gerade bei diesen amerikanischen Serien ist das gefährlich. Man fällt schnell auf die Nase, wenn man sich auf die als Fakten verkauften Informationen verlässt. Zwar ist „Dr. House“ auch hoch medizinisch. Aber ich habe nicht vom Bild abgemalt, sondern von der Realität.

Also haben Sie direkt bei Ärzten recherchiert?
Ja. Ich sprach mit einer Freundin über ihr Medizinstudium. Und mit einem Chirurgen über Fachliches. Natürlich musste ich mit Ärzten reden, um ein Gefühl für die Geschichte zu kriegen. Außerdem habe ich im Internet recherchiert. Und zwei Ärzte haben schließlich das Drehbuch korrekturgelesen, allein hinsichtlich der Fachtermini. Insgesamt wurde es von vier bis fünf Menschen geprüft.

Wenn Sie in solch einem langwierigen Schreibprozess stecken: Wie sehr leben Sie dann in der von Ihnen erdachten Geschichte?
Inzwischen bin ich so professionell, dass ich abschalten kann, wenn ich mit meinen Kindern zwischendurch Mittag esse. Aber andersherum kann ich auch drei Stunden lang abwesend sein – im Prozess des Denkens, Verarbeitens, Schreibens. Mein Alltag ist davon nicht so beeinflusst. Manchmal frage ich meine Familie auch um Rat. Übrigens spielt meine Tochter eine kleine Rolle in dem Film.

Welche denn?
Die eines kranken Kindes. Meine Tochter ist elf Jahre alt. Zwei Tage lang war sie deswegen bei den Dreharbeiten dabei.

Waren Sie auch am Set?
Nein, diesmal war ich nicht dabei. Aus Zeitgründen ließ sich das leider nicht einrichten. Sonst bin ich gern mal da.

Stimmt es, dass die Geschichte von der Ärztin, die ihre Approbation gefälscht hat, auf der Wahrheit beruht?
Ja, das ist richtig. Die Produktion ist angeregt von einem konkreten Fall einer Ärztin aus Hamburg. Ich habe nur gewusst, was ich in der Zeitung darüber lesen konnte. Und beim Schreiben hatte ich gelegentlich Angst, dass das, was ich mir ausdenke, sich allzu sehr mit der Realität deckt.

Ihre Hauptfigur, die Ärztin Marie Hansen, ist dem Zuschauer nicht unsympathisch – obwohl sie unrecht handelt. Mit welchen Mitteln haben Sie die Figur so angelegt, dass man Verständnis für sie entwickelt?
Entscheidend sind die ersten zehn Minuten. Anfangs sitzt Marie mit schwitzenden Händen in einer Prüfung. Man ist dadurch einfach nah bei ihr, leidet mit. Später muss sie schon ziemlichen Mist bauen, um die Sympathien des Publikums wieder zu verlieren. Und in die Lüge rutscht sie herein. Sie täuscht ihren Doktortitel ja nicht vor, um reich zu werden. Sie möchte ihre Familie schützen. Das alles wirkt wie ein Schneeball, der immer größer wird.

 4 Am Montag, 8. März, um 20.15 Uhr zeigt das ZDF den von Miguel Alexandre inszenierten Film „Eine Frage des Vertrauens“. Silke Bodenbender spielt darin die Ärztin Marie Hansen, die unter Druck gerät – an der Seite von Wotan Wilke Möhring.

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