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Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ in einer actionreichen Neuinszenierung in der Staatsoper Hannover

Wenn selbst die Bühne Theater spielt

Hannover. Es ist nicht nur die „Musi“, die dazu spielt – die ganze Bühne ist Rummelplatz und in Daueraction, mischt kräftigst mit bei diesem „Barbier von Sevilla“. Und da geht’s drunter und drüber, wird gelogen und getrickst, dass sich die Bühnenbretter biegen und jeder und jede schlüpft in Rollen, bis sie selber nicht mehr wissen, wer oder was sie sind. Worum es geht: um Sex, Geld und die Lust am Spiel, an der Verkleidung. Theater halt. In diesem Vorspiel zu Mozarts „Figaro“, auch wenn der früher entstanden ist, macht Rossini bewusst einen Salto rückwärts Richtung gute alte Zeit, als auch Liebhaber-Tenöre noch Koloraturen singen mussten. Rossini setzt bewusst auf Commedia dell’arte mit ihren festgelegten Figuren. Bartolo als Pantalone, der klassische Alte, Figaro als Diener – und natürlich das Liebespaar. Der Vorteil, schon bei der Vorlage von Beaumarchais, die Typen waren allgemein bekannt – was heute nicht mehr vorauszusetzen ist – auch die Handlung folgte einem Schema, das nur wenig Spielraum bot.

veröffentlicht am 23.01.2012 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Genau das bricht Alexander Charim in seiner Inszenierung, die am Samstag in der Staatsoper Hannover Premiere hatte, nun auf. Kein fest gefügter Ablauf – schon während der Ohrwurm-Ouvertüre, die so hinreißend ist, dass Rossini sie gleich in drei seiner Opern einsetzte, entschweben Scheinwerfer an Zügen in den Schnürboden, rieseln Flocken auf die Bühne, werden Kulissen verschoben. Theater um des Theaters willen. Eine Commedia, zu der Charim jede Menge einfällt. Witziges, nicht ganz so witziges – und dort, wo das Timing nicht stimmt, nur noch Chaos herrscht, wird’s auch mal langweilig. Und vieles will nur lustig sein und ist es nicht.

Herausragend im Ensemble – das dürfte im Barbier eher selten sein: Bartolo, den Frank Schneiders gleichermaßen brillant singt und spielt. Hinreißend auch: Monika Walerowicz als Rosina, von der es einmal hieß, sie müsse die Unbefangenheit der Jugend besitzen und den sängerischen Gestus einer Callas, und hier ihren Mezzo und die Koloraturen spielerisch einsetzt und vom Balkon im Zuschauerraum für reizvolle Akustik sorgt. Nicht ganz so stark Sung-Keun Park als Almaviva – da kommen die Töne manchmal arg zerquetscht und quäkend aus der Kehle – auch Jin-Ho Yoo als Titelfigur, die mit Rosina rummachen muss, obwohl sie ja in Lindoro alias Almaviva verknallt ist. Bei Mozart wäre dann das Faktotum der Ex-Lover der Gräfin, während sich der Conte an Figaros Susanna schadlos hält. Gewissermaßen ein flotter Vierer. Kommt dazu, dass dem Figaro die Leichtigkeit und Chuzpe des gerissenen Gauners fehlt. Eine Leichtigkeit, über die das Staatsorchester unter Ivan Repusic in so reichem Maße verfügt, selbst wenn es gewaltig blitzt und donnert.

Beim Applaus nicht ganz unverdiente Buhs, wenn auch con sordino, für die Vorstände. Und schon vorher, ganz zaghaft für Almaviva und Figaro. Das hat es auch schon lange nicht mehr gegeben.

Die weiteren Termine: am 26. und 31. Januar, 11. und 18. Februar jeweils um 19.30 Uhr.



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