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Hildesheimer Kunstprofessor mit „NOTTODO zeitkammzeuge“ in der Künstlergruppe „arche“

Wenn hanslamb mit der Gabel die Zeit kämmt

Hameln. So ganz spontan und auf den ersten Blick: einfach viel Holz in der Hütte – und eigenwillige Titel dazu, wie „großes digitalregal 1“ – oder, fast schon lyrisch angehaucht: „paradies und paradas“. Und das pure Gegenteil dessen, was die „arche“-Einladung zur Ausstellungs-Eröffnung am Freitagabend in den Galerieräumen suggerierte. Kühle, fast schon strenge Grafik für hanslamb „NOTTODO zeitkammzeuge“.

veröffentlicht am 08.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

hanslamb vor seinem „paradies und paradas“  Foto: gr

Autor:

Richard Peter
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Und dann ein Sammelsurium an Holzskulpturen, grob behauen, manchmal mit Aussparungen – und bevorzugt: Astgabeln. „Da macht sich einer seinen Spaß“, wie arche-Vorsitzende Annemarie Hodges, zur Begrüßung versicherte. Und tatsächlich Spaß macht. Gute Laune verbreitet. Nicht das

einzige Rätsel

Ob „kleiner warsager“, wobei offen bleibt, ob das fehlende „h“ ein Druckfehler ist oder ganz bewusst das „war“ als „gewesen“ einsetzt. Nicht das einzige Rätsel der Ausstellung, die so rätselhaft und gleichzeitig einfach ist. Fallstricke inklusive.

Der „kleine warsager“ jedenfalls ist alles andere als klein, ist ein Klotz, der an einen riesigen Steinpilz erinnert, wobei der Hut durch drei riesige Flüstertüten ersetzt ist, die eine eigenartige Akustik besitzen, wenn man hineinspricht. Da werden erwachsene Männer unversehens wieder zu Kindern.

Und Kindliches ist überall zu entdecken, weil Fantasie zwangsläufig ergänzen muss, was so eindeutig nicht zu erkennen ist. Kindern kann ein Holzklotz eine ganze Welt bedeuten. Und Assoziationen wohin man auch schaut. Gewaltige hölzerne Zahnräder wie aus „Modern Times“, allerdings im Steinzeit-Look, wenn auch aus Holz.

hanslamb – er schreibt sich nun mal so – hat sich selbst eingeführt. Eine Rede, die sich dafür entschuldigt, keine Rede zu sein, weil halt so viel dazwischen gekommen sei, das Ölen des Holzes, tote Ratten, kranke Kinder – aber dann doch ein paar Anregungen zu „zeitkammzeuge“.

Zeit – eine elendswissenschaftliche Wikipedia-Definition, sehr komisch – und von John A. Wheelers als Kurzfassung: „Zeit ist, was verhindert, dass alles auf einmal passiert“. Ganz nah am „lamb“-Werk. Auch das „kamm“ – und Kamm als ältestes Instrument zu Körperpflege aber auch als Hauptkamm im „gebirgigen“ Sinn und Grenze samt Überblick.

Und „zeuge“ natürlich – nicht als juristische Person und Zeuge sondern „werkzeuglich“ gemeint, modern also und auf englisch „tool“. Was der „arche“-Chefin Hodges entgegenkommt. Viel Englisch im Werk von lamb – der dennoch kein „Lämmchen“ ist – in seiner Rede aber mehrfach bedauert, auf dieses oder jenes nicht näher eingehen zu können. Aber so immerhin vorgibt, worüber man sich, spätestens bei Gemüsestiften samt Dip, Käse und Baguett und weinselig so seine Gedanken machen sollte.

Noch ein schöner Satz: „Aus dem momento mori des toten Baumes würde so ein momento momenti werden – und viel zu wenig Zeit um das auszudiskutieren.

Und als i-Tüpfelchen draufgesetzt: hanslamb ist wohlbestallter Professor in Hildesheim. Eine reizvolle Ausstellung – allein die vielen „blue piece“ in einem Blau, von dem lamb sagt, dass es die Plastizität stütze anstatt sie zu torpedieren – mehr noch: die sich angenehm kühl, mit der unvermeidlich rustikalen Wärme des Holzes verbindet und diese angenehm ausgleicht. Na also! Hingehen und gucken.

hanslamb NOTTODO zeitkammzeuge in der „arche“-Galerie bleibt bis 12. April mittwochs 11 bis 13 Uhr, samstags 10 bis 13 Uhr und sonntags 11 bis 14 Uhr geöffnet.



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