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Werthers Esskapaden zwischen Käsebrot und kalten Dosenravioli

Von Julia Marre

Hameln. Er pinkelt an den Bühnenvorhang, nachdem er die silbrige Thermoskanne aus seinem Jutebeutel leergetrunken hat. Er mampft kalte Dosen-Ravioli, während er munter weitererzählt. Er verdient ein paar Cent als Straßenmusiker, ehe er sie bei McDonald’s verprasst. Wenn Goethes Werther in diesen Tagen im Theater Hameln zu Led Zeppelins Hymne „Whole Lotta Love“ Graffitis sprüht, ist Jens Zimmermanns Fassung von Kutschfahrten und Briefen ein paar Hundert Jahre entfernt. Schließlich haust der Protagonist hier in einem türkisfarbenen Bushäuschen und kommuniziert schon mal per Telefon mit seiner Herzdame Lotte. So weit, so zeitgemäß.

veröffentlicht am 22.10.2009 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

Werther
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Die 70er-Jahre-selige musikalische Ein-Mann-Fassung von Goethes erstem Bestseller der neueren deutschen Literatur besticht vor allem dadurch, dass er eben nicht ausschließlich monologisch im Briefcharakter vorgetragen ist. Was sich im Goethe-Manuskript zwischen dem 4. Mai 1771 und dem 24. Dezember 1772 ereignet, liest der Werther-Darsteller mal aus dem Reclam-Heftchen vor, mal lebt er es, mal erzählt er es nach, mal spricht er mit einer Konservendose darüber. Passagen aus der Originalfassung sind kombiniert mit freiem Text – kurzweiliger und jugendtauglicher kann man so ein zeitloses Thema wohl kaum inszenieren.



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