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Wie die Stimmbildnerin Irmgard Weber mit einem Chor arbeitet

Von Julia Marre

Hameln. Wenn rund 50 Sänger gemeinsam einen lauten „Iiiiiiieh“-Schrei ausstoßen und dabei mit dem Finger durch den Kirchenraum zeigen, dann steckt sie dahinter. Ebenso wenig ist sie unbeteiligt, wenn die Kantorei kollektives Schulterkreisen ausübt. Oder wenn mit in die Luft gestrecktem Arm und gefalteten Händen „Ohjojo jojo jojo“ gesungen wird. Irmgard Weber ist weder Gymnastiktrainerin noch Chorleiterin. Sie ist Stimmbildnerin – und begleitet am Mittwochabend die Chorprobe in der Marktkirche. „Ich empfinde meine Arbeit als mehr als nur mimimi und düdüdü“, sagt sie.

veröffentlicht am 09.04.2010 um 12:47 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 02:41 Uhr

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Von Julia Marre

Hameln. Wenn rund 50 Sänger gemeinsam einen lauten „Iiiiiiieh“-Schrei ausstoßen und dabei mit dem Finger durch den Kirchenraum zeigen, dann steckt sie dahinter. Ebenso wenig ist sie unbeteiligt, wenn die Kantorei kollektives Schulterkreisen ausübt. Oder wenn mit in die Luft gestrecktem Arm und gefalteten Händen „Ohjojo jojo jojo“ gesungen wird. Irmgard Weber ist weder Gymnastiktrainerin noch Chorleiterin. Sie ist Stimmbildnerin – und begleitet am Mittwochabend die Chorprobe in der Marktkirche. „Ich empfinde meine Arbeit als mehr als nur mimimi und düdüdü“, sagt sie. Während Kreiskantor Hans Christoph Becker-Foss von seinem Chor ab Takt 27 eine majestätische Haltung fordert und expressiv am Pult dirigiert, beobachtet Irmgard Weber die Sänger. Hebt den Arm. Gibt hilfreiche Hinweise. „Das, was der Chorleiter sängerisch und künstlerisch will, versuche ich zu verstehen und in Übungen umzusetzen“, erklärt sie. Ihre Rolle sei die einer Vermittlerin. „Ich verfolge einen didaktischen Ansatz“, sagt die studierte Sängerin. Mit unterschiedlichen Stimmübungen leitet sie das etwa 20-minütige Einsingen. Was ihr an der Arbeit mit dem Hamelner Chor besonders gefällt? „Ich bekomme hier Raum für meine Arbeit.“
Seit zehn Jahren ist Irmgard Weber der Hamelner Kantorei verbunden. „Als Sängerin singt man immer wieder vor, um Engagements zu bekommen“, sagt sie. So habe sie es auch bei Becker-Foss gemacht. Nach dem „Hallo, hier bin ich“ haben die beiden sich getroffen. Irmgard Weber sang in einem weihnachtlichen Festgottesdienst. Der Kreiskantor bot ihr die Chorarbeit an. „Es hat sich so entwickelt“, sagt die Stimmbildnerin. Und fügt hinzu: „Ich mache das richtig gerne, sonst würde ich das gar nicht tun. Dann könnte ich mich auch auf die Straße stellen und dort Gurken verkaufen.“
 Als Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin hat Irmgard Weber an Hannovers Hochschule für Musik und Theater gelehrt. Auch an Hamburger Musicalschulen war sie vorübergehend tätig. „Denn vom Singen allein kann man nur selten leben“, sagt sie. Dennoch unterrichte sie sehr gerne.
Ihre Arbeit mit der Hamelner Kantorei beschreibt sie als „weniger zielorientiert, mehr prozessorientiert“. Darauf, dass sich die Sänger wohlfühlen und dass sie gesund bleiben, kommt es ihr als Stimmlehrerin an. „Schließlich gibt es auch noch andere Konzerte.“ Zunächst aber ist die ganze Aufmerksamkeit auf Händels Oratorium „Saul“ gerichtet: Szenisch konzipiert wie eine Oper sei das Werk. „Der Chor muss dabei mehr tun als nur dazustehen und zu singen“, sagt Irmgard Weber. „Er nimmt eine gestalterische Haltung ein.“ Zeitgleich mit den Sängern vor etwa einem halben Jahr erhielt die in der Wedemark lebende Stimmlehrerin die Noten. Nach Proben mit den einzelnen Stimmen ist sie seit den vierstimmigen Übungsstunden dabei. „Ich finde, dass dieser Chor für einen Laienchor richtig gut ist. Die Sänger sind motivierter als die anderer Chöre.“ Woran das liegen mag? „Der Chorleiter verlangt viel von den Sängern, aber er traut ihnen auch eine Menge zu“, so die Stimmbildnerin.

 

- Händels „Saul“ wird unter der Leitung von Hans Christoph Becker-Foss am Samstag, 17. April, um 18 Uhr und am Sonntag, 18. April, um 17 Uhr in der Marktkirche St. Nicolai aufgeführt. Karten gibt es in der Dewezet-Geschäftsstelle.

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