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Kantor Stefan Vanselows bemerkenswerte Umsetzung eines schwierigen Programms / Starke Solisten

Wer wagt, gewinnt

Hameln. Bekanntlich gewinnt nicht immer, wer wagt, und Stefan Vanselow hätte es sich mit dem Programm seines Antrittskonzerts ja auch deutlich einfacher machen können. Aber er wagte mit Mauersberger und Schönberg den Schritt in ein für die meisten Hörer unbekanntes Terrain und gewann letztendlich wohl auch, weil als Schwerpunkt des Konzerts das Deutsche Requiem von Johannes Brahms auf dem Programm stand.

veröffentlicht am 11.10.2015 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Obwohl zuletzt erst vor fünf Jahren aufgeführt, musste selbst ein so versierter Chor wie die Hamelner Kantorei sich dieses Werk wieder neu erkämpfen. Und dies umso mehr, als erstmals die in vielen Jahren gewohnte Verstärkung durch das „göttinger vokalensemble“ entfiel, mit Stefan Vanselow ein neuer Dirigent die Leitung übernahm und mit den Herfordern ein anderer orchestraler Partner als 2010 zur Verfügung stand. Was blieb, sind die bei Brahms‘ Requiem hinlänglich bekannten Schwierigkeiten wie extreme Sopranhöhen, hohe Intonationshürden für die Mittelstimmen und nicht zuletzt die immer wieder problematische Klangbalance zwischen Chor und Orchester. Es spricht für alle Mitwirkenden, dass trotzdem eine in sich so geschlossene und werkgerecht gute Aufführung gelang wie diese. Sicherlich lassen sich die durch den Text initiierten werkimmanenten Farbwechsel deklamatorisch, dynamisch und mit stärker angelegten Tempowechseln noch deutlicher ausleuchten. Die hohe Qualität dieser Wiedergabe gelang aber unter anderem auch deshalb, weil Stefan Vanselow sich und alle Mitwirkenden gradlinig auf das Wesentliche konzentrierte und damit die Zuhörer erreichte. Der begeistert lange Beifall galt auch Henryk Böhm, der wie schon 2010 spannungsvoll und ausdrucksstark in der Bariton-Partie zu hören war, sowie der Sopranistin Susanna Pütters. Sie ist sonst in dramatischen Opernpartien wie „Salome“ erfolgreich unterwegs und musste nun mit dem „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ in ein völlig anderes Rollenfach wechseln.

Auch Rudolf Mauersbergers „Wie liegt die Stadt so wüst“ und Arnold Schönbergs „A Survivor from Warsaw“ sind Totengesänge. Mauersberger, der den Dresdner Knabenchor über vierzig Jahre leitete, komponierte die Motette im Juni 1945, wenige Wochen nach der Zerstörung Dresdens. Mit ihrem stellenweise bis zur halbdissonanten Siebenstimmigkeit gesplitteten Chorsatz stellt diese Komposition insbesondere als Eingangsstück in ein Konzert enorme Ansprüche selbst an Profichöre. Deshalb ohne jedes Wenn und Aber eine deutliche „Gratulation!“ an die Hamelner Kantorei, die es schaffte, diesem eindrucksvollen Werk eine ebenso eindrucksvolle Klanggestalt zu verleihen.

Und Gratulation auch an Stefan Vanselow, die Nordwestdeutsche Philharmonie und Henryk Böhm für die Interpretation von Schönbergs Erinnerung an die Toten des Warschauer Gettos. Die Komposition für Erzähler, Männerchor und Orchester, entstand im August 1947. Zwölftönig, ausgeprägter Expressionismus, knappe sieben Minuten klingendes Grauen. Vanselow gelang unter anderem durch die deutliche Einhaltung der in der Partitur vermerkten Generalpausen eine bemerkenswert klare Gliederung, in deren Folge sich die Steigerung bis zum Einsatz des „Sch’ma Jisrael“ in großer Spannung entwickeln konnte: Der frühe Höhepunkt des Sonnabend-Konzerts.

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  • Das Konzert war gut besucht.


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