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Element of Crime erzählen von Menschen in der Stadt

Wenn es dunkel wird in Berlin

veröffentlicht am 15.05.2019 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 16.05.2019 um 15:53 Uhr

Sven Regener von Element of Crime. Am heutigen Freitag in der Swiss Life Hall Hannover mit Isolation Berlin als empfehlenswerte Vorband. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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BIELEFELD/HANNOVER. „Am Ende des Regenbogens legt der Regen noch einen Zahn zu und überflutet im Überschwang, gleich hinter dem S-Bahn-Übergang, den Weg mit leeren Flaschen, Steinen und Schlamm und dann geh ich noch mal den Kurfürstendamm entlang am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, singt Sven Regener gleich zu Beginn des Bielefelder Konzerts von Element of Crime. In diesen Zeilen ist fast alles enthalten, was Regeners fantasievolle Lyrik so einzigartig macht. Der nahtlose Übergang zwischen Dramatik und Lakonie, die entspannte Gelassenheit im Angesicht der alltäglichen Weltuntergänge, die überraschende Bildsprache. Und immer wieder Berlin, Lieder wie eine alternative Stadtführung, oft schon in den Titeln präsent. „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“, kommt der Mond hinter dem Parkhaus hervor und beleuchtet den Weg zu der „Party am Schlesischen Tor“. Gebrochene Romantik, eine verlorene Liebe. „Im Prinzenbad allein“ vergeht die Lust am Sommer. Und ach, mit Karin fühlt’s sich schlimmer an als das Gedrängel zu Silvester am Brandenburger Tor. „Karin, Karin“ singt Regener mit seiner Tochter Alexandra.

Wer genauer zuhört, bekommt kleine philosophische Weisheiten serviert: „Die Schere der heimlichen Wünsche schneidet Löcher ins Kleid der Vernunft.“ Die Sehnsucht nach dem Ausbruch aus der Alltagsroutine. Da ist sie erneut, die Geisteshaltung der Romantik. Und „Romantik!“ ruft Regener mit gen Saaldecke gestreckten Armen den knapp 2500 Gästen des Ringlokschuppens entgegen, die bei „Am Ende denk ich immer nur an dich“ lauthals mitsingen.

Die schönen Worte würden sicher wunderbare Gedichtbände füllen, besser aber wirken sie so hübsch knarzig gesungen zu der Musik, die Element of Crimes Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Poplandschaft ist. Klar, „Immer da wo du bist bin ich nie“ ist Rock mit Regener an der Rhythmusgitarre, „Geh doch hin“ funkiger Soul-Jazz, „Nur so“ eine fast unheimliche Jazz-Ballade. Doch wohlige Schauer stellen sich ein, wenn die Band durch walzerselige Dreivierteltakte schunkelt, mit Ekki Busch am Akkordeon und Rainer Theobald am Saxofon, die das ursprüngliche Quartett ergänzen. Jakob Ilja baut kleine, aber feine Soli ein, auch mal mit Slide-Röhrchen oder an eine Kirmesorgel erinnernd, ein in seinem Understatement oft unterschätzter Gitarrist. Dazu das verlässliche Rhythmusduo aus dem Bassisten David Young und Schlagzeuger Richard Pappik. Und zwischendurch die stilprägende Trompete Regeners.

Drei Zugabenblöcke, darunter der Singlehit „Delmenhorst“ und zum Schluss „Lieblingsfarben und Tiere“, jeder Musiker in eine andere Farbe getaucht, bei einer sonst dezent-effektiven Beleuchtung. Regener moderiert das zweistündige Programm, erzählt von einem zurückgecoverten Lied, an dem sie zuvor gescheitert seien. Und ja, man sollte mal wieder nach Berlin fahren. Es muss aber nicht zu Silvester sein.



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